Reden und Texte

  • 09.06.2015

    Das Rosenburg-Projekt

    Rede von Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, zur Veranstaltung „Das Rosenburg-Projekt – Der Umgang des Bundesjustizministeriums mit seiner NS-Vergangenheit in den 1950er und 60er Jahren“, 03.06.2015, Bundesministerium

    Anrede,

    zunächst möchte ich mich herzlich für die Einladung zur Präsentation des Rosenburg-Projekts bedanken. Ich bin von den Ausführungen der beiden wissenschaftlichen Leiter des Rosenburg-Projektes, Herrn Prof. Görtemaker und Herrn Prof. Safferling, außerordentlich beeindruckt. Sie können sich vorstellen, dass die präsentierten Ergebnisse mich als Juristen noch einmal in ganz besonderer Weise berühren und in ihren Bann ziehen.

    Sehr geehrter Herr Minister, sehr geehrte Damen und Herren, zu der zurückliegenden, außerordentlich erfolgreichen Arbeit kann man Ihnen allen nur herzlich gratulieren.

  • 21.05.2015

    Jüdisches Leben in Deutschland – Ist es gefährdet?

    Rede von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster bei einer Tagung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 20. Mai 2015 in Berlin

    Ich freue mich sehr, heute bei Ihnen zu sein und hier einige Worte an Sie richten zu dürfen.

    Lieber Herr Minister de Maizière, ich danke Ihnen erst einmal für Ihre unterstützenden Worte. Sie bedeuten uns, der jüdischen Gemeinschaft, sehr viel. Ich weiß, wir wissen, dass wir uns beim Kampf gegen Antisemitismus auf die Bundesregierung und die Unionsfraktion verlassen können.

    Alleine, dass Sie diese Tagung hier initiiert und organisiert haben, zeigt, dass es Ihrer Fraktion ein wahres Anliegen ist, das Thema Antisemitismus aufzugreifen und anzugehen. Es zeigt auch, dass Sie die insbesondere seit dem letzten Jahr stärker und häufiger auftretenden Sorgen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ernst nehmen, aber nicht hinnehmen wollen - und dafür danke ich.

  • 04.05.2015

    Rede des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, bei der Gedenkfeier des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern

    anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des KZ Dachau, 3. Mai 2015

    Es ist uns, dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, eine besondere Freude, dass Sie, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, auch an der Gedenkfeier am Jüdischen Mahnmal teilnehmen. Dafür danke ich Ihnen ganz herzlich!

    Ebenso möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, meinen Dank aussprechen, dass Sie heute hier sein können.

    Ich denke aber, Sie werden es verstehen, dass mir bei einer Gedenkfeier wie der heutigen einige andere Gäste noch mehr am Herzen liegen:

    Ich möchte Sie, die Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau, ganz besonders herzlich begrüßen!

  • 27.04.2015

    Ort der Trauer und der Stärke

    Ansprache des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, anlässlich der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen

    „Erde, verdecke nicht das Blut, das auf dir vergossen wurde!“
    Diesen Satz wählten die wenigen jüdischen Überlebenden von Bergen-Belsen 1946 für dieses Mahnmal aus.

    Eine Zeitspanne von 70 Jahren liegt zwischen der Befreiung dieses Konzentrationslagers und uns heute. Wir lesen mit leisem Schaudern diese Mahnung.
    Die Erde der Konzentrationslager ist tatsächlich blutgetränkt. Zehntausende Menschen haben allein hier im KZ Bergen-Belsen ihr Leben verloren, ganz zu schweigen von den Millionen Toten in den anderen Konzentrations- und Vernichtungslagern.

  • 20.04.2015

    "Ärztliches Handeln muss immer die Menschenwürde achten"

    Grußwort von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster zur Ausstellungseröffnung bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, 19.4.2015 in Mannheim (Redemanuskript)

    Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

    ich möchte Ihnen zu Beginn den Lebensweg eines Mediziners schildern: Dr. Rudolf Fromm war kein Internist, sondern Allgemeinmediziner und Kinderarzt. Doch sein Lebensweg steht exemplarisch für das Schicksal tausender jüdischer Ärzte während der NS-Zeit. Dr. Fromm – übrigens im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz - hatte in den 20er Jahren eine Arztpraxis in der Nähe von Saarbrücken. Sein Einkommen aus dieser Praxis ging ab 1933 zunächst um 20 Prozent zurück, 1935 waren es schon 50 Prozent und 1937 schließlich 85 Prozent. Die Gesetzgebung der Nazis gegen jüdische Ärzte zeigte Wirkung.

