29.09.2009

Grußwort Professor Dr. Hubert Burda

Vorsitzender des Aktionskomitees für den Neubau der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

Es ist mir eine ganz besondere Freude, heute in diesem prächtigen Saal mitten in der Altstadt Heidelbergs, meiner Geburtsstadt, ein Grußwort an Sie zu richten. An diesem historischen Ort laufen ja auch viele Stränge zusammen. Es liegt genau in der Mitte zwischen Straßburg und Mainz, also jenen Städten, in denen in der Mitte des 15. Jahrhunderts Gutenberg seine Epoche machende Erfindung des Buchdrucks getan hat.

Hier haben die Medien ihren Ursprung und wir befinden uns heute – wie zu Gutenbergs Epoche- wieder in einer so genannten Schwellenzeit, meine Damen und Herren.

Seit über einem Jahrzehnt erleben wir einen fundamentalen digitalen Wandel. Ein zentrales Moment der digitalen Revolution ist, dass die Bilder und das bewegte Bild eine immense Bedeutung erlangt haben (Iconic Turn).

Wenn Sie an den vergangenen Sonntag- und über die Wahlberichterstattung auf den großen Fernsehkanälen denken, dann müssen sie diese ergänzt um die Wahlberichterstattung auf den großen Onlineportalen Spiegel, Welt oder Focus sehen.

Diese Portale konnten neue Rekorde an Besuchern melden. Die Menschen, die unterwegs waren, konnten sich über Handys und Laptops direkt auf den jeweiligen Seiten informieren. Dort hat sich die Zahl der mobilen Abrufe am Sonntag verdreifacht.

Iconic Turn oder die Inflation der Bilder. Ich erinnere mich an einen wunderbaren Spaziergang in Jerusalem mit meinem Freund und Lehrer Elihu Katz, bei dem wir über das dritte Gebot „Du sollst Dir kein Bildnis machen" nachdachten. Wenn ich mich recht erinnere, war das 1994.

Das Thema ist von großer Aktualität und diese Dichotomie von dem geschriebenen und gesprochenen Wort und dem Bilder-Verbot steht im Mittelpunkt des jüdischen Glaubens.

Ich meine, das ist ein spannendes Thema für die jungen Menschen, die in dieser Hochschule, dem Kompetenzzentrum für jüdische Studien, studieren werden.

Meine Damen und Herren, meine Aufgabe als Vorsitzender des Aktionskomitees ist es heute zu verkünden, dass private Mittel in Höhe von 2,15 Mio. Euro für den Neubau und die Ausstattung der Hochschule für jüdische Studien eingeworben wurden. Mein ausdrücklicher Dank an die Mitglieder des Aktionskomitees. Dies ist ein Drittel des gesamten Bauvolumens!

Dazu wurden drei Instrumente eingesetzt:

Die Raumpatenschaften. Hier werden heute beim Rundgang die Namensschilder der Paten enthüllt. Die Räume sind nach deutsch-jüdischen Geistesgrößen benannt wie Albert Einstein, Stefan Zweig, Sigmund Freud, Hannah Arendt, Heinrich Heine, Walter Benjamin, Ludwig Bamberger, Ernst Bloch.

Die Virtuelle Bibliothek. Das ist ein Projekt meines Hauses, das ein weiteres erfolgreiches Instrument war. Hier können im Internet Interessierte aus einer großen Liste Buchtitel zeichnen, die dann der Arbeit der HOCHSCHULE FÜR JÜDISCHE STUDIEN zugute kommen.

Die Liste wurde von der von mir sehr geschätzten Rachel Salamander ausgewählt und bedeutende Größen wie Uwe Tellkamp, Yossi Vardi oder Lord Weidenfeld haben eine Patenschaft für Bücher übernommen. Wir stehen hier erst am Anfang und haben bereits 70 Spender bekommen. Eine Mitarbeiterin meines Hauses wird Ihnen gerne zeigen, wie man vorgehen muss.

Die Bau-Aktien. Diese Initiative verdanken wir Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, der jede der 500 €-Aktien eigenhändig unterschrieben hat. Frau Dr. Maike Kohl-Richter darf ich als besonderen Dank für alle Hilfen von ihr und ihrem Mann heute die No. 1 der Bau-Aktie überreichen.

Ich wünsche Ihnen, dass sich dieser Ort weiterhin zu einem vitalen und inspirierenden Forum für das bürgerliche, kulturelle und wissenschaftliche Leben dieser Stadt und ihrer Menschen entwickelt.

Vielen Dank!

- Es gilt das gesprochene Wort -