Judentum in der BRD

Jüdische Gemeinden zwischen 1945 und 1989

Grundsteinlegung für das Gemeindehaus Fasanenstraße, Berlin 1957, mit dem Regierenden Bürgermeister Willi Brandt und dem Vorsitzenden der Berliner Gemeinde Heinz Galinski. Foto: Landesarchiv Berlin/Gert Schütz
Grundsteinlegung für das Gemeindehaus Fasanenstraße, Berlin 1957, mit dem Regierenden Bürgermeister Willi Brandt und dem Vorsitzenden der Berliner Gemeinde Heinz Galinski. Foto: Landesarchiv Berlin/Gert Schütz

Bereits wenige Wochen nach der Befreiung Deutschlands durch die alliierten Truppen bildeten sich jüdische Gemeinden. Ende 1946 betrug deren Zahl 67. Zu den Überlebenden stießen in den ersten Nachkriegsjahren die Remigranten, die aus dem Exil zurückgekehrt waren. Aus vielen Gründen kamen Überlebende der Schoa in das „Land der Täter“ zurück. Einigen war das „Gastland“ immer fremd geblieben, andere hatten keine Berufsperspektive gefunden. Wieder andere waren auf der Suche nach überlebenden Verwandten zurückgekehrt oder um Entschädigungsansprüche geltend zu machen. Alle hatten durchaus ambivalente Gefühle: Zum einen fühlten sie sich fremd in der „alten“ Heimat“, zum anderen verschoben sie ihre Abreise immer wieder,, bis sie schließlich sesshaft geworden waren, ohne es zu bemerken oder je wirklich gewollt zu haben.

Dazu kamen rund 200.000 Juden aus Osteuropa, die aufgrund des sich anbahnenden „Kalten Krieges“ nicht mehr in ihre alte Heimat zurückkehren konnten oder wollten – Displaced People (DPs) wurden sie genannt. Deren Zahl stieg noch deutlich an, als es in Polen zu ersten Pogromen gegen Schoa-Überlebende kam. Als Folge der Pogrome verließen etwa 150.000 Juden Polen und fanden zunächst Zuflucht im Nachkriegsdeutschland. Die Lager und provisorischen Unterkünfte für die DPs waren für die meisten lediglich Durchgangsstation. Nach einer beruflichen Fort- und Weiterbildung wanderten viele nach Israel aus, andere gingen in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Großbritannien oder Lateinamerika.

Anfang der 50er Jahre lebten in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland nicht mehr als 25.000 Jüdinnen und Juden, Ende 1951 hatte sich die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder nach offiziellen Angaben auf rund 21.500 reduziert. Lediglich aus den „Ostblockstaaten“ kamen sporadisch Neumitglieder dazu. Bereits in den siebziger Jahren gab es die erste Einwanderungswelle von Zuwanderern (siehe auch Kapitel Zuwanderung) aus der Sowjetunion. Besonders der Berliner Senat hatte sich nach zahlreichen Interventionen des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Heinz Galinski, bereit erklärt, die Zuwanderer aus „humanitären Gründen“ unbürokratisch aufzunehmen. Das Tor Westberlin blieb in all den Jahren für jüdische Zuwanderer offen.

Die Zahl der Neumitglieder war aber zunächst gering - bis 1989 waren es etwa 26.000. Erst durch den Zusammenbruch der DDR und die Öffnung der Grenzen änderte sich dies drastisch: Im Dezember 1990, knapp ein Jahr nach der Wende, wurden die fünf Landesverbände aus der ehemaligen DDR in den Zentralrat der Juden in Deutschland aufgenommen.

Derzeit gehören dem Zentralrat mehr als 108 jüdische Gemeinden mit ca. 101.300 Mitgliedern an.