Nachrichten
März 2010
Zentralratspräsidentin empört über KZ-Vergleich
München – Charlotte Knobloch hat mit Empörung auf die KZ-Anspielung bei der Nockherberg-Rede zum diesjährigen Starkbieranstich reagiert. Sie bezeichnete die sogenannte Bußpredigt von Michael Lerchenberg als „nicht hinnehmbar“ und eine „Schande“. Der Schauspieler hatte über den FDP-Vorsitzenden und Bundesaußenminister Guido Westerwelle gesagt: „Alle Hartz-IV-Empfänger versammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Zaun.“ Über dem Eingangstor werde „in großen eisernen Lettern“ stehen: „Leistung muss sich wieder lohnen.“
Einen derartigen Ausrutscher unter die Gürtellinie habe sie noch nicht erlebt, sagte die ZR-Präsidentin. „Bei allem Respekt für die künstlerische Freiheit des Kabarettisten Michael Lerchenberg ist eine Grenze überschritten worden, die nicht hinnehmbar ist. Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung.“
Charlotte Knobloch mahnte Kabarettisten zu mehr Besonnenheit bei der Auswahl ihrer Inhalte. Aufgrund der Kritik an seinen Äußerungen ist Michel Lerchenberg inzwischen von der Rolle als Bruder Barnabas beim traditionellen „Politiker-Derblecken“ zurückgetreten. (04.03.2010)
Bundesverdienstkreuz für Wuppertaler Gemeindevorsitzenden
Wuppertal – Der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, Leonid Goldberg, ist mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Gemeinsam mit 13 weiteren Bürgern und Bürgerinnen des Landes wurde ihm die Auszeichnung aufgrund seines beispielhaften Engagements für das Allgemeinwohl zuteil. Die feierliche Überreichung erfolgte im Rahmen eines Festaktes in der Düsseldorfer Staatskanzlei durch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.
Leonid Goldberg und seine Frau wanderten 1971 aus der ehemaligen Sowjetunion nach Israel aus. Fünf Jahre später zog Goldberg mit Familie nach Deutschland und lebt seit 1988 in Solingen. Seit 1993 führt er die Gemeinde in Wuppertal und setzte sich insbesondere für den Neubau der dortigen Synagoge ein. (04.03.2010)
Februar 2010
Zentralrats-Vize: Antisemitismus unter muslimischen Migranten verbreitet
München/Frankfurt – Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, warnt vor der Gefahr des wachsenden Antisemitismus unter muslimischen Migranten. Vor allem unter arabischstämmigen Jugendlichen sei die Judenfeindlichkeit „erschreckend hoch", sagte Graumann dem Focus. "Es hat keinen Sinn, sich wegzuducken, oder das Thema wegzudrücken." Um den Antisemitismus unter Muslimen einzudämmen, seien „vor allem die muslimischen Communities selbst gefragt", so Graumann. Von deren Vertretern höre er zwar offizielle Bekenntnisse gegen den Antisemitismus. „Aber nach innen, gegenüber den eigenen Leuten sind sie noch viel zu wenig engagiert. Wenn sie mehr täten, würden die muslimischen Verbände dadurch viel mehr Glaubwürdigkeit gewinnen." (22.02.2010)