29.09.2009

Grußwort Prof. Dr. Bernhard Eitel

Rektor der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

in diesen Tagen wird auf Ihre Initiative hin, sehr verehrter Herr Ministerpräsident, mit der "Ben-Gurion-Gastprofessur für Israel-Studien" eine Brückenprofessur zwischen der Universität Heidelberg, insbesondere dem Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften, und der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg eingerichtet.

Auf diese Gast-Professur – sie ist einzig in ihrer Art im gesamten deutschsprachigen Raum – ist für das kommende Jahr die Historikerin Prof. Dr. Rakefet Zalashik von der New York University berufen worden. Sie wird im Wintersemester Lehrveranstaltungen für Studierende beider Hochschulen zu Themen wie Immigration und Gesellschaft in Israel, Israelischer Staat und Gesellschaft in Geschichte und Gegenwart sowie zur Wahrnehmung der Shoa in Texten und Filmen anbieten.

Neben unserer engen Beziehung zu unserer gemeinsamen Partneruniversität, der Hebrew University in Jerusalem, ist dies ein aktuelles und zukunftsgerichtetes Beispiel, um die lebendige Kooperation und Zusammenarbeit in Forschung und Lehre zwischen der Ruperto Carola und der Hochschule für Jüdische Studien sichtbar werden zu lassen, die unsere Beziehung seit ihrer Gründung vor 30 Jahren prägt.

Ich betone dies vor dem Hintergrund und im Wissen um die bewegte Geschichte, die die Universität Heidelberg und die jüdische Gemeinde in enger Weise miteinander verbindet:

Leider war das Zusammenleben und Zusammenwirken zu oft von Vorurteilen, Misstrauen, Abgrenzung und Verfolgung geprägt. Schon die Gründung der Universität Heidelberg im Jahre 1386 erfolgte zulasten der Jüdischen Gemeinde in Heidelberg:

Ruprecht der Erste, dessen Namen die Ruperto Carola trägt, hatte jüdische Bürger Heidelbergs und ihre Gemeinde enteignet, um Raum für die Universität zu schaffen. Im ehemaligen Betsaal der jüdischen Gemeinde fanden die ersten Vorlesungen statt.

In einer glücklichen Phase des Zusammenwirkens im 19. Jahrhundert konnte die Universität Heidelberg dann durch die im neu geschaffenen Großherzogtum Baden möglich gewordene und praktizierte Liberalität wie kaum eine zweite Hochschule in Deutschland jüdische Gelehrte und Studenten aus ganz Europa anziehen.

Wir alle sind uns jedoch bewusst, dass diese fruchtbringende Phase nicht lange anhielt. Noch heute wirkt für die Ruprecht-Karls-Universität der unermessliche menschliche und wissenschaftliche Verlust in der Zeit des Nationalsozialismus nach, in der die Ruperto Carola ein Viertel des Lehrkörpers durch systematische Vertreibung und vereinzelt auch durch Mord und Freitod verlor; dies wird uns stets Mahnung und Lehre sein.

Die Hochschule für Jüdische Studien steht heute – 30 Jahre nach ihrer Gründung – auf festem Grund. Zwischen ihr und der Universität Heidelberg als ihrer „älteren Schwester" bestehen seit ihrer Gründung vielfältige Beziehungen und intensive Kooperationen, sowohl in wissenschaftlicher wie administrativer Sicht:

Als Beispiel für dieses fast symbiotische Verhältnis mag der Umstand dienen, dass in den Jahren 1986 bis 1988 sogar der Rektor der Universität – mein Amtsvorgänger Professor zu Putlitz – und von 2002 bis 2005 unser verehrter Herr Kollege Prof. Oeming aus der Fakultät für Theologie die Leitung der Hochschule für Jüdische Studien inne hatten. Die über die Jahre kontinuierlich intensivierte wissenschaftliche Zusammenarbeit findet heute ihren Niederschlag in gemeinsamen Forschungs-strukturen, Lehrveranstaltungen und Symposien sowie in der gegenseitigen Anerkennung von Lehrveranstaltungen.

Mit der jüngst auf Betreiben der Ruperto Carola und namentlich meines Vorgängers Professor Hommelhoff erfolgten Aufnahme der Hochschule für Jüdische Studien in die Hochschulrektorenkonferenz, sowie der im Januar 2009 erfolgreich abgeschlossenen institutionellen Akkreditierung beim Wissenschaftsrat konnte sie zwei wichtige Schritte setzen, um sich in der deutschen Hochschullandschaft dauerhaft zu etablieren und um die Hochschulpolitik konstruktiv mitzugestalten. Wir freuen uns mit Ihnen allen darüber!

Damit ist der Traum Abraham Geigers, die Wissenschaft des Judentums an einer deutschen Universität zu etablieren, nach 140 Jahren in der Hochschule für Jüdische Studien endgültig Wirklichkeit geworden.

Der Neubau und dessen Einweihung hier im Herzen der Heidelberger Altstadt setzen ein weithin sichtbares Ausrufezeichen hinter diese Entwicklung.

Ich darf Ihnen, lieber Herr Heil, versichern, dass das Rektorat der Universität Heidelberg - wie jene der vergangenen 30 Jahre – auch künftig fest an Ihrer Seite steht. Und dies ist kein Lippenbekenntnis, denn die Hochschule für Jüdische Studien hat inzwischen viele persönliche Freunde in der Ruperto Carola und bereichert das Fächerspektrum unseres Wissenschaftsstandorts Heidelberg auf einzigartige Weise.

Auf diesem soliden freundschaftlichen und wissenschaftlichen Fundament zwischen den Wissenschaftlern und ihren Studierenden ruht auch der heute im Mittelpunkt stehende Neubau.

Ich bin sicher, dass es der Hochschule für Jüdische Studien gelingen wird, mit ihren Wissenschaftlern und der nun ausgebauten Infrastruktur auch weiterhin überregional Studierende anzuziehen, exzellente Forschung und Lehre zu betreiben und den Neubau schnell mit Lebendigem Geist zu füllen.

Wo immer möglich, wird die Universität Heidelberg dabei unterstützend wirken und ihren Teil dazu beitragen, dass es gelingt, unsere Partnerschaft erfolgreich und zum Wohle unserer Studierenden zu leben. Der Zukunft sind wir gemeinsam verpflichtet!

Als Geowissenschaftler rufe ich Ihnen daher heute ein herzliches „Glück Auf!" zu. Alles Gute, verbunden mit dem praktischen Wunsch, dass jeweils zum Jahresende immer noch eine Handvoll Geld im Etat sein möge!

- Es gilt das gesprochene Wort -