30.09.2009

Grußwort Professor Dr. Peter Frankenberg

Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg

„Schon wegen der Neugier ist das Leben lebenswert"

so sagt ein jüdisches Sprichwort. Wo also wäre das Leben lebenswerter als in einer Hochschule, die doch ein Ort institutionalisierter Neugier ist? Einen solchen lebenswerten Ort bietet uns nun schon seit 30 Jahren die Hochschule für Jüdische Studien. Es ist mir nicht nur eine Freude, sondern eine innere Verpflichtung, die Eröffnung des Neubaus gemeinsam mit Ihnen zu feiern, zeigt dieses Ereignis doch, welch positive Entwicklung die Hochschule für Jüdische Studien seit ihrer Gründung genommen hat. Dazu überbringe ich Ihnen die besten Wünsche von Herrn Ministerpräsident Günther Oettinger. Er bedauert, heute nicht bei Ihnen sein zu können. Seit jeher misst er der Hochschule für Jüdische Studien eine ganz besondere Bedeutung zu und verfolgt ihre Entwicklung mit großem Interesse.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie wissen es: Baden-Württemberg ist ein privathochschulfreundliches Land. Wir sind stolz auf diese Einrichtungen und auf die Vielfalt an Studienmöglichkeiten im Lande. Ganz besonders stolz sind wir auf die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Wegen ihrer Entstehungsgeschichte und ihres einzigartigen Bildungsauftrages nimmt sie ganz gewiss eine Sonderrolle unter den Privathochschulen des Landes ein.

Gestatten Sie mir daher einige Worte zur Geschichte dieser Hochschule und zur Bedeutung, die sie für Baden-Württemberg, ja für ganz Deutschland hat: Die Hochschule für Jüdische Studien nahm im Wintersemester 1979/1980 ihren Vorlesungsbetrieb in Heidelberg auf. 1981 erkannte die Landesregierung diese hoch angesehene Bildungsstätte als private Hochschule an. Dass diese Hochschulgründung so erfolgreich war, ist der Beharrlichkeit und Überzeugungskraft der jüdischen Gelehrten an dieser Hochschule zu verdanken, die sich engagiert und umsichtig für deren Aufbau einsetzten.

Die Hochschule für Jüdische Studien hat es sich zum Ziel gesetzt, das Wissen auf allen Gebieten der jüdischen Kultur zu mehren und ein wissenschaftlich fundiertes Bild des Judentums zu vermitteln. Ihre Absolventen entlässt sie mit einer gründlichen Berufsvorbereitung und der Fähigkeit, als Botschafter jüdischen Geistes zum Abbau von Unkenntnis und Vorurteilen beizutragen.

Mit ihren acht Lehrstühlen in verschiedenen Teilfächern der Jüdischen Studien, ergänzt um Dozenturen im Bereich der Sprachwissenschaften, deckt sie heute das gesamte Spektrum der Jüdischen Studien ab, bildet rund einhundertfünfzig Studierende aus vierzehn Ländern aus und betreut eine ebenso große Zahl von Studierenden in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Universität Heidelberg.

Als einzige private Hochschule des Landes besitzt die Hochschule für Jüdische Studien auch das Promotionsrecht, das sie in Kooperation mit der Universität Heidelberg ausübt. Ich danke der Universität Heidelberg an dieser Stelle für die lange und engagierte Zusammenarbeit mit der Hochschule für Jüdische Studien. Die heutige Verleihung der Ehrendoktorwürde an Herrn Prof. Dr. Peter Hommelhoff ist Ausdruck dieser auf Vertrauen und Wertschätzung gründenden Partnerschaft.

Mit dem Neubau erhält die Hochschule nun einen modernen und repräsentativen Sitz, die erforderlichen räumlichen Kapazitäten und optimale Arbeitsbedingungen. Dieser Rahmen wird es der Hochschule ermöglichen, ihr heute vorhandenes, allmählich gewachsenes und fachlich ausdifferenziertes Potential angemessen zu nutzen und weiter zu entwickeln. Der Neubau ist eine unerlässliche Voraussetzung für die erfolgreiche nationale und internationale Positionierung der Hochschule und bietet für die ins Auge gefasste Zahl von 250 Studierenden die nötigen räumlichen Reserven.

Dies alles zeigt: Die Hochschule für Jüdische Studien hat sich in der Hochschullandschaft Baden-Württembergs und darüber hinaus fest etabliert. Sie ist zu einem festen Bestandteilen unseres Geistes- und Kulturlebens geworden, anknüpfend an die zahllosen wertvollen Beiträge, mit denen jüdisches Gelehrtentum und jüdische Kultur das deutsche Geistesleben bereichert haben. Deutschland, ja Europa braucht diese einzigartige Stätte jüdischen Geistes! Jüdische Studien erhalten mit diesem Neubau eine signifikante Adresse mit europaweiter Ausstrahlung: Landfriedstraße 12, Heidelberg.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und die gesamte Landesregierung gratulieren und danken für Ihre Arbeit. Wir erwarten noch viel von Ihnen und wünschen Ihnen dazu von Herzen: Hazlachá towá! [*]

- Es gilt das gesprochene Wort -


[*] hebräisch für „guten Erfolg", beide Wörter auf der letzten Silbe betont, das „ch" wie in „Bach, Dach" gesprochen