15.05.2008

Grußwort Dr. h.c. Petra Roth

Oberbürgermeisterin der Stadt Fankrfurt/M anlässlich des 60. Geburtstages des Staates Israel am 14. Mai 2008 in der Frankfurter Paulskirche

- Es gilt das gesprochene Wort

Bundeskanzlerin Merkel hat bei ihrem Staatsbesuch in Israel darauf hingewiesen, dass die Sicherheit Israels ein Teil deutscher Staatsräson sei. Damit hat sie ein zentrales Element deutscher Außenpolitik benannt. Zwei kluge und weitsichtige Staatsmänner, David Ben Gurion und Konrad Adenauer, erkannten, dass selbst der grauenvolle Zivilisationsbruch durch die Shoah Täter und Opfer nicht auf ewig trennt, sondern vielmehr unauflöslich aneinander bindet.

Schuld und Sühne, Demütigung und Reue, Scham und Verachtung, Vergessen und Erinnerung überdauern selbst Generationen, wie wir heute wissen.

Das „Nichtvergessen“, die Suche nach einem Ausgleich zwischen Tätern und Opfern, und damit das Schwierigste, ja unmöglich Erscheinende stand gleich am Beginn deutsch-israelischer Beziehungen.

Hier in Frankfurt konkretisieren sich die Beziehungen mit Israel seit beinahe drei Jahrzehnten in einer weitgespannten und herzlichen Freundschaft mit unserer Partnerstadt Tel Aviv, und wir freuen uns schon darauf, im kommenden Jahr gemeinsam mit unseren Freunden das 100. Stadtjubiläum zu feiern.

Was aber kann Frankfurt am Main zum Fortbestand Israels und seiner Sicherheit beitragen? Hier in Frankfurt, besonders hier in dieser Paulskirche fließen die gemeinsamen kulturellen Wurzeln und Werte deutscher, europäischer und jüdischer Geistes- und Kulturgeschichte zusammen. Menschenwürde, unteilbar für alle, demokratische Mitwirkungsrechte für Jedermann, Gleichheit vor Recht und Gesetz wurden hier formuliert. So wie Frankfurt in dieser Tradition für ein friedliches Zusammenleben seiner vielfältigen Stadtgesellschaft arbeitet, ist die Stadt diesem Ziel auch international verpflichtet. Deshalb wurde nur ein halbes Jahr nach der Partnerschaft mit Tel Aviv eine ebensolche mit der ägyptischen Hauptstadt Kairo begründet. Dahinter stand der Wunsch der Stadt Frankfurt am Main, den Völkern Israels und Ägyptens im Anschluss an den Friedensvertrag zwischen beiden Ländern, dem Camp David – Abkommen, ein Zeichen der Solidarität zu geben.

Wir freuen uns heute über diesen Geburtstag, an den vor sechzig Jahren nicht jeder wirklich glauben mochte. Und wir feiern ihn in der Hoffnung, ihn noch viele Male mit unseren Freunden gemeinsam erleben zu können.