02.06.2009

Grußwort von Leon Shamis

Student des Rabbinerseminars zu Berlin, anlässlich der Ordination des Rabbinerseminars zu Berlin in der Ohel Jakob Synagoge in München am 2. Juni 2009

Sehr geehrte Herren Rabbiner, Herr Bundesinnenminister Schäuble, Frau Präsidentin Knobloch, Herr Botschafter Lauder, Meine Damen und Herren,
Mein Name ist Leon Shamis und ich bin einer der Studenten des Rabbinerseminars zu Berlin.

Ich bin in Moskau geboren und kam im Alter von 15 Jahren mit meiner Familie nach Deutschland. Nach dem Abitur began ich durchaus enthusiastisch das Filmstudium an der FH für Design und Medien in Hannover. Im Laufe der Studienjahre wurde mir immer klarer, dass meine persönliche Auseinandersetzung mit dem geistigen Reichtum meines Volkes nicht konsequent genug war. Glücklicherweise ist es mir gelungen diese Überlegung konsequent genug umzusetzen. Von da an wurde das Traditionsgut meiner Vorfahren aus einem Mythos zur inspirierenden Realität meines Lebens.
Die persönliche innere Entwicklung zog nach sich die Anerkennung, dass eine wichtige Facette der persönlichen Verantwortung bedeutet, mich auch für das Jüdische Volk und das soziale Wohl im Allgemeinen zu engagieren. Je mehr ich ich mein Wissen erweiterte, desto deutlicher ließ sich diese Idee auch in den Grundsätzen des Judentums zurückverfolgen. Das Studium am Rabbinerseminar bot mir die exzellent Möglichkeit, sich fundiertes Wissen sowie ein klares Wertesystem zu erarbeiten, die dafür nötig sind, um diese Verantwortung tragen zu können.

Und so schien es mir nur noch vernünftig, dass ich meinen Beitrag leisten soll. Die Filmkarriere musste nach dem Abschluss verlegt werden und nun stehe ich jetzt vor Ihnen als Student des Rabbinerseminars zu Berlin.

Doch warum erzähle ich eigentlich über mich? Der Grund ist, dass es verständlich werden soll, wer wir, die Studenten des Seminars, sind. Meine Geschichte ist nur eine der neun Lebensgeschichten meiner Freunde und Kollegen, die sich als Ziel gesetzt haben, einen wichtigen Schritt zur Wideraufbau des Judentums in Deutschland zu vollziehen.

Wir sind durchaus ein Exempel des jüdischen Demographie-Spiegels im heutigen Deutschland: Die überwiegende Mehrheit von uns sind Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR, sowie jeweils ein Student aus Ungarn, den Vereinigten Staaten und, was bemerkenswert ist, aus Deutschland.

Jeder von uns hatte einen einzigartigen Werdegang gehabt, doch in diesem Fall führten alle Wege nach Berlin. Wir mögen ganz unterschiedlich vorgeprägt sein, denn es gibt einen Philosophen, einen Mikrobiologen, einen Bauingenieur und vielen andere Berufe unter uns, aber wir haben ein gemeinsames Ziel. Es ist eine Vision von dem wiederbelebten Judentum, das zu seinen Kräften kommt und die eigene tausendjahrealte Tradition weiterhhin aufbewahrt und somit den Beitrag zum Fortschritt des Geistes und der Kultur in diesem Staat leistet. Wir hoffen und glauben daran, dass unser Engagement einen seriösen Beitrag zu diesem Prozeß mit der Zeit leisten wird. Denn dafür haben wir uns in Berlin zusammengeschlossen.

Diese Bestrebung wäre natürlich zum Scheitern prädestiniert, wenn wir nicht die engagierten Unterstützer hätten, die Sie im Laufe der Zeremonie, so G-tt es will, zu sehen bekommen werden. Vor allem möchte ich aber an dieser Stelle den Zentralrat der Juden in Deutschland erwähnen und im Besonderen seine Präsidentin Frau Charlotte Knobloch. Es ist uns eine Freude an der Verwirklichung dieser Vision mit Ihnen zusammen zu wirken.

- Es gilt das gesprochene Wort –