Reden und Texte

  • 08.06.2016

    „Was uns prägt – was uns eint“

    Rede des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, zum Tag der Konrad-Adenauer-Stiftung, 8.6.2016, Berlin.

    Anrede,

    Ich freue mich sehr, heute bei Ihnen zu sein und gemeinsam mit Ihnen auf eine Gedankenreise zu unseren Werten gehen zu dürfen. Und mit Ihnen darüber zu sprechen, was uns eint und was uns prägt oder geprägt hat. Es ist sicherlich keine einfache Reise, die lediglich eine Destination zum Ziel hat, sondern vielmehr eine Rundreise mit vielen Stationen und Perspektiven.

    Ich bin kein Theologe – dies sei vorangestellt – daher muss ich einigen von Ihnen bereits im Vorfeld die Vorfreude nehmen, aus rein religiöser Sicht hier zu Ihnen zu sprechen. Ich glaube aber auch nicht, dass es allein unseren Geistlichen, Politikern oder Kulturhistorikern zustehen sollte, die ultimative Antwort auf die Frage, was uns prägt und uns eint, zu finden. Die Antwort ist vielmehr ein dynamisches Konstrukt, welches sich anpasst und anpassen muss, um ein in der Tat vereinendes Miteinander zu schaffen und damit die Stärkung des sozialen Zusammenhalts, sowie die Wahrung des inneren Friedens zu garantieren.

  • 31.05.2016

    Die Religionsgemeinschaften können Werte wie Respekt neu mit Leben füllen

    Grußwort des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, beim Auftakt zum Projekt „Weißt du, wer ich bin?“, 31.5.2016, Berlin

    „Wer fragt, ist unwissend für einen Augenblick. Wer nicht fragt, bleibt unwissend für immer.“ Dieser Ausspruch stammt von Raschi, Rabbiner Schlomo ben Jitzchak, einem der wichtigsten und anerkanntesten Rabbiner aus dem 11. Jahrhundert.

    Wir setzen heute – rund 900 Jahre später - ein erfolgreiches Projekt fort, das diesen Gedanken aufgreift: „Weißt du, wer ich bin?“ fragen wir, wir, die drei großen Weltreligionen. Es gibt derzeit viel Anlass, diese Frage wieder in den Raum zu stellen. Denn wieder gibt es politische Debatten, in denen vor einer angeblichen Überfremdung Deutschlands gewarnt wird. Der Islam wird als Ganzes zum Fremden erklärt.

  • 21.04.2016

    Flucht und Freiheit

    Am Sederabend lesen wir vom Auszug der Juden aus Ägypten. Dabei erkennen wir erneut, wie aktuell die Geschichte ist - Gastbeitrag von Dr. Josef Schuster in der "Jüdischen Allgemeinen", 21.4.2016

    An diesem Freitag ist Erew Pessach, und – Hand aufs Herz – die Vorbereitungen waren wieder etwas anstrengend, oder? Das Haus oder die Wohnung reinigen, Chametz beseitigen, Mazze abholen, Pessachgeschirr auspacken, für den Seder einkaufen, die Familie pünktlich versammeln.

    So ähnlich geht es in vielen Familien in den Tagen vor Pessach zu. Die Liste der zu erledigenden Dinge ist lang. Und meistens – seien wir ehrlich – sind die Frauen oder Mütter am meisten im Stress. Dieses Jahr ist die Organisation eine besondere Herausforderung, weil Erew Pessach auf einen Freitag fällt. Doch beim Seder ist all das vergessen. Ob in der Gemeinde, im Freundeskreis oder zu Hause – wir sitzen, feiern, lesen die Haggada und freuen uns, zusammen zu sein.

  • 20.04.2016

    "Gefährdungen der Demokratie frühzeitig erkennen"

    Rede von Zentralrats-Präsident Dr. Josef Schuster zur Eröffnung der DHM-Ausstellung „Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“, 19.4.2016, Berlin

    Anrede,

    nach der Eröffnung der großartigen und erfolgreichen Ausstellung „Kunst aus dem Holocaust“ im Januar dieses Jahres freue ich mich, heute wieder hier im Deutschen Historischen Museum zu sein. Wir eröffnen mit „Angezettelt“ eine nicht minder interessante Ausstellung. So verschieden die beiden Schauen auch sein mögen – es gibt eine Verwandtschaft zwischen ihnen. Denn das Grauen, das sich in manchen Bildern aus der Yad-Vashem-Sammlung widerspiegelt, wurde durch antisemitische Propaganda angezettelt, wie wir sie in der neuen Ausstellung finden.

  • 08.04.2016

    "Wir stehen an eurer Seite"

    Rede von Vizepräsident Mark Dainow bei der Kundgebung zum Welt-Roma-Day, 8. April 2016 in Berlin

    Anrede,

    es ist mir eine große Freude und Ehre, hier an diesem besonderen Tag als Vertreter der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ein Grußwort an Sie richten zu dürfen.

