Jüdische Kultusgemeinde Trier
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Kaiserstr. 25 54290 Trier
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Gemeinde
| Vorsitz: | Benz Botmann (Vorsitzender) |
| Telefon: | 0651/ 994 55 75 |
| Fax: | 0651/ 994 55 77 |
| E-Mail: | jg-trier@gmx.de |
| Mitgliederzahl: | 476 (Stand 2009/ZWST) |
| Landesverband: | Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz |
Synagoge
| Anschrift: | Kaiserstr. 25
54290 Trier |
| Gottesdienst: | ja |
Friedhöfe
| Anschrift: | jüdischer Teil auf dem Hauptfriedhof in Trier (+38 geschlossene Friedhöfe) |
Einrichtungen
| Theater/Chor: | Jüdischer Erwachsenenchor |
| Jüdische Kulturtage: | alle 2 Jahre Israelische Kulturtage |
| Sozialabteilung/Jobbörse: | Sozialabteilung: montags und donnerstags, 10 - 14 Uhr |
| Jugendzentrum: | sonntags, 12 Uhr |
| Seniorentreff: | (Schachgruppe) donnerstags, 11 Uhr |
Rabbiner
| Anzahl: | 1 |
| Ausrichtung: | orthodox |
| Unterricht: | ja |
Jüdische Kultusgemeinde Trier
Die Geschichte der Juden in Trier begann schon in der Römerzeit. Man geht davon aus, dass die ersten Juden als Händler nach Trier und ins Moseltal kamen. Archäologische Funde beweisen, dass es hier bereits im 3. oder 4. Jahrhundert Juden gegeben hat.
Schriftliche Dokumente, die den Tod von Erzbischof Eberhard, der versuchte die Juden gewaltsam zu taufen, betreffen, belegen das Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde im Jahre 1066. Es wird berichtet, dass der Erzbischof am Altar starb, als er das Taufwasser, mit dem die Juden gewaltsam getauft werden sollten, weihte. Die Juden wurden in diesem Zusammenhang der Zauberei beschuldigt. Aus diesem Ereignis ist zu schließen, dass es schon vorher Juden im Bezirk Trier gab.
1096 wurden die Juden in Trier durch die Kreuzritter gezwungen, sich entweder taufen zu lassen, Selbstmord zu begehen oder von Kreuzrittern ermordet zu werden. Den zwangsgetauften Juden wurde im Jahr darauf die Rückkehr zum Judentum gestattet.
Von 1097 bis 1349 lebten die Trierer Juden in Frieden, obwohl im sonstigen Deutschland 1140 bis 1150 große Verfolgungen stattfanden.
Das 14. Jahrhundert begann sehr vielversprechend für die Juden in Trier, da einem von ihnen die Verwaltung der Finanzen des Erzbischofs Balduin anvertraut wurde. Zu dieser Zeit bestand die Gemeinde aus 50 Familien, also rund 300 Personen. Sie besaßen zwei Synagogen, ein Gemeindezentrum, ein rituelles Bad (die so genannte "Mikwe") und einen Friedhof.
Im Jahre 1349 rollte eine große Pestwelle über das Land und kostete ca. einem Drittel der Bevölkerung das Leben. Es verbreitete sich das Gerücht, dass die Juden die Pest aus dem Orient eingeschleppt hätten. Schließlich kam es dann zum Pogrom, der einen ganzen Monat andauerte und in dem hunderte von Juden ermordet wurden.
Die Verfolgung während der schwarzen Pest brachte das Ende dieser Gemeinde. Nur einige wenige Juden lebten danach in Trier und auch diese wurden 1419 vertrieben.
In den folgenden zwei Jahrhunderten lebten in Trier keine Juden mehr. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts erlaubte man einigen Juden sich in Trier anzusiedeln. In der folgenden Zeit erlebten die Juden eine wechselvolle Geschichte, Verfolgungen und Wohlstand in Frieden wechselten sich ab. So waren z. B. der 30jährige Krieg und die Invasion der Franzosen im 17. Jahrhundert eine sehr schwierige Zeit.
