20.05.2009

Grußwort des Zentralrats

an die Jugendmannschaft des jüdisch-arabischen Fußballvereins Hapoel Abu Gosch/Mevasseret Zion

Liebe junge Freunde,

Fußball ist mehr als Sport. Fußballspiele sind der Brennpunkt von Emotionen, wie sie kaum eine andere Sportart auszulösen vermag. Wenn der Ball über den Spielplatz rollt, hängen Millionen von Menschen am Fernsehbildschirm und projizieren ihre Siegeshoffnung auf das runde Leder. Triumphe auf dem Fußballspielplatz bestimmen das kollektive Selbstwertgefühl kleiner Dörfer wie ganzer Nationen rund um den Globus mit. Fußballbegeisterung eint Jung und Alt, Arm und Reich, Fachmann und Laien. In dem Überschwang der Gefühle kann es aber auch zu Feindseligkeit gegenüber dem Andern, zu Spannungen unter verschiedenen Bevölkerungsgruppen, im Extremfall zu Rassismus und Gewalt kommen. Wie wir leider fast wöchentlich in deutschen Stadien anschaulich vorgeführt bekommen. So gilt es, die Lichtseiten des Fußballs zu fördern und die dunklen Kräfte, die das weltweit beliebteste Spiel umgeben, zu bändigen.

Deshalb freut sich der Zentralrat der Juden in Deutschland besonders, Sie, die Spieler und Betreuer des Jungendteams von Hapoel Abu Gosch / Mevasseret Zion in Berlin begrüßen zu dürfen. In den beiden beschaulichen Orten führt Ihr Fußballverein vor, wie aus dem kulturellen, sprachlichen, religiösen und ethnischen Anderssein von zwei Bevölkerungsgruppen Gemeinsamkeiten geschmiedet werden kann, wie aus Nachbarn Freunde werden.

Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Ihren Klub in der Bundesrepublik vorzustellen. Mag sein, dass das kleine Israel der Fußballweltmacht Deutschland in Sachen Torschießen nicht allzu viel beizubringen vermag – auch wenn wir um die zunehmende Integration Israels und israelischer Spieler im europäischen Fußball durchaus wissen. Indessen geben Sie, arabische Israelis aus Abu Gosch und jüdische Israelis aus Mevasseret Zion, nicht nur im Ihrem eigenen Lande, sondern auch über dessen Grenzen Anschauungsunterricht für die segnungsreiche Wirkung, die Fußball auch in einem komplexen, ja komplizierten gesellschaftlichen Umfeld entwickeln kann.

Dafür möchten wir Ihnen danken und Sie ermutigen, ihren deutschen Gesprächspartnern auch zu erzählen, wie Probleme, die das Zusammenleben und Zusammenspielen gelegentlich mit sich bringen können, beim FC Hapoel Abu Gosch / Mevasseret Zion bewältigt werden. Die Fähigkeit zur Koexistenz zeigt sich nämlich nicht in der Abwesenheit von Schwierigkeiten, sondern im erfolgreichen Umgang mit ihnen.

Wir heißen Sie willkommen. Ahlan wa-Sahlan und Bruchim Ha-Baim.

Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland