Reden und Texte

  • 21.09.2015

    Grußwort des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, beim Neujahrsempfang der IRGW, Stuttgart, 21.9.2015

    Meine sehr geehrten Damen und Herren!

    Ich freue mich sehr, heute bei Ihnen in Stuttgart zu sein und darf Ihnen ganz herzliche Grüße unseres Präsidenten, Herrn Dr. Schuster, übermitteln.

    Heute wird zum ersten Mal die Joseph-Ben-Issachar-Süßkind-Oppenheimer-Auszeichnung verliehen. Diese Auszeichnung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, und mit der Amadeu Antonio Stiftung geht sie auch an den richtigen Preisträger: Meinen herzlichen Glückwunsch an Sie, Frau Kahane, und Ihre Mitstreiter von der Stiftung!

    Das neue Jahr 5776 fängt damit wirklich gut an! Denn es ist wichtig, die Menschen zu stärken, die unermüdlich und unerschrocken für eine tolerante Gesellschaft kämpfen.

  • 11.09.2015

    Frieden und Sicherheit

    Grußwort von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zu Rosch Haschana

    Verehrte Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

    An Rosch Haschana blicken wir auf das zu Ende gehende Jahr zurück. War es ein gutes Jahr? Diese Frage wird jeder für sich persönlich anders beantworten.

    War es für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ein gutes Jahr? Bei allen Einschränkungen, die wir ehrlichkeitshalber machen müssen, trotz allem, was uns belastet hat, würde ich diese Frage mit „Ja“ beantworten. Es war ein Jahr, in dem die jüdischen Gemeinden in Deutschland sich in Frieden und Sicherheit weiter entwickeln konnten.

  • 10.09.2015

    "Wir Juden wissen, wie bitter Flucht ist"

    Gastkommentar von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster und dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, in der Zeitung "Die Welt"; 10.09.2015

    WJC-Präsident Ronald S. Lauder und Zentralratspräsident Josef Schuster,  Fotos: WJC/Doron Ritter, Andreas Kneitz

    Die Bilder könnten gegensätzlicher kaum sein: Auf der einen Seite Bürger, die erschöpfte Flüchtlinge mit Hilfsbereitschaft empfangen, auf der anderen Seite Neonazis, die "Ausländer raus" brüllen und Brandsätze auf Unterkünfte werfen.

    Und doch: Wir sind froh, dass es weit mehr Menschen gibt, die die Flüchtlinge willkommen heißen als solche, die sie offen ablehnen.

    Wir erleben spontanes Engagement von Bürgern, und auch viele Entscheidungen der Bürokratie fallen gerade sehr schnell. All das war lange nicht üblich. Das weckt zu Recht Sympathien weltweit.

  • 09.09.2015

    Wölfe in Schafspelzen

    Gastkommentar von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster in der "Jüdischen Allgemeinen", 3.9.2015

    Die NPD macht das sehr geschickt: Unmittelbar nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Heidenau distanzierte sich der sächsische Landesverband der Partei von der Gewalt. In vielen Kommunen fügt sich die NPD seit Jahren geräuschlos in die Strukturen ein – und verbreitet so ihr braunes Gift bis in die Mitte der Gesellschaft.

    Und leider müssen wir feststellen: Ihre Propaganda ist in vielen Regionen Deutschlands auf fruchtbaren Boden gefallen. In den Protesten und Anschlägen gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsheime offenbart sich ein erschreckender, völlig übersteigerter Hass auf alles Fremde, auf religiöse Minderheiten und auf die demokratischen Parteien.

  • 31.08.2015

    "Brücken bauen zwischen den Religionen"

    Rede von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster zur Eröffnung der Achava-Festspiele in Erfurt, 27. August 2015

    Anrede,

    es ist mir eine ganz besondere Freude, heute als Schirmherr die Achava-Festspiele mit zu eröffnen!

    Sie finden zum ersten Mal statt – und einen besseren Zeitpunkt hätten Sie, die Initiatoren, sich gar nicht aussuchen können.

    Achava ist das hebräische Wort für „Brüderlichkeit“. Sie bauen mit diesen Festspielen Brücken zwischen den Kulturen, zwischen den Religionen. Sie erinnern uns alle daran, dass wir Brüder und Schwestern sind, dass es viele Verwandtschaften zwischen den großen Religionen gibt. Sie erinnern daran, dass das Christentum seine Wurzeln im Judentum hat. Sie erinnern daran, dass gerade unter muslimischer Herrschaft in vielen Teilen der Welt einst eine Hochkultur entstanden war, in der nicht selten Juden eine Zufluchtsstätte vor Verfolgung durch Christen fanden.

