Vorwort

Prof. Dr. Salomon Korn,

Ehemaliger Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Zu Beginn der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gab es auf dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches etwa 2800 Synagogen und Betstuben. In der Nacht vom 9. November 1938 sowie in den darauf folgenden Tagen und Nächten zerstörten nationalsozialistische Trupps über 1400 Synagogen und Betstuben. Weitere jüdische Gotteshäuser wurden in den folgenden Jahren „arisiert“, zweckentfremdet oder abgerissen. Damit verschwand eine deutsche Baugattung, die seit etwa 1890 eine regelrechte Blüte erlebt hatte, nahezu vollständig aus dem Bewusstsein der Deutschen.

Die wenigen, nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR etablierten jüdischen Gemeinden haben – schon rein zahlenmäßig – keine nennenswerte neue Sakralbaudtradition begründen können: Synagogen und jüdische Gemeindezentren sind bis zur deutschen Neuvereinigung 1989 Randerscheinungen der Architekturentwicklung geblieben.

Prof. Dr. Salomon Korn

Mit dem Zuzug von Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wuchsen die jüdischen Gemeinden in Deutschland von damals 28000 Mitgliedern auf heute 107000 an. Damit war auch der Bedarf an Betstuben und Synagogen gestiegen. Seither ist nicht nur die Zahl jüdischer Gotteshäuser gewachsen – auch deren baukünstlerische Qualität hat deutlich zugenommen. So wurden die 2002 eingeweihte Synagoge Dresden sowie die 2006 eröffnete Synagoge München als herausragende Beispiele moderner Sakralbaukunst mit internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet. Bemerkenswerte Synagogen sind ebenfalls in Duisburg, Bochum, Krefeld und einigen weiteren Ortschaften zu finden; und demnächst wird ein spektakulärer Synagogenbau in Mainz stehen.

Seit einigen Jahren hat der Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion dramatisch abgenommen. Es ist daher ungewiss, ob es in absehbarer Zukunft einen nennenswerten Zuwachs an jüdischen Betstätten in Deutschland geben wird. Das Synagogendossier zeigt gegenwärtige Anzahl und geografische Verteilung jüdischer Gotteshäuser in Deutschland. Es bleibt zu hoffen, dass diese Übersicht in den kommenden Jahren weiter ergänzt werden muss und nicht bereits heute einen Stand festhält, der in Zukunft im Wesentlichen unverändert bleiben wird.

Die im Synagogendossier veröffentlichten Daten und ein Großteil der Fotos wurden uns von Herrn Dr. Ulrich Knufinke, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa, zur Verfügung gestellt. Dafür möchte ich mich im Namen des Zentralrates der Juden in Deutschland herzlich bedanken.