14.05.2008

Schlußwort - Dr. Eva Schulz-Jander

Katholische Präsidentin des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Deutschland gratuliert – 60 Jahre Staat Israel

Viele eindrucksvolle Reden haben wir gehört. Was kann ich da noch hinzufügen? Ein Gedicht von Rachel .

"Ich habe dich nicht besungen, mein Land
Und ich habe deinen Namen nicht gepriesen...
Meine Hände pflanzten nur einen Baum
An den Wassern des Jordan,
Meine Füße traten nur einen Pfad
in die Oberfläche deiner Felder...
Nur ein Freudenschrei
Wenn das Licht des Tages kommt,
Nur Weinen im Geheimen
Über deine Trübsal.

Rachel (Bluwstein)1890-1931

Und vielleicht noch eine persönliche Erinnerung: 1959 fuhr ich als erste unserer Familie nach Israel, Onkel, Tanten und Cousins zu besuchen, die am Tage Bäume pflanzten und Früchte ernteten und am Abend Briefe in alle Welt schrieben über ihre Freude, endlich zu Haus zu sein. Seither hat Israel mich nicht mehr losgelassen. So ist es mir eine besondere Freude im Namen des deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit dem Staat Israel und allen seinen Bürgerinnen und Bürgern unsere herzlichen Glückwünsche zum 60. Geburtstag zu überbringen.

Dabei soll und kann es aber nicht bleiben. Es wird Viel von den besonderen Beziehungen, ja der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel gesprochen, Freundschaft, jedoch, ist mehr als nur ein Wort, sie muß gehütet und gepflegt werden.

In der Präambel des Deutschen Koordinierungsrates ist die Solidarität mit dem Staat Israel fest verankert. Was aber bedeutet denn Solidarität mit einem Freund? Welche Aufgaben für eine gemeinsame Zukunft erwachsen uns daraus? Was braucht eine Freundschaft?

1. Freundschaft braucht erzählte und erinnerte Geschichten: Unsere besondere Beziehung beruht auf einer gemeinsamen schwierigen Vergangenheit. Diese neu zu erinnern, insbesondere zusammen mit jungen Menschen, über sie zu erzählen, auch wenn die letzten Zeugen verstummt sind, das ist unsere Aufgabe. Museen und Gedenkorte reichen nicht aus, Erinnerung muss leben, die Geschichte von Generation zu Generation immer wieder neu erzählt werden.

2. Freundschaft braucht Solidarität: unsere Aufgabe ist es: gegen anti-zionistische – anti-israelische Berichterstattungen in den Medien öffentlich zu protestieren, am Arbeitsplatz oder im Freundes- und Familienkreis solchen Aussagen dezidiert zu widersprechen, einseitige Informationen zu korrigieren, selbst wenn es unbequem ist.

3. Freundschaft braucht Verlässlichkeit: unsere Aufgabe ist es: die christlichen Kirchen kritisch zu begleiten in ihrem zwiespältigen Verhältnis zum Staat Israel. Auf der einen Seite hören wir das Bekenntnis zum Staat Israel, auf der anderen die Sorge um das Wohl der palästinensischen Christen. Aus kirchlichen Kreisen vernehmen wir eine wachsende Insensibilität dem Staat Israel gegenüber, da gilt es vor Einseitigkeiten zu warnen und unsere Mahner- und Vermittlerrolle wahrzunehmen.

4. Freundschaft braucht gemeinsames Tun und gemeinsame Ziele: In diesem Jahr hat der Deutsche Koordinierungsrat Stef Wertheimer mit der Buber-Rosenzweig Medaille ausgezeichnet, weil er als Unternehmer in der israelischen Gesellschaft Verantwortung übernommen hat. In seinen Firmen eröffnet er Juden und Arabern eine berufliche Heimat und eine persönliche Zukunft in einem respektvollen Miteinander. Bei seinem Besuch in Düsseldorf im März dieses Jahres ermutigte er uns, auf unsere Politiker zuzugehen und ihnen deutlich zu machen, dass wir in Deutschland herausgefordert sind, auch in Palästina für Infrastruktur, Industrie und Ausbildung zu investieren. Das würde Israelis und Palästinensern eine friedlichere Zukunft ermöglichen.

5. Freundschaft braucht Vertrauen: Unser Vertrauen gilt dem Staat Israel und seinen Bürgern. Unser Vertrauen gilt ihrem Realismus, ihrer Kraft, Visionen und Hoffnungen in Wirklichkeit zu verwandeln und Israel zu einem Land von Sicherheit, Gerechtigkeit und Wohlergehen für alle seine Einwohner zu machen, zu einem Zeichen des Friedens für seine Nachbarn.

Wir werden unseren Teil zu dieser Freundschaft hier vor Ort beitragen. Ihr könnt uns vertrauen.

Nochmals Herzlichen Glückwunsch zu 60 Jahre Staat Israel, Masal Tov und Shalom Yisrael.

Und nun bleibt mir nur noch, Sie im Namen der drei Veranstalter, dem Zentralrat der Juden in Deutschland, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und dem Deutschen Koordinierungsrat zu einem kleinen Empfang einzuladen und Ihnen angeregte Gespräche und gute Begegnungen zu wünschen.


Deutscher Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Dr. Eva Schulz-Jander

14. Mai, 2008