  • 20.01.2015

    "Wir Juden müssen einen kühlen Kopf bewahren"

    Gastkommentar von Zentralratspräsident Dr. Schuster in der "Welt", 20.1.2015

    In den ersten Tagen nach dem verheerenden Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und der Geiselnahme mit vier Toten im koscheren Supermarkt in Paris standen alle unter Schock. Und es ist nur allzu verständlich, dass sich gerade Juden in Frankreich erneut und verstärkt fragten, ob sie noch eine Perspektive in ihrem Land haben.
    Sehr häufig wird auch uns, der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, in diesen Tagen diese Frage gestellt: Können Juden hier noch sicher leben? Oder folgen sie dem Angebot, welches verstärkt aus Israel zu hören ist, dorthin auszuwandern?

    Eines ist mir jetzt besonders wichtig: nicht in Panik zu verfallen, nicht überstürzt zu handeln. Denn dann hätten die Terroristen schon ihr erstes Ziel erreicht. Es gilt – was wahrlich nicht leichtfällt nach diesem schrecklichen Jahresauftakt – einen kühlen Kopf zu bewahren.

  • 13.01.2015

    Rede des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, bei der Kundgebung „Zusammenstehen – Gesicht zeigen“, 13.1.2015, Berlin

    Liebe Bürgerinnen und Bürger,
    wir stehen heute hier, immer noch voller Trauer und unter Schock. Die schrecklichen Bilder aus Frankreich lassen uns nicht los. Die hohe Zahl der Toten und Verletzten erschüttert uns zutiefst.
    Mit Menschenverachtung haben die Terroristen ihre brutalen Pläne umgesetzt und unschuldige Menschen kaltblütig ermordet.

  • 03.12.2014

    Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Stolpersteine Würzburg am 1.12.2014 in Würzburg

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wir befassen uns heute mit einem wahrlich nicht leichten und lange verdrängten Thema: mit der Rolle der Polizei im Nationalsozialismus. Es mussten Jahrzehnte vergehen, bis sich die Polizeibehörden und die Länder-Innenminister überhaupt mit der Vergangenheit auseinandergesetzt haben.

  • 05.09.2014

    Rede des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, bei der Trauerfeier für Frank Schirrmacher, 5.9.2014, Paulskirche, Frankfurt am Main (Manuskript)

    Heute fand in der Frankfurter Paulskirche die Gedenkfeier für den verstorbenen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher statt. Zentralratspräsident Dr. Dieter Graumann würdigte ihn in seiner Rede als "leidenschaftlichen Freund und herausragenden Weggefährten der jüdischen Gemeinschaft, dem wir für ewig Dank und Bewunderung schulden".

  • 16.07.2014

    Israel muss sich wehren

    Die Hamas treibt ein zynisches Spiel. Ihr Krieg richtet sich gegen die Werte des Westens. Warum sieht das dort keiner? Gastkommentar in der Süddeutschen Zeitung

    Sirenenalarm in Köln! Am Samstag ertönten in der Rheinmetropole die Alarmsignale. Laut, durchdringend, erschreckend. Ich war gerade zu Besuch hier. Ein Blick ins Internet reichte, und schnell wurde klar: Es handelte sich lediglich um eine regelmäßig stattfindende Überprüfung der Sicherheitssysteme. Ein Probealarm. Nach einer Viertelstunde war alles vorbei. Der Alltag in Köln ging weiter, mit rheinischem Frohsinn auch bei schlechtem Wetter.
    Als die Sirenen in Köln heulten, stand ich am Fenster und zählte bis 15. Fünfzehn Sekunden, das ist die Zeit, die israelischen Müttern bleibt, um ihre Kleinkinder beim Ertönen der Sirene vor einer Detonation in Sicherheit zu bringen. 15 Sekunden haben alte Menschen Zeit, um beim Raketenalarm in Schutzbunker flüchten. 15 Sekunden, darf es nur dauern, bis ein fahrender Schulbus mitten auf der Straße zum Stehen gekommen ist und die Kinder sicheren Unterschlupf gefunden haben. In Israel ist es kein Probealarm, wen dort die Sirenen heulen. Es ist bitterer Alltag.

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