Im 18. Jahrhundert wurde die politische Lage etwas besser, dafür nahm die Armut stark zu. Mit der Ankunft der Truppen der neuen französischen Republik im späten 18. Jahrhundert gab es für die jüdische Gemeinde die vollen Bürgerrechte. Allerdings verloren sie diese nach der Niederlage Napoleons und erlangten sie erst 1871 wieder.
Das Zusammenleben der jüdischen Bürger mit der christlichen Mehrheit der Bevölkerung war bis zur Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten sehr harmonisch. In der Zeit vor dem 2. Weltkrieg lebten 600.000 Juden in Deutschland. Im Bezirk Trier lebten über 3.500 Menschen jüdischen Glaubens, davon 800 Personen in der Stadt Trier.
Während der NS- Zeit wurde die jüdische Gemeinde Trier hart getroffen. Von ehemals 800 Mitgliedern ist etwa die Hälfte ausgewandert. Über 400 wurden deportiert und sind in den Konzentrationslagern ums Leben gekommen.
Am 1. April 1933 wurde offiziell zum Boykott der jüdischen Geschäfte aufgerufen. Dies war der Anfang des offenen Terrors durch die Nationalsozialisten. Führende jüdische Persönlichkeiten mussten sogar in "Schutzhaft" genommen werden.
Im August 1933 forderte der NSDAP-Ortsgruppenleiter Recktenwald den damaligen Oberbürgermeister auf, den Eintritt für die jüdische Rasse in ein öffentliches Schwimmbad zu untersagen. Der OB erklärte jedoch in einem formellen Schreiben an Herrn Recktenwald, dass für solche Fälle noch keine Gesetze bestünden und er somit kein Verbot für Nichtarier aufstellen könne. Der Oberbürgermeister wurde schon bald von den Nazis abgesetzt.
Im September 1935 traten die "Nürnberger Rassegesetze" in Kraft. Juden durften keine Tätigkeiten im öffentlichen und halböffentlichen Dienst ausüben. Auch kulturell wurden sie ausgeschlossen, somit waren Berufe wie Anwalt, Notar, Arzt, Apotheker, Schriftleiter, Wirtschaftsprüfer oder Künstler für Juden tabu.
Ein Arier durfte keinen Nichtarier heiraten. Hatte dieser außerehelichen Geschlechtsverkehr mit einem Nichtarier gehabt, wurde er wegen Rassenverrats bestraft.
Ende des Jahres 1938 wurden in den Trierer Geschäften Schilder mit folgender Inschrift aufgehängt: "Juden werden hier nicht zugelassen!".
In der Reichspogromnacht haben SA Mitglieder neben vielen anderen Synagogen in Deutschland auch die Trierer Synagoge niedergebrannt. Die alte Synagoge stand in der Zuckerbergstraße. Sie war sehr groß und von innen sehr eindrucksvoll ausgestattet. Die Synagoge verfügte über viele Thorarollen, unter ihnen auch einige sehr alte. Heute ist die Jüdische Kultusgemeinde Trier im Besitz von einigen der damals geschändeten Thorarollen.
Im Jahre 1938 bekamen Juden einen Reisepass, der mit einem "J" gekennzeichnet war. Außerdem wurde festgelegt, dass männliche jüdische Personen den Vornamen "Israel" und weibliche Personen den Vornamen "Sara" neben ihrem anderen Vornamen annehmen und führen mussten.
Die Juden in Trier mussten im Dezember 1938 alle ihre Geschäfte zwangsweise an Arier verkaufen ("Arisierung der Geschäfte"). Der Verkaufswert entsprach auf keinen Fall dem realen Wert. Dieser Vorgang nannte sich: "Entjudung des deutschen Wirtschaftslebens".
