Reden und Texte

  • 03.04.2017

    "Vom Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte"

    Rede des Geschäftsführers des Zentralrats der Juden, Daniel Botmann, zur Eröffnung der Tagung "100 Jahre Balfour Deklaration" der Bildungsabteilung, Frankfurt, 29.03.2017

    Anrede,

    ich heiße Sie ganz herzlich willkommen zur Tagung der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland mit dem Titel: „100 Jahre Balfour Deklaration. Der Zionismus – von der Ideengeschichte zur nationalstaatlichen Umsetzung“.

    Wahrlich kein geringer Anspruch, das Thema Zionismus in einer Fachtagung abhandeln zu wollen, selbst wenn man wie wir hier zweieinhalb Tage dazu Zeit hat. Die Publikationen zur Geschichte des Zionismus und zur Staatsgründung Israels füllen ganze Bibliotheken. Aber keine Angst - ich werde jetzt nicht der Versuchung erliegen, diese Geschichte in einem 10-minütigen Grußwort nachzuzeichnen. Dennoch ist es mir - zumal als ein in Tel Aviv geborener Jude - eine Herzensangelegenheit, einige Schlaglichter auf das Thema zu werfen.

  • 03.03.2017

    Jugendkongress 2017 in Frankfurt eröffnet

    Rede des Zentralratspräsidenten Dr. Josef Schuster zur Eröffnung, 2. März 2017

    Anrede,

    zum Auftakt dieses Jugendkongresses möchte ich einfach mal ein paar Namen in den Raum werfen: Bad Sobernheim, Natz, Gatteo a Mare, Bellaria.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass niemand unter den Teilnehmern ist, dem man diese Orte erklären muss. Im Gegenteil. Bei den meisten kommen wahrscheinlich sofort Erinnerungen hoch, wenn sie diese Namen hören.

  • 22.02.2017

    "Die Warnlampen blinken bei uns häufiger"

    Vortrag des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, in der Veranstaltungsreihe „Parlamentsleben“, Niedersächsischer Landtag, Hannover, 21.2.2017

    Anrede,

    vor wenigen Wochen wurde vielerorts noch einmal an einen meiner Amtsvorgänger erinnert: an den verehrten Ignatz Bubis sel. A. Denn im Januar wäre er 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass kam auch mir ein Vorfall wieder in den Sinn: Der israelische Präsident Weizman hielt 1996 eine Rede im Deutschen Bundestag. Anschließend kam der damalige Chef der Bundeszentrale für politische Bildung auf Bubis zu und gratulierte zur guten Rede „seines“ Staatspräsidenten. Bubis war schlagfertig genug, um zu antworten: „Herr Herzog hält immer gute Reden.“

    Es ist nicht lange her, da ist mir etwas Ähnliches passiert. Im Zuge der Flüchtlingsdebatte Ende des Jahres 2015 schrieb ein junger Mann auf Facebook: „Die Vermittlung unserer Werte hat bei Schuster offensichtlich auch nicht geklappt.“

  • 02.02.2017

    "Wir brauchen den Rückhalt der Gesellschaft"

    Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, zum Festakt anlässlich des 10. Jahrestags der Einweihung der Neuen Synagoge Gelsenkirchen, 1.2.2017, Gelsenkirchen

    Anrede,

    zu diesem feierlichen Anlass möchte ich mein Grußwort gerne mit einem Zitat beginnen: „Wo ist nur das Gute geblieben? Wir sind die Menschen, die lieben! Haben wir den Krieg schon verloren? Nein, das Gute ist jetzt geboren!“

    Ich sehe es Ihren Gesichtern an, wie Sie jetzt überlegen: Stammt das Zitat aus einem Gebet? Oder von einem berühmten Rabbiner?

