May 6th, 2002

Irritationen im Zentralrat über SPD-Wahlkampfveranstaltung am 08. Mai 2002

Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist irritiert und verwundert darüber, dass die Sozialdemokratische Partei Deutschlands am Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus (8. Mai 1945) eine Gesprächsveranstaltung über "Nation, Patriotismus und demokratische Kultur in Deutschland 2002" zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem Schriftsteller Martin Walser und unter der Moderation von Christoph Diekmann durchführt.
Martin Walser hat anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1998 von Auschwitz als der "Moralkeule", der "Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken" und der "Dauerrepräsentation unserer Schande" gesprochen. Moderator Christoph Diekmann stellte kürzlich in einem Aufsatz in der Wochenzeitung "Die Zeit", die rhetorische Frage, ob es nicht der "jüdische Volkserwählungsglaube" war, durch den der Nationalsozialismus inspiriert wurde. "Sollen mit dieser Veranstaltung rechtsnationale Wähler angesprochen werden", fragt Dr. Michel Friedman, Vizepräsident des Zentralrats. "In jedem Fall", so Michel Friedman weiter, "ist die Veranstaltung, mit dieser Besetzung und im Beisein des Bundeskanzlers, ein Widerspruch, der die Glaubwürdigkeit Gerhard Schröders im Angesicht der Initiative "Gegen Vergessen" und seines Anspruchs an den "Aufstand der Anständigen" relativiert.