  • 29.07.2015

    "Ein Traum ist Wirklichkeit geworden"

    Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, bei der Eröffnungsfeier der European Maccabi Games, 28.7., Waldbühne Berlin

    Anrede,

    Heute wird ein Traum wahr!

    70 Jahre nach der Shoa, fast 80 Jahre nach den Olympischen Spielen von 1936, als Hitler genau hier mit einer perfekten Propaganda-Show die Welt blendete, als nur 40 Kilometer von hier entfernt das KZ Sachsenhausen gebaut wurde, nur so wenige Jahrzehnte später sind wir hier!

    Mehr als 2.000 jüdische Sportler, Hunderte Mitglieder unserer jüdischen Gemeinden, Hunderte Mitglieder der Maccabi-Vereine und Tausende Freunde der jüdischen Gemeinschaft.

    Das ist ein Traum, den viele von uns niemals zu träumen gewagt hätten.

    Heute ist er Wirklichkeit geworden!

  • 16.07.2015

    "Gemeinde ist fester Bestandteil der Münchner Gesellschaft"

    Grußwort von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster beim Festakt anlässlich des 200-jährigen Bestehens der IKG München und Oberbayern, 15.7.2015, München

    Anrede,

    im Jahr 1937 gab es für die Israelitische Kultusgemeinde München eigentlich auch ein Jubiläum zu feiern: Seit 50 Jahren bestand die Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße. Die Gemeinde formulierte jedoch mit gutem Grund damals in der Festschrift: „Die 50. Wiederkehr dieses Tages festlich zu begehen, ist heute nicht die Zeit.“

    Wie furchtbar Recht sie behielten. Nur ein Jahr später wurde die Hauptsynagoge auf Befehl Adolf Hitlers zerstört. In seiner „Hauptstadt der Bewegung“ setzte er schon vor der ein Jahr später folgenden Pogromnacht ein deutliches Zeichen: Juden sind unerwünscht! Ende 1938 waren sämtliche Einrichtungen der Israelitischen Kultusgemeinde aus dem Münchner Adressbuch getilgt.

  • 16.07.2015

    Mit einer Stimme - Seit 65 Jahren ist der Zentralrat die politische Vertretung der Juden in Deutschland

    Gastbeitrag von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, in der "Jüdischen Allgemeinen", 16.7.2015

    Es gab damals keinen Festakt. Es war auch kein Politiker zugegen. Am 19. Juli 1950 trafen sich einige wenige jüdische Repräsentanten in einer Frankfurter Privatwohnung und gründeten einen Verband. Welche Zukunft dieser Verband in Deutschland haben würde, war ungewiss.

    Er war notwendig geworden: Es galt, für die neu entstandenen jüdischen Gemeinden eine politische Interessenvertretung zu gründen. Jemand musste sich um die sozialen Belange der jüdischen Gemeinschaft kümmern. Die Entschädigungs- und Wiedergutmachungsverhandlungen hatten begonnen – und die Politik fragte zunehmend nach Ansprechpartnern auf jüdischer Seite.

  • 06.07.2015

    "Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind eine Erfolgsgeschichte"

    Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, beim Israel-Tag im Rahmen der Jüdischen Woche Leipzig, 05.07.2015

    Anrede,

    die Leipziger Buchmesse hatte in diesem Jahr Israel als Schwerpunktthema. Aus diesem Anlass bin ich von einer Tageszeitung um einen Buchtipp gebeten worden. Nun wäre es nicht schwierig gewesen, einen Roman zu empfehlen, angesichts der Fülle an herausragenden israelischen Schriftstellern. Und sicherlich erwarten dies auch die meisten vom Zentralratspräsidenten. Ich habe mich jedoch bewusst für etwas anderes entschieden: Ich habe ein Kochbuch empfohlen. Das wird Sie jetzt vermutlich etwas verwundern.

  • 22.06.2015

    ",Nostra Aetate' muss eine bleibende Verpflichtung sein"

    Vortrag von Dr. Josef Schuster bei einer Veranstaltung der Deutschen Bischofskonferenz zu 50 Jahre „Nostra aetate" am 21. Juni 2015

    Anrede,

    ich kann mich noch gut erinnern: Wir schrieben das Jahr 1975. Ich war ein junger Medizinstudent, und das ganze katholische, wenn nicht auch evangelische Deutschland blickte auf meine Heimatstadt Würzburg. Gespannt warteten alle auf die Beschlüsse der gemeinsamen Synode der Bistümer. Wie würde sich das Zweite Vatikanische Konzil in der Praxis niederschlagen?

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