Interviews des Präsidenten

  • 30.10.2017

    "Man darf nicht über jedes Stöckchen der AfD springen"

    Interview des Zentralratspräsidenten Dr. Josef Schuster, Rhein-Neckar-Zeitung, 27.10.2017

    Von Kathrin Hoth

    Heidelberg. Josef Schuster (63) ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Bei den Heidelberger Hochschulreden der Hochschule für Jüdische Studien sprach er in der Alten Aula zum Thema: "Reifeprüfung für Deutschland. Plädoyer für eine Demokratiedebatte".

    Mit der AfD sitzt erstmals eine rechtsorientierte Partei in dieser Größenordnung im Parlament. Was löst das bei Ihnen aus?

    Alleine das Wissen, dass eine rechtspopulistische, in Teilen wohl auch rechtsextreme Partei im Bundestag sitzt, ist für mich erschreckend. Wenn man mich vor zehn Jahren gefragt hätte, ob ich mir das vorstellen kann, hätte ich gesagt: niemals.

  • 24.10.2017

    »Bedrückend und beunruhigend«

    Interview des Zentralratspräsidenten Dr. Josef Schuster, Jüdische Allgemeine, 23.10.2017

    Josef Schuster über den Einzug der AfD in den Bundestag und die daraus folgenden politischen Konsequenzen.

    Herr Schuster, nun bildet sich das Wahlergebnis im Bundestag ab. Die AfD sitzt im Parlament. Was löst das in Ihnen aus?
    Mir ist mulmig zumute, das sage ich ganz offen. Es ist ein bedrückendes und beunruhigendes Gefühl zu wissen, dass jetzt Menschen im Bundestag sitzen, die nach meinem Eindruck gerne die NS-Vergangenheit verschweigen würden und gezielt Stimmung gegen Muslime und Asylbewerber machen. Gerade an diesem historischen Ort weckt das ungute Gefühle.

  • 25.09.2017

    „Es könnte sehr wohl auch Juden treffen“

    Interview mit Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster, tagesspiegel online, 24.9.2017

    Zentralratspräsident Josef Schuster spricht im Interview über die Stimmungsmache bei der AfD, Antisemitismus in Deutschland und Probleme mit kriminellen Flüchtlingen.

  • 04.08.2017

    Ich erwarte von Arte mehr Sorgfalt

    Interview mit Zentralratspräsident Dr. Schuster in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 3.8.2017

    Die Dokumentation über Judenhass in Europa wollte Arte nicht zeigen: Sie sei zu einseitig. Eine Gaza-Reportage, die Israel alle Schuld zuweist, bringt der Sender schon. Passt das zusammen?

    Sehr geehrter Herr Schuster, der Zentralrat der Juden in Deutschland und einige andere Organisationen haben den Sender Arte in einem Offenen Brief wegen der Ausstrahlung der Dokumentation „Gaza: Ist das ein Leben?“ kritisiert. Warum?

    Im Zuge der Debatte im Juni über die Arte/WDR-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ hatten beide Sender ihre hohen Ansprüche an journalistische Qualität und Ausgewogenheit ihrer Beiträge betont. Damit hatten sie begründet, warum die Dokumentation über Judenhass zunächst nicht ausgestrahlt wurde und schließlich nur nach öffentlichem Druck mit Kommentaren und einem Faktencheck im Internet. Jetzt mussten wir allerdings feststellen, dass wieder eine Reportage gezeigt wurde, bei der es an Ausgewogenheit und journalistischer Sorgfaltspflicht mangelt. Das wurde in dem offenen Brief thematisiert. Und das habe auch in einem Schreiben an den Arte-Präsidenten kritisiert.

  • 24.07.2017

    „Alle Islamverbände sollten deutlich mehr gegen Antisemitismus tun“

    Interview mit Dr. Josef Schuster, Bild am Sonntag, 23.07.2017

    BILD am SONNTAG: Herr Schuster, bald werden die letzten Überlebenden des Holocausts und alle Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs gestorben sein. Was bedeutet das für unser Land?

    JOSEF SCHUSTER: Es wäre falsch, wenn wir sagen: Die letzten Opfer und Täter leben nicht mehr, jetzt legen wir das ganze Kapitel in die Schublade der Geschichte. Wir sind es sowohl den Opfern als auch den nachfolgenden Generationen schuldig, aus diesem beispiellosen Menschheitsverbrechen die richtigen Lehren für die Zukunft zu ziehen. Diese Lehren haben kein Ablaufdatum.

  • 18.05.2017

    "Niemand wird als Antisemit geboren"

    Interview mit Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster, RP online, 18.5.2017

    Würzburg. Den Juden in Deutschland bereitet es zunehmend Sorge, dass unter den Flüchtlingen viele antisemitisch eingestellte Menschen sind. Auch deshalb engagieren sie sich bei der Integration, sagt Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, im Interview.