    So sehr ich mich darüber freue, bei Ihnen zu sein, so groß sind aber auch meine Trauer und Wut. Denn dass es überhaupt notwendig ist, sich hier zu versammeln, macht mich traurig und wütend: Sinti und Roma sind die am stärksten diskriminierte Minderheit in Europa. Das ist eine traurige Tatsache. Gegen diese Diskriminierung wollen wir heute ein starkes Signal senden! Das ist notwendig und wichtig und trifft hoffentlich auf viele Nachahmer in ganz Europa!

  • 16.02.2016

    "Ansporn, unseren Beitrag zu einer solidarischen Gesellschaft zu leisten"

    Rede von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster zur Verleihung des Jakob Herz Preises 2016 der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg, 12.02.2016, Erlangen

    Anrede,

    wir ehren heute einen herausragenden Mediziner und Forscher: Professor Fred Gage hat mit seinen bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der adulten Neurogenese und in der Stammzelltechnologie zu neuen Erkenntnissen und einem deutlich besseren Verständnis schwerer Gehirnerkrankungen beigetragen. Gerade angesichts der steigenden Zahlen von Demenzkranken sind seine Forschungsergebnisse wertvoller denn je.

    Ich möchte dem Laudator nicht vorgreifen, aber an dieser Stelle schon dem Preisträger meinen tiefen Respekt und meine Hochachtung ausdrücken!

  • 22.01.2016

    "Ein Zeichen des Vertrauens"

    Grußwort des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, zum 10-jährigen Bestehen der Synagoge Pforzheim, 17.01.2016

    Anrede,

    ich freue mich sehr, heute bei diesem glanzvollen Festakt zum 10. Jahrestag der Eröffnung dieser Synagoge dabei zu sein, und überbringe Ihnen die Glückwünsche von Dr. Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland!

    Heute ist wirklich ein besonderer Tag.

    Wenn ich mich umsehe, in dieser hellen, modernen Synagoge und meinen Blick schweifen lasse, dann wird mir erneut bewusst: Es ist eine ganz besondere Freude, dass in den zurückliegenden Jahrzehnten überall in Deutschland wieder Synagogen eröffnet wurden! Sie sind das sichtbarste Zeichen für das wieder erstarkte jüdische Leben in Deutschland. Und die Synagogen sind wichtig für unser jüdisches Gemeindeleben, denn sie sind das Herz unserer Gemeinden!

  • 22.01.2016

    "Große Herausforderungen im neuen Jahr"

    Rede des Präsidenten des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, beim Neujahrsempfang der Stadt Würzburg, 10.01.2016

    Anrede,

    im Herbst des gerade zu Ende gegangenen Jahres bekam ich in Würzburg Besuch von einem Journalisten aus Berlin. Wir trafen uns zum Mittagessen im Juliusspital und unterhielten uns. Ich muss in dem Gespräch auch irgendetwas über Obergrenzen für Flüchtlinge gesagt haben – ich erinnere mich gar nicht mehr genau – und plötzlich sprach die ganze Republik darüber.

    Was die Medien landauf, landab aber gar nicht wahrnahmen, war das, was der Journalist über Würzburg geschrieben hatte. Und ich freue mich sehr, dass ich heute die Gelegenheit habe, anlässlich des traditionellen Neujahrsempfangs ein wenig über unsere Stadt zu sprechen, und bedanke mich für diese Einladung!

    Der Journalist beschrieb Würzburg als Oase der Ruhe. „Seelenruhe der fränkischen Provinz“ nannte er das. Bedächtig, ruhig, zufrieden lauteten die Attribute, die er für unsere Stadt wählte. Nun mag ein wenig hauptstädtische Arroganz im Spiel gewesen sein, aber im Wesentlichen gebe ich ihm Recht: Selbst im Jahr 2015, mit vielen Ereignissen, die uns auch in Würzburg bewegt und beunruhigt haben, mit Herausforderungen, die sich auch in unserer Stadt niemand ausgemalt hätte, selbst in diesem Jahr 2015 hat unsere Stadt etwas sehr Kostbares geboten: Seelenruhe.

  • 03.12.2015

    Dank für Solidarität mit jüdischer Gemeinschaft

    Grußwort von Dr. Josef Schuster bei der Verleihung des Abraham-Geiger-Preises an Bundeskanzlerin Angela Merkel, 2.12.2015

    Anrede,

    es ist mir eine große Freude, bei der Verleihung des Abraham-Geiger-Preises an Sie, verehrte Frau Bundeskanzlerin, dabei zu sein!

    Sie werden für Ihre unverbrüchliche Solidarität zur jüdischen Gemeinschaft ausgezeichnet, als Garantin der Freiheit der Religionen in der modernen Gesellschaft. Ich danke dem Abraham-Geiger-Kolleg ganz ausdrücklich für die Auswahl dieser Preisträgerin. Als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland kann ich nur bestätigen: Sie haben diesen Preis mehr als verdient!

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