    Ich verrate Ihnen die Quelle gerne: Diese Zeilen haben Jugendliche aus Gelsenkirchen gedichtet, genauer gesagt: Jugendliche aus dem Jugendzentrum „Chesed“, das zu dieser Gemeinde hier gehört. Die Verse stammen aus ihrem Lied, mit dem sie vor fast genau einem Jahr in Mannheim bei der Jewrovision aufgetreten sind. Die Jewrovision ist ein großer Tanz- und Gesangswettbewerb, so ähnlich wie ihr Vorbild, die Eurovision, nur eben für jüdische Jugendliche.

    Warum ich Ihnen das so ausführlich berichte? Nicht nur, weil in gut zwei Wochen der Zentralrat der Juden wieder die Jewrovision ausrichtet. Sondern vor allem, weil an diesem Beispiel deutlich wird: In Gelsenkirchen haben wir eine kleine, aber quicklebendige jüdische Gemeinde!

  • 08.12.2016

    "Unser jüdisches Haus soll in Deutschland eine Zukunft haben"

    Rede des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, zur Eröffnung des Gemeindetags, 8.12.2016, Berlin

    Anrede,

    als ich heute auf dem Weg von Würzburg nach Berlin war, da kam mir mit einem Male ein Gedanke: Nämlich der Gedanke, dass just zur gleichen Zeit aus allen Ecken der Republik zig Mitglieder unserer Gemeinden ebenfalls auf dem Weg nach Berlin sind. Zu Hunderten haben wir uns heute auf den Weg gemacht.

    Und bei diesem Gedanken wurde mir sehr warm ums Herz. Und der Gedanke erfüllte mich auch mit Stolz. Stolz, dass eine selbstbewusste jüdische Gemeinschaft von Alt bis Jung zu einem Treffen dieser Größe zusammenkommt.

  • 02.12.2016

    "Wir sichern selbst die Zukunft der jüdischen Gemeinden"

    Grußwort des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, bei der Rabbiner-Ordination, 1.12.2016, Hannover

    Vor zehn Jahren erschien es uns noch fast wie ein Wunder: 2006 wurden in Dresden zum ersten Mal nach dem Krieg wieder liberale Rabbiner in Deutschland ordiniert. 2009 konnten wir in München die erste Ordination orthodoxer Rabbiner seit der Schoa feiern. Zuletzt haben wir im September in Frankfurt eine Amtseinführung von orthodoxen Rabbinern erlebt.

    Eine Ordinationsfeier wie heute hier in Hannover ist für unsere jüdische Gemeinschaft im 21. Jahrhundert fast schon eine Selbstverständlichkeit. Und das ist wirklich ein Grund zur Freude. Wie Sie alle wissen, werden unter dem Dach des Zentralrats der Juden in Deutschland Rabbiner für alle Strömungen des Judentums ausgebildet. Sehr geehrte Damen und Herren, das sucht seinesgleichen.

  • 24.11.2016

    "Antisemitismus ist keineswegs nur eine Gefahr für Juden"

    Grußwort von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster beim Fachgespräch Antisemitismus der Bundestagfraktion B‘90/Die Grünen, 23.11.2016, Berlin.

    Anrede,

    ja, wir kennen dies: „An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld“. Daraufhin fragt jemand: „Warum die Radfahrer?“. Was als schlechter Scherz zu verstehen ist, spiegelt doch im Kern eine traurige Realität wider. Antisemitismus ist existent, heute und auch in Deutschland. Dieser irrationale Menschenhass auf Juden speist sich aus Vorurteilen und negativen Zuschreibungen, die aber nichts mit dem Realen zu tun haben.

    Der Antisemitismus, verehrte Anwesende, ist in den letzten Jahren auf verheerende Weise wieder sichtbar geworden. Ja, er scheint sogar auf dem Vormarsch zu sein – in ganz Europa. Ich möchte alles andere als Panik schüren oder gar Worst-Case-Szenarien hervorrufen. Das ist auch gar nicht nötig. Es reicht, wenn wir uns einmal die Faktenlage anschauen.