    Die Zuwanderung in die jüdischen Gemeinden ist nach dem Ende der Sowjetunion abgeebbt. Wie ist jetzt die Situation der Juden hierzulande?

    Jürgen Schuster Seit 2005 gibt es nur noch eine geringe Zuwanderung. Und zuvor waren es viele Ältere. Uns fehlen also die jungen Erwachsenen. Das ist nicht nur ein Problem des Judentums. Wir versuchen mit speziellen Angeboten, diese Altersgruppe besser an uns zu binden. Zudem können wir davon ausgehen, dass neben den 100.000 Mitgliedern in jüdischen Gemeinden noch einmal eine nicht unerhebliche Zahl an Juden in Deutschland lebt, ohne Mitglied in einer Gemeinde zu sein. Das hat unterschiedliche Gründe.

  • 17.03.2017

    "Für Juden ist Martin Luther eine problematische Persönlichkeit“

    Interview mit Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster, morgenweb, 17.3.2017

    Von unserem Redaktionsmitglied Stephan Töngi

    Die Evangelische Kirche erinnert an die Reformation vor einem halben Jahrtausend. Wir sprachen mit Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland.

    Herr Schuster, Deutschlands Protestanten feiern 500 Jahre Reformation. Was denken Sie über Martin Luther?

    Josef Schuster: Für Juden ist Martin Luther eine problematische Persönlichkeit. Besonders seine späten Schriften sind klar antisemitisch. Luther hat 1523 gefordert, Juden sollten alle Berufe offen stehen. Damals war das ungewöhnlich. Aber er machte zur Voraussetzung, dass die Juden sich bekehren ließen.

  • 27.01.2017

    Beobachtung durch Verfassungsschutz angebracht

    Interview mit Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster, Nordwestzeitung, 27.1.2017

    Andreas Herholz, Büro Berlin

    Frage: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus: Vor 72 Jahren ist das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit worden. Wie lässt sich die Erinnerung an den Mord an Millionen Juden
    heute und in Zukunft noch wachhalten?

    Schuster: Es ist wichtig, die Erinnerung an den Holocaust nicht nur am 27. Januar wachzuhalten. Wir müssen das Thema in der gesamten Gesellschaft behandeln. Das gilt besonders für die
    Schulen und Universitäten, für die Ausbildung von Lehrern, Juristen und Polizisten. Wenn man einmal eine Gedenkstätte besucht, ist das etwas anderes, als darüber nur im Schulunterricht zu lesen oder zu hören. Mein Vorschlag: Jede Schulklasse sollte mindestens einmal eine KZ-Gedenkstätte besucht haben. Bund und Länder sollten die dafür notwendigen Finanzmittel bereitstellen.

  • 17.03.2016

    »Äußerst beunruhigend«

    Interview von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster, Jüdische Allgemeine, 17.03.2016

    Herr Schuster, Sie haben in einer ersten Reaktion auf den Ausgang der Landtagswahlen von einem »erschreckenden Rechtsruck« gesprochen. War der so zu erwarten?
    In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg entsprechen die Ergebnisse etwa den Umfragen, aber in Sachsen-Anhalt hat die AfD zu meiner großen Bestürzung deutlich mehr Stimmen erhalten als erwartet. Die Analysen zeigen, dass offenbar viele Bürger vor allem aus Protest gegen die etablierten Parteien AfD gewählt haben. Das entschuldigt in meinen Augen aber nichts. Ein mündiger Bürger sollte sich klarmachen, welche Ziele die Partei hat, die er wählt. Die AfD hat viele Ressentiments bedient und damit leider Erfolg gehabt. Das ist erschreckend und äußerst beunruhigend.

  • 22.02.2016

    Schuster: Erfolg der Rechtspopulisten erschreckt mich

    Interview von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung", 20.02.2016

    Osnabrück. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, spricht im Interview mit unserer Redaktion über wachsende Judenfeindlichkeit in Deutschland, die Risiken des Flüchtlingszuzugs und die Beliebtheit der Neuauflage von „Mein Kampf“.

    Herr Schuster, inwiefern spüren Sie, dass antisemitische Strömungen in Deutschland zunehmen?

    In den jüdischen Gemeinden sitzen immer noch die Erfahrungen aus dem Sommer 2014 wie ein tiefer Stachel. Es war erschreckend, was wir während des Gaza-Konflikts auf deutschen Straßen gesehen und gehört haben. Das hat zu einer deutlichen Verunsicherung geführt und die Frage nach der dauerhaften Existenz jüdischer Gemeinden in Deutschland aufgeworfen.

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