Judentum in der DDR

Bar Mitzwa im Kidduschraum der Synagoge Rykestrasse, Berlin, 1985 Foto: T.Sandberg
Bar Mitzwa im Kidduschraum der Synagoge Rykestrasse, Berlin, 1985 Foto: T.Sandberg

Bereits kurz nach der Befreiung Berlins durch die Sowjetarmee waren die ersten Juden in die damalige Sowjetische Besatzungszone (SBZ) zurückgekehrt. Viele dieser Rückkehrer wollten mithelfen, ihren Traum von einer sozialistischen Gesellschaftsordnung in Deutschland zu verwirklichen. Allerdings gerieten schon sehr früh bekennende Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Konflikt mit der sowjetischen Besatzungsmacht. Die Situation verschärfte sich Anfang der 50er Jahre in der 1949 gegründeten Deutschen Demokratischen Republik, als im Rahmen einer „Säuberungskampagne“ in der Sowjetunion, des Field-Prozesses in Budapest sowie des Slansky-Prozesses in Prag auch in anderen Staaten des Warschauer Pakts Juden als „Konterrevolutionäre“ und „zionistische Agenten“ verfolgt wurden. Einige dieser „Judenknechte“, wie die stalinistische Presse sie beschimpfte, wurden nach Schauprozessen in der Sowjetunion hingerichtet oder heimlich ermordet. Viele Juden flohen aufgrund der Repression aus der DDR in die Bundesrepublik.

Nach dem Tod des Parteiführers Josef Stalin am 5. März 1953 endete die Diskriminierung der Juden in der DDR. Polizeiaktionen und Verfolgungen wurden eingestellt, inhaftierte Gemeindemitglieder freigelassen und die Mehrheit der jüdischen Ex-Parteimitglieder rehabilitiert. Die zahlenmäßig kleiner gewordenen Gemeinden erhielten Zahlungen für die Erneuerung der Synagogen, zum Unterhalt eines Altersheims, einer koscheren Metzgerei und für die Instandhaltung des jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee. Seit 1961 erschien das Nachrichtenblatt als Informationsorgan der Jüdischen Gemeinde in der DDR.

In den achtziger Jahren öffnete sich die DDR-Führung weiter, ohne allerdings weiterhin die antisemitischen Vorurteile transportierende israelfeindliche Propaganda einzustellen. Und erst nach der Wende bekannte sich die neue de Maizière-Regierung „zur Mitverantwortung für Demütigung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Frauen, Männer und Kinder“ und „zu dieser ,Last der deutschen Geschichte“.

Auf der zweiten Parlamentssitzung am 12. April 1990 wurde eine Entschuldigung für die „offizielle DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel“ beschlossen. Die Volkskammermitglieder baten die „jüdischen Mitbürger“ für die erlittene Diskriminierung in der DDR um Verzeihung.

1989 zählten die fünf jüdischen Gemeinden in der Deutschen Demokratischen Republik rund 400 Mitglieder, die Mehrzahl, etwa 250, lebte in Ostberlin. Diese Gemeinden wurden 1990 als Mitglieder in den Zentralrat aufgenommen.