February 14th, 2004

Zentralrat steht unmissverständlich zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas

"Der Zentralrat steht unmissverständlich und ohne Wenn und Aber hinter der Mehrheitsentscheidung des Deutschen Bundestages zum Bau des Mahnmals. Wir halten daher die aktuelle Diskussion über die Errichtung für unangebracht", so Dr. h.c. Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden.

"Wir haben dieses Denkmal nie gefordert", so Spiegel weiter, "weil für unser Gedenken an unsere ermordeten Familienangehörigen und Brüder und Schwestern die authentischen Orte der Qualen und Vernichtung in Europa entscheidend sind. Diese Orte gilt es auch zukünftig angemessen zu erhalten."

Die Entscheidung zum Bau des Denkmals in Deutschland, sei eine Initiative der nichtjüdischen deutschen Gesellschaft, die der Zentralrat begrüße. " Durch unsere Mitarbeit im Kuratorium der Stiftung für das Denkmal, soll unser Respekt und unsere Anerkennung für diese Entscheidung deutlich werden", bekräftigt Spiegel die Haltung des Zentralrats.

Auch der Vizepräsident des Zentralrats und Gedenkstättenbeauftragte, Dr. Salomon Korn, bekräftigt die Unterstützungshaltung des Zentralrats zum Denkmal. "Ich halte es für unangemessen, wenn in der aktuellen Diskussion um den Eisenmann-Eklat, die alten Schlachten von Gestern in der Absicht geschlagen werden, die Errichtung des Mahnmals zu verhindern", so Korn. Viel problematischer und bedenklicher sind aktuelle Entwicklungen in der Gedenkstättenarbeit in Deutschland. Der Zentralrat war kürzlich aus der Stiftung Sächsische Gedenkstätten ausgetreten, weil der Text des entsprechenden Landesgesetzes, das die CDU auch auf die Bundesebene übertragen will, NS-Verbrechen gegenüber denen des Stalinismus in der DDR relativiert. "Wir fordern zusammen mit den übrigen Opferverbänden, eine Überarbeitung des sächsischen Gesetzes und sehen so auch die Möglichkeit für eine Korrektur der entsprechenden Initiative auf Bundesebene", bekräftigt Korn. Erste Gespräche auf Landesebene werden bereits mit der sächsischen Staatsregierung geführt und weitere werden sich parallel dazu auf Bundesebene auch mit der CDU-Vorsitzenden Frau Dr. Merkel in Kürze anschließen.

Berlin, den 14. Februar 2004 / 21. Adar 5764