09.05.2011

Grußwort Wolfgang Thierse

Grußwort zur Verleihung des Paul-Spiegel-Preises an Familie Lohmeyer aus Jamel

Im vergangenen September besuchte ich mehrere Initiativen und Vereine gegen Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern. Wie wichtig deren Engagement ist, habe ich insbesondere bei meinem Besuch in Jamel, einem von Rechtsextremen dominierten Dorf in Nordwestmecklenburg, gespürt. Dort ist das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer zu Hause, das sich trotz aller Einschüchterungskampagnen nicht damit abfinden will, in einem rechtsextrem geprägten Umfeld zu leben.

So veranstalten sie auf ihrem Grundstück in jedem Sommer ein Musikfestival, zu dem hunderte Besucher anreisen. Damit setzen sie ein deutliches Zeichen für ein lebendiges, respektvolles und demokratisches Miteinander. Birgit und Horst Lohmeyer weigern sich, den Neonazis einfach das Feld zu überlassen.

Es freut mich, dass ihr Mut und ihre Standhaftigkeit endlich auch öffentlich anerkannt werden. Ihre Auszeichnung mit dem Paul-Spiegel-Preis ist eine ganz besondere Würdigung und zugleich Ermunterung ihres demokratischen Engagements. Und vielleicht können Birgit und Horst Lohmeyer diese Wertschätzung auch verstehen als kleine „Entschädigung" für das oft zermürbende, weil nicht angstfreie Alltagsleben in Jamel.

Wolfgang Thierse

– Es gilt das gesprochene Wort! –
Sperrfrist: 12.5.11 um 10.00 Uhr