Ende 1938 wurde in Trier, offensichtlich auf Weisung von oben, ein Judenverzeichnis angelegt, in dem man jeden einzelnen Juden, der in Trier wohnhaft war, eintrug.
Im selben Jahr ist der letzte Trierer Oberrabbiner, Dr. Adolf Altmann, nach Holland ausgewandert. Er war nach 18 jähriger Amtszeit von den Nazis angewiesen worden, Deutschland zu verlassen.
Am 15. September 1941 wurde den Juden in Trier, wie auch den Juden im restlichen Deutschland, befohlen einen gelben Davidstern mit der Inschrift "Jude" auf der linken Brustseite zu tragen. Somit konnte man genau feststellen, wer kein Arier war.
Am 20. Januar 1942 wurde beschlossen, die Juden in den Teilen Europas, welche in den Krieg einbezogen waren, auszurotten. In den folgenden Monaten setzten die Judendeportationen im Reich, auch in Trier, in die Todeslager ein.
Im April 1942 wurde den Juden in Trier verboten, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Auch die Benutzung der Geschäfte wurde nochmals massiv eingeschränkt. Somit durften Juden in nur noch in sehr wenigen Geschäften einkaufen. Die Zeiten hierfür wurden von der Stadt ausgesucht.
In Trier gab es zwischen 1941 und 1943 sechs große Deportations-Transporte der Trierer Juden. Der letzte Transport Mitte Juli 1943 ging nach Auschwitz. Er enthielt den letzten Vorstand der Trierer Judengemeinde. Damit hatte die Judengemeinde Trier aufgehört zu existieren. Trier und seine Umgebung waren "judenrein" geworden.
Nach der Befreiung der wenigen Überlebenden aus den Konzentrationslagern kamen nur 14 Juden nach Trier zurück. Im Jahre 1956 wurde die neue Synagoge in der Kaiserstraße errichtet, die bis heute genutzt wird. Die Synagoge verfügt über einen Gebetssaal mit einer Frauenempore und einen Gemeindesaal. Bis 1991 stagnierte die Mitgliederzahl der Gemeinde bei ca. 60 Personen. Durch die starke Überalterung der Mitglieder drohte die Gemeinde auszusterben.
Seit 1991 ist die Zahl der Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Trier durch die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion erfreulich gestiegen. Bis heute ist die Mitgliederzahl auf ca. 460 Personen angewachsen.
Noch immer muss die Gemeinde ohne Angestellte auskommen, da es an finanziellen Mitteln fehlt. Alle Aufgaben innerhalb der Gemeinde werden durch ehrenamtliche Kräfte übernommen. Die Gemeinde verfügt heute über eine Senioren- und Frauengruppe, die sich regelmäßig treffen. Wöchentlich treffen sich Kinder und Jugendliche im Jugendzentrum. Für Schüler wird Religionsunterricht angeboten, dessen Note für das Schulzeugnis übernommen wird. Neuzugewanderte haben die Möglichkeit am wöchentlichen Deutschkurs teilzunehmen.
Montags und donnerstags betreut eine Sozialarbeiterin des Landesverbandes zwischen 10:00 und 14:00 Uhr die Mitglieder im Gemeindebüro. Für Kulturinteressierte bietet die Gemeinde einen Kinder- bzw. Erwachsenenchor an.
Da die Gemeinde weder über einen Rabbiner noch über einen Vorbeter verfügt, kann nur der Freitag-Abend Gottesdienst angeboten werden.
Mit der in Trier neu gegründeten Deutsch-Israelischen Gesellschaft wurden 2004 gemeinsam die ersten Israelischen Kulturtage in Trier veranstaltet. Diese umfassten drei Musikveranstaltungen, drei israelische Filme, einen Vortrag des Auslandskorrespondenten der israelischen Tageszeitung Jedioth Achronot (Eldad Beck), eine Fotoausstellung im Rathaus und Stadtrundgänge durch das jüdische Trier. Schirmherr der Kulturtage war Oberbürgermeister Helmut Schröer.