Duisburg
Synagoge und Gemeindezentrum Springwall
Hintergrund
Das Gemeindezentrum in Duisburg, entworfen und realisiert bis 1999 vom israelischen Architekten Zvi Hecker, steht für die gern "dekonstruktivistisch" genannte Richtung der zeitgenössischen Architektur. Das Grundstück liegt am Rand der innerstädtischen Bebauung in einem Areal, dessen Umwandlung von einer Industriefläche zu einer Parklandschaft gerade vorgenommen wurde. So muss der Neubau auf der Südseite den Abschluss einer Straßenzeile bilden, auf der Nordseite kann er sich aber zur Wasserfläche des Hafenbeckens und zur Promenade präsentieren. Ein Fächer freitragender Betonrahmen öffnet sich zu dieser Seite – erinnernd an aufgeschlagene Seiten eines Buchs oder an ausgreifende Finger einer Hand. Der markante "Fächer" der Rahmen gibt den durch sie hindurch oder an sie heran geschobenen, vielfach verkanteten und aufgelösten Baukörpern des Gemeindezentrums eine gewisse ordnende Struktur. Die keilartige, schwarz verkleidete Synagoge ragt auf der Ostseite in den umgebenden Grünraum. Der Synagogenraum ist durch die im spitzen Winkel zusammenlaufenden Seitenwände nach Osten gerichtet. In der Spitze steht der Toraschrein, er ist mit Jerusalemer Kalkstein verkleidet, was eine "materielle" Verbindung zum Gelobten Land herstellt. Eine gewinkelte Empore läuft entlang der Süd- und der Westwand, verschiedene Fensterformen belichten den recht beengt wirkenden Raum. Obwohl die vielfältigen und oft eher collagiert als konsequent entwickelt erscheinenden Details des Duisburger Gemeindezentrums zunächst verwirren können, ist das Bauwerk im Ganzen beeindruckend durch die expressive und zugleich klar symbolisch deutbare Gesamtform dieser "Archiskulptur". (Dr. Ulrich Knufinke)
Historische Synagogen vor Ort