Januar 2005
Charlotte Knobloch ist neue Vize-Präsidentin des Jüdischen Weltkongresses
Die Vize-Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, wurde im Januar zur Vize-Präsidentin des Jüdischen Weltkongresses gewählt. Die neugewählte Vizepräsidentin, die ebenfalls Vize-Präsidentin des Europäisch Jüdischen Kongresses und langjährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist, sagte zu der neuen Herausforderung: „Schwerpunkt meiner Arbeit im Weltkongress wird insbesondere die weitere Vernetzung der deutschsprachigen jüdischen Gemeinden in Europa und die Brückenbildung zur jüdischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten sein. Auch der Kampf gegen den wachsenden Antisemitismus vor allem in Osteuropa, hat eine hohe Priorität.“ Bei der Wahl wurden der langjährige Präsident, Edgar M. Bronfman, sowie Vize-Präsident Israel Singer für weitere fünf Jahre in ihren Ämtern bestätigt. Neuer Generalsekretär des WJC wurde Stephen E. Herbits. Der Jüdische Weltverband, der die Interessen jüdischer Spitzenverbände und Organisationen öffentlich und mit Nachdruck vertritt, hat immer wieder vor wachsendem Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus weltweit gewarnt. Der jüdische Dachverband will künftig noch stärker den interreligiösen Dialog fördern und sich für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und Muslimen einsetzen.
Jüdische Gemeinde Brandenburg unterzeichnet Staatsvertrag
Im Januar ist der Staatsvertrag zwischen dem Land Brandenburg und der jüdischen Gemeinde Brandenburg unterzeichnet worden. Das Abkommen sieht jährliche Zuwendungen von 200 000 Euro durch das Land vor. „Ich begrüße zwar den Staatsvertrag, bezweifele aber, dass der vorgesehene Finanzrahmen groß genug ist“ machte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer, unmissverständlich seine Bedenken deutlich. Durch die Unterschrift seien weitere Verhandlungen über eine höhere finanzielle Unterstützung vorerst nicht mehr möglich. Der Staatsvertrag sieht vor, dass die Gemeinde künftig Einrichtungen wie Horte, Schulen oder Weiterbildungsstätten betreiben, Seelsorge in Heimen oder Krankenhäuser anbieten und angemessen am Rundfunk teil haben kann.„Dafür werden die finanziellen Mittel nicht ausreichen“, ist sich Kramer sicher und fürchtet, dass es dann in Brandenburg wieder im finanziellen Chaos enden wird, wie bereits im Jahre 2000.
EJC zu Gesprächen in Straßburg
Im Januar fand in Straßburg ein Treffen führender Vertreter des Europäisch Jüdischen Kongresses (EJC) und der EU statt. EJC-Präsident Cobi Benatoff, EJC- und WJC-Vize-Präsidentin Charlotte Knobloch sowie EJC-Generalsekretär Serge Cwajgenbaum sprachen unter anderem mit EU-Generalsekretär Javier Solana über den ansteigenden Antisemitismus in Europa, die bevorstehende EU-Resolution gegen Antisemitismus, die Gedenkveranstaltungen zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, die Beziehungen zwischen Europa und Israel sowie die aktuelle politische Situation im Nahen Osten. Hier setzte sich die EJC-Delegation dafür ein, die Hisbollah in die EU-Liste der Terrororganisationen aufzunehmen. In Mittelpunkt des Gesprächs mit dem EU-Vorsitzenden der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) und europäischer Demokraten, Hans Gert Pöttering, ging es vor allem um den EJC-Vorschlag, ein Forum bestehend aus Justiz-, Innen- und Erziehungsministern des EU-Parlaments zur Bekämpfung des Antisemitismus zu gründen. Pöttering hält die Lösung des Nahostkonflikts für einen entscheidenden Faktor bei dem Kampf gegen Antisemitismus. Im Gespräch mit Charlotte Knobloch über den Anstieg des Antisemitismus in Deutschland und die Beziehungen zur muslimischen Bevölkerung in Europa, machte Pöttering deutlich, dass die muslimische Gesellschaft das Recht habe, sich innerhalb der Regeln von Toleranz und gegenseitigem Respekt auszudrücken. Bei der Begegnung mit dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Martin Schulz, stand ebenfalls der Kampf gegen Antisemitismus auf der Tagesordnung. Schulz unterstrich nochmals den Widerstand der Sozialdemokraten, mit dem französischen Parlamentsmitglied Jean-Marie Le Pen zusammenzuarbeiten sowie die Notwendigkeit, die Kontakte zu Israels Premierminister Ariel Sharon und zu Mahmud Abbas zu vertiefen.