24.09.2009

Informationen zum Neubaukomplex

Umbau und Erweiterung der Hochschule für Jüdische Studien

Neubau

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg
Die Hochschule für Jüdische Studien ist seit Anfang der neunziger Jahre in einem Anwesen aus der Gründerzeit untergebracht.
Der Neubau setzt sich als selbstbewusstes, eigenständiges Gebäude, gestalterisch und konstruktiv von der umgebenden historischen Bebauung ab. Die Nutzfläche wird von ca. 1.000 auf knapp 3.000 m² erweitert. Mit seiner gestaffelten zwei- bis dreigeschossigen Bauweise und der abgesenkten Eingangsebene nimmt sich der Neubau, in seiner Höhe zu dem Bestandsgebäude und der Nachbarbebauung angenehm zurück. Er ist konzipiert als einfaches Stahlbetonskelett mit aussteifendem Kern umhüllt von einer thermisch getrennten Pfosten- Riegel- Fassade. Farbige Gläser in differenzierten Blau- und Grautönen, die in einzelnen Fassadenelementen eingesetzt sind, bringen Lebendigkeit in die schlichte, klare Formensprache und erzeugen Lichteffekte im Innern. Das Grundrisskonzept und die großzügigen Fassadenverglasungen maximieren die Tageslichtausbeute und reduzieren deutlich den Bedarf von künstlicher Beleuchtung. Außen liegende Sonnenschutzlamellen an Süd- und Westseite steuern den Solareintrag und die Belichtung der Innenräume.
Alle Dachflächen des Neubaus sind begrünt. Ebenso wurde auf Umweltverträglichkeit der eingesetzten Materialien und Techniken geachtet.
Das Ensemble aus historischer Bausubstanz und zeitgenössischer Architektur setzt die Idee der Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft architektonisch um und präsentiert die Hochschule für Jüdische Studien einerseits als einen Ort für Tradition und kulturelles Erbe, andererseits als weltoffene, moderne Institution des 21. Jahrhunderts.

Bestand

Das um 1900 als Bankgebäude errichtete Anwesen steht unter strengem Denkmalschutz und ist behutsam saniert worden. Die innere Struktur bleibt erhalten, Raumaufteilungen wurden nur in geringem Umfang geändert und den Nutzungsanforderungen entsprechend umgestaltet. Neben der Villa befindet sich auf dem Grundstück ein historischer, ebenfalls unter Denkmalschutz stehender Gewölbekeller. Dieser war Teil des ehemaligen Turnierplatzes, der Mitte des 17. Jahrhunderts an dieser Stelle errichtet wurde und vermutlich als Festsaal diente. Durch die Integration des historischen Sandsteingewölbes in den Neubau wird dieses nun in einer Art gläsernen Vitrine der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Funktionen/ Nutzung

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

Die ruhigen Bereiche der Hochschule sind im Altbau und die lebhaften, publikumsintensiven Nutzungen sind im Neubau untergebracht. Die offenen Räume im Neubau, fließende Raumfolgen von Innen und Außen und die Transparenz der großen Glasflächen setzen die Nutzungsanforderungen architektonisch um.
Der Gebäudekomplex wird über die Landfriedstraße erschlossen. Von hier aus lässt sich die Dimension des Neubaus kaum erahnen und überlässt dem Altbau den Vorrang. Der Weg führt an der Villa vorbei, entlang dem Neubau, der mittels einer Glasfuge an den Bestand andockt. Durch den Querriegel, der das historische Gewölbe mit 2 Ebenen überbaut, wird der Eingangsvorplatz aufgespannt. Forum und Innenhof sind vom ursprünglichen Gelände abgesenkt, die Fassade des Gewölbekellers wird dadurch sichtbar gemacht und die Eingangsebene natürlich belichtet.
Man betritt das Gebäude durch die zweigeschossige Eingangshalle mit Foyer und Empfang. Sie ist Dreh- und Angelpunkt der ganzen Fakultät. Von hier aus lässt sich auch der begrünte Innenhof sehen. Rechts gelangt man zur Cafeteria und dem Multifunktionssaal, die beide in dem Sandsteingewölbe untergebracht sind. Im Querriegel befinden sich im 1. Obergeschoss Seminarräume und ein großer Hörsaal; im 2. Obergeschoss sind Gästewohnungen und Büroflächen angeordnet.
Rund um das Foyer gruppieren sich das Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland und die Bibliothek, das Herzstück des Gebäudes. Durch differenzierende Raumbereiche entsteht hier ein weiterer Ort der Begegnung und Kommunikation. Davon geschieden werden Ruhebereiche für ungestörtes, konzentriertes Arbeiten, außerdem werden getrennte Einzel- und Gruppenarbeitsräume geschaffen. Die Bibliothek der Hochschule für Jüdische Studien ist die erste Bibliothek in Deutschland, deren hebräische Titel in Originalschrift in einem Online-Katalog recherchiert werden können. Im Februar 2009 wurde die originalschriftliche Katalogisierung im SWB (Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes) realisiert. Seit diesem Zeitpunkt werden die Hebraica originalschriftlich und transkribiert katalogisiert. Mit Eröffnung des Neubaus Ende September 2009 erhält die Bibliothek auch ein eigenes Integriertes Bibliothekssystem mit Web-OPAC (Online Public Access Catalogue). Insbesondere der OPAC sticht hierbei durch den Einsatz von zeitgemäßer Suchmaschinentechnologie in Verbindung mit zahlreichen Web 2.0 Features hervor.
Gleichzeitig fungiert die Bibliothek als Verbindungsglied zum Altbau. Hier sind die Verwaltungsbereiche, die Archive und die Büroräume der Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter untergebracht.

Bauherr: Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R.
Standort: Landfriedstraße 12, Heidelberg
Architekten: Hansjörg Maier & Partner, Mitarbeit: Susanne Brahm
Modell: Werkplan; Andreas Fofana und Stephan Fleig, Karlsruhe
Visualisierung: Dirk Miguel Schluppkotten, Karlsruhe
Baubeginn: 2007
Fertigstellung: September 2009