14.05.2008

Begrüßung durch Dr. h.c. Johannes Gerster,

Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

Israel musste 60 Jahre alt werden, damit der Zentralrat der Juden in Deutschland, der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Deutsch-Israelische Gesellschaft erstmals gemeinsam zu einer Festveranstaltung einladen. Im Namen dieser drei Veranstalter heiße ich Sie herzlich willkommen.

Zugleich danke ich unseren Partnern und für sie stellvertretend Frau Präsidentin Knobloch und Frau Präsidentin Dr. Schulz-Jander für die freundschaftliche Zusammenarbeit gerade in den letzten Wochen.

Am 14. Mai 1948, auf den Tag genau vor 60 Jahren, rief David Ben Gurion den Staat Israel aus. „Nur wer an Wunder glaubt, ist ein Realist" war seine Maxime. Die Gründung des Staates Israel nach 2000 Jahren Leben in der Diaspora, war für das Volk der Juden ein Wunder. In 60 Jahren nahm dieses kleine Land am östlichen Mittelmeer trotz Krisen und Kriege eine phänomenale Entwicklung: Die Bevölkerung wurde von 750 000 auf 7,3 Millionen Staatsbürger verzehnfacht, aus einem bitterarmen Agrarland erwuchs ein angesehener, moderner, mit seinen Produkten weltweit gefragter High-Tech-Staat.

Ich begrüße den Botschafter des Staates Israel, Herrn Yoram Ben-Zeev in unserer Mitte. Lieber Herr Ben-Zeev, wir gratulieren Israel zu seinem 60. Geburtstag, wir wünschen Ihrem Volk Glück und Segen und endlich Frieden in Sicherheit.

Wir freuen uns über die Teilnahme zahlreicher Botschafter und ich darf stellvertretend für sie den Deutschen Botschafter in Israel, Herrn Dr. Harald Kindermann begrüßen.

Die Paulskirche gilt als die Wiege der Deutschen Demokratie. Wir haben passend zu diesem Ort und sehr bewusst den Präsidenten des Deutschen Bundestages als Festredner eingeladen. Dieser hat auch

ohne Zögern zugesagt. Ich begrüße unseren Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert und mit ihm 30 Bundestagsabgeordnete und die Vertreter der Bundesregierung. Auch freuen wir uns, dass alle politischen Parteien heute hier hochrangig vertreten sind. Bitte sehen Sie es mir nach, dass das strenge Drehbuch dieser Veranstaltung mir eine Einzelbegrüßung untersagt.

Zum Wunder der Staatsgründung Israels und zur wundersamen Entwicklung dieses aufstrebenden Landes zählt für uns Deutsche die wunderbare Entwicklung der deutsch-israelischen Beziehungen. Ein drittes Wunder!

In Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung, auf politischem, kulturellem und kommunalem Feld arbeiten beide Völker eng und vertrauensvoll zusammen. Wir sind nach den USA heute der zweitwichtigste Freund Israels, sagen bedeutende Israelis, wir sind der zweitwichtigste Handelspartner und wir pflegen über 100 kommunale Partnerschaften und damit mehr als jedes andere Land. Ich begrüße die Vertreter zahlreicher Bundesländer, der Kirchen und Religionsgemeinschaften, der Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften, der Bundeswehr sowie nicht zuletzt zahlreiche Oberbürgermeister und Landräte und stellvertretend für alle die Hausherrin, die Oberbürgermeisterin von Frankfurt, Frau Petra Roth.

Wir sind dankbar für das breite Interesse der Medien und für die Fernseh-Live-Übertragung durch Phoenix. Ich begrüße stellvertretend

für die Medien den Intendanten des ZDF, Herrn Prof. Markus Schächter.

Die Freude über den Geburtstag des Staates Israel überdeckt nicht unsere Sorgen. Israel kämpft seit 60 Jahren um seine Existenz. Auch heute noch wird sein Lebensrecht in Frage gestellt, wird Israel tagtäglich angegriffen. Nicht selten werden Ursache und Wirkung im israelisch-palästinensischen Konflikt unwissentlich oder propagandistisch – bewusst verschoben. Unbestreitbare Fehler, auch der israelischen Politik, werden ebenso einseitig wie falsch als Hauptursache dieses Konfliktes dargestellt. „Veritas facit pacem", sagt der Lateiner. „Wahrheit schafft Frieden."

Israel will in Frieden und Sicherheit leben. Der Iran, Hamas und Hisbollah wollen Israel zerstören. Diese einfache wie klare Tatsache muss an einem derartigen Tag ausgesprochen werden. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass die internationale Staatenwelt den Unversöhnlichen, den Kompromissunfähigen klar machen kann, dass Israels Sicherheit unverhandelbar ist, wie es die Bundeskanzlerin jüngst erst formulierte.

Wir wünschen Israel den Mut der Gründergeneration, jetzt und in Zukunft durch Kompromisse seinen Teil zum längst fälligen Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern beizutragen.

Wir fordern die arabische Welt auf, die Existenz Israels ohne Wenn und Aber anzuerkennen und an der friedlichen Gründung eines palästinensischen Staates neben Israel mitzuwirken.

Und wir fordern unsere deutschen Landsleute auf, sich unserer politischen Verantwortung für das Volk der Juden und ihr Lebensrecht im Staat Israel bewusst zu sein und sich schleichenden antisemitischen und antiisraelischen Tendenzen in unserer Gesellschaft zu widersetzen. Aus historischen, politischen und moralischen Gründen treten wir dafür ein, dass Israel seine Zukunft in Frieden, Freiheit und Sicherheit gestalten kann.

Glückauf Israel, Erfolg den deutsch-israelischen Beziehungen und das noch ausstehende vierte Wunder: Frieden für Israel und die Völker des Nahen Ostens!

SHALOM LE ISRAEL U LE AMIM BA MISRACH HATICHON: AMEN

- Es gilt das gesprochene Wort -