  • 21.11.2016

    "Nur, wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft"

    Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Rede zur Abschlussveranstaltung der PT-Convention, 20.11.2016, Nürnberg

    Anrede,

    „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ Diesem Zitat von Wilhelm von Humboldt - kann ich nur zustimmen. Deshalb freut es mich sehr, dass Sie sich in den vergangenen Tagen so ausführlich mit den Nürnberger Prozessen beschäftigt haben.

    Im Herbst 1946, als der Internationale Militärgerichtshof der Alliierten seine Entscheidungen über die Hauptkriegsverbrecher verkündete, wurden die Urteile von vielen nichtjüdischen Deutschen als „Siegerjustiz“ abgelehnt. Doch aus jüdischer Sicht waren sie ein erster Meilenstein in der juristischen Aufarbeitung der Schoa.

  • 10.11.2016

    "Der Blick zurück mahnt uns, unsere Werte zu verteidigen"

    Rede von Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster beim Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938, Würzburg, 9.11.2016

    Anrede,

    seit der Pogromnacht von 1938 – als in ganz Deutschland und in Österreich Synagogen brannten, jüdische Geschäfte verwüstet wurden und tausende Juden verhaftet oder getötet wurden – seitdem sind 78 Jahre vergangen. Das ist für uns Nachgeborene eine lange Zeit. Die Geschehnisse dieser Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 sind sehr weit weggerückt. Die meisten von uns können sich nicht wirklich vorstellen, was damals passiert ist.

    Deshalb spielen neben der historischen Forschung die Zeitzeugen so eine wichtige Rolle. Sie können aus eigenem Erleben die unfassbaren Ereignisse schildern.

    Doch gerade in diesem Jahr ist uns wieder schmerzlich bewusst geworden, dass wir nicht mehr lange die Möglichkeit haben werden, Zeitzeugen zuzuhören. Denn in diesem Jahr sind sehr prominente Vertreter dieser Generation gestorben: Elie Wiesel, Fritz Stern, Max Mannheimer und Rabbiner Nathan Peter Levinson. Das waren Persönlichkeiten, die nicht nur bereit waren, von ihrem Schicksal zu erzählen. Sie waren darüber hinaus bereit zur Versöhnung und gingen nach dem Krieg auf die nicht-jüdischen Deutschen wieder zu. Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, gerade jüngere Deutsche über die historischen Ereignisse aufzuklären.

  • 08.11.2016

    "Israel und Deutschland haben eine Brücke gebaut"

    Grußwort von Dr. Josef Schuster zur Eröffnung der Ausstellung „Israelis & Deutsche“, Neue Universität Würzburg, 7.11.2016

    Anrede,

    im vergangenen Jahr konnten wir alle an vielen Stellen kluge Zeitungsartikel, Kommentare und Aufsätze zur Bedeutung der deutsch-israelischen Beziehungen lesen. Die Spitzenpolitiker beider Länder äußerten sich. Zahlreiche Veranstaltungen hatten die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen Deutschlands und Israels vor 50 Jahren zum Thema.

    Doch was bleibt hängen von so einem Jubiläumsjahr? Es sind die Bilder. Bilder graben sich in unser Gedächtnis ein. Daher freue ich mich sehr, dass die Ausstellung „Israelis und Deutsche“ jetzt auch hier in Würzburg gezeigt wird. Mein Dank dafür gilt der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der Sparkasse Mainfranken Würzburg und der Universität von Würzburg!

    In dieser Ausstellung sind grandiose und berührende Fotos versammelt. Ob es der kleine Ben Gurion neben dem hoch gewachsenen Konrad Adenauer ist oder Teddy Kollek, der die Beine von Marlene Dietrich ignoriert. Ob es das Foto eines deutschen Freiwilligen 1962 im Kibbuz ist oder eines deutschen Freiwilligen im Jahr 2014.

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