Der Sabbat

Der Sabbat ist der eigentliche und im Grunde höchste Feiertag. Die Einführung eines allgemeinen Ruhetages nach jeweils sechs Werktagen stellt eine große soziale Errungenschaft dar, die durch das Judentum geschaffen wurde. Im Pentateuch ist gesagt, daß am siebenten Tag keinerlei Arbeit verrichtet werden darf...

Während werktags die vorgeschriebenen Gebete auch zu Hause verrichtet werden dürfen, muß am Sabbat die Synagoge aufgesucht werden. Eingeleitet wird der Gottesdienst des Sabbatbeginns am Freitagabend mit einer Begrüßung des Sabbat durch eine Reihe von Psalmen und ein Lied, das den Sabbat als Braut, Israel als Bräutigam personifiziert. [...] Zum Abschluß des Gottesdienstes wird in der Regel „Kiddusch gemacht“, d.h. ein Segen über einen Becher Wein vom Vorbeter gesprochen.

Für die häusliche Sabbatfeier am Freitagabend hat die Hausfrau einen Teller mit zwei Broten auf den Tisch gestellt, die sie mit einem Tuch zugedeckt hat. Sie hat ferner einen Becher mit Wein bereitgestellt und die Sabbatlichter angezündet – natürlich vorher, solange noch Werktag ist, denn das Anzünden von Licht ist eine am Sabbat verbotene Tätigkeit.

Für den Sabbat sind drei Mahlzeiten obligatorisch: abends, morgens und nachmittags. Die Morgenmahlzeit soll erst nach dem Gottesdienst eingenommen werden. Sie fällt daher in die Zeit des späten Vormittags, denn der Vormittagsgottesdienst, bestehend aus dem Morgengebet mit Tora- und Prophetenlesung und dem Zusatzgebet ist relativ lang.

Nachdem der Sabbat beendet ist, also nach Einbruch der Nacht, wird sowohl in der Synagoge zum Abschluß des werktäglichen Abendgebets als auch zu Hause die Zeremonie der Hawdala (Unterscheidung) durchgeführt, die Trennung zwischen Feiertag und Werktag, zwischen Heiligem und Profanem. Die Hawdala besteht aus drei Segenssprüchen: über Wein, über Wohlgerüche und über Licht. Es wird dazu eine geflochtene Kerze mit mehreren Dochten angezündet. Als Wohlgerüche dienen Gewürze, meist Nelken und Zimt, die in einer Büchse aufbewahrt werden.

Alle Texte zu Jüdischen Feiertagen aus: Heinrich Simon: Jüdische Feiertage, Verlag Hentrich und Hentrich und Centrum Judaicum Berlin, 2003

  • Rosch ha-Schana

    Das Neujahrsfest

    Am
    1. und 2. Tischri wird das Neujahrsfest begangen, das ein ernster Feiertag ist. Der Name Neujahr (Rosch ha-Schana) kommt in der
    Bibel nicht vor, und auch in den Gebeten dieses Festes ist kaum davon
    die Rede. Im Festsegen – und auch sonst – wird vom „Tag der Erinnerung“
    oder „Tag des Posaunenschalls“ gesprochen ...

  • Jom Kippur

    Der Versöhnungstag

    Den Höhepunkt der zehn Bußtage bildet
    der Versöhnungstag, der wichtigste Festtag des jüdischen Jahres. An ihm
    wird nach talmudischer Tradition das Urteil über den Menschen, das am
    Neujahrsfest, dem Tag des Gerichts, gefällt wurde, besiegelt und
    bekommt damit Gültigkeit. Der Versöhnungstag soll dazu dienen, den
    Menschen zu entsühnen, ihn die göttliche Verzeihung für seine
    Missetaten erlangen zu lassen ...

  • Sukkot

    Laubhüttenfest

    Am
    15. Tischri beginnt das Laubhüttenfest (Sukkot), das dritte in den
    Reihe der Wallfahrtsfeste. Es dauert neun bzw. sieben Tage, da der
    achte Tag, das sogenannte Schlußfest (Schemini Azeret), als
    selbständiger Feiertag angesehen wird; der neunte Tag, der
    Torafreudenfest (Simchat Thora) heißt, ist der zweite Tag dieses
    Schlußfestes, der nur in der Diaspora begangen wird ...

  • Schemini Azeret - Simchat Tora

    Das Schlußfest - Zweiter Tag des Schlußfestes

    Auch
    am Schlußfest (Schemini Azeret) wird die Laubhütte noch benutzt, jedoch
    nicht mehr der Feststrauß. Der Gottesdienst zeichnet sich besonders
    dadurch aus, daß nach der Tora- und Prophetenlesung eine Seelenfeier
    zum Gedenken der Toten stattfindet und daß der Vorbeter in das
    Zusatzgebet ein Gebet um Regen, ein längeres poetisches Stück,
    einschaltet, das in feierlicher Form rezitiert wird ...

  • Chanukka

    Am 25. Kislew beginnt das achttägige Tempelweihfest (Chanukka),
    das zu den freudigen Gedenktagen gehört, nicht zu den biblisch
    vorgeschriebenen Feiertagen. Es erinnert an den erfolgreichen Aufstand
    der Makkabäer gegen die syrische Herrschaft und die im Jahre 165 v.u.Z.
    erfolgte Wiedervereinigung des geschändeten Tempels in Jerusalem ...

  • Purim

    Purim, ein freudiger Gedenktag, dessen Beachtung nicht biblisch
    vorgeschrieben ist, wird am 14. Adar (bzw. Adar II) zur Erinnerung an
    die Errettung der Juden in Persien gefeiert, die im Buch Esther
    beschrieben ist. Das Buch Esther berichtet davon, daß der Minister
    Haman den Perserkönig bewog, den ...

  • Pessach

    In
    den Nissan fällt das erste der drei Wallfahrtsfeste, das Pessachfest,
    das in der Bibel auch als Fest der Mazzot (Singular: Mazza), der
    ungesäuerten Brote, bezeichnet wird. Der Name Pessach (Überschreitung)
    stammt von dem in der Bibel gebotenen Opfer eines Lammes, das vor dem
    Auszug der Israeliten aus Ägypten geschlachtet und gegessen wurde ...

  • Schawuot

    Wochenfest

    Am 6. und 7. Siwan findet
    das Wochenfest (Schawuot) statt. Es hat – wie die beiden anderen
    Wallfahrtsfeste – eine doppelte Bedeutung, eine auf die Natur bezogene und
    eine historische. In der biblischen Zeit war Schawuot nur das „Fest der
    Erstlinge“ und es wurden an diesem Tag im Jerusalemer Tempel zwei Weizenbrote
    geopfert, die aus dem Mehl der neuen Ernte hergestellt worden waren ...