14.05.2008

Grußwort von S.E. Botschafter Yoram Ben-Zeev

zum Festakt „60 Jahre Staat Israel“ 14. Mai 2008, 17.30 Uhr in der Paulskirche in Frankfurt am Main

-Es gilt das gesprochene Wort -

Verehrte Gäste,

morgen werden es fünf Monate, dass ich Botschafter in Deutschland bin. Ich erinnere mich noch sehr gut an mein erstes Treffen mit dem Bundestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert. Er sprach über die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern und Kulturen. Und ich bemerke immer wieder, wie Recht er hat.

Liebe Gäste,

wir sind hier in einer Kirche, und die heiligen Ortesind der Platz Gottes. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass die Religion Liebe und Leben predigen kann wie auch Hass und Tod. Der Heilige Geist kann beides. Wir müssen Acht geben, dass von den heiligen Orten nur Frieden und Leben ausgehen.

Wir feiern 60 Jahre Israel, das ist in der Geschichte nur ein kurzer Abschnitt. Doch wir sehen diese Jahre als ein Kontinuum der Geschichte der Menschheit, denn der israelische Staat ist eine Mischung aus zwei Kapiteln: aus der Geschichte unserer Vorfahren und aus der Moderne.

Die Vergangenheit ist unser ständiger Begleiter. Die Geschichte der guten und schweren Zeiten ist Teil unseres Lebens, unserer Gegenwart und Zukunft. Für die deutsch-israelischen Beziehungen ist die Vergangenheit sehr wichtig. Unsere beiden Völker wissen um ihre Bedeutung, um die Tage, als Deutschland die Juden vertrieb und dann ermordete. Doch Schuld und Zorn sind keine guten Instrumente, um unsere Beziehungen zu gestalten, schon gar nicht für die junge Generation beider Völker.

Liebe Gäste,

als ich die Bundeskanzlerin in Jerusalem in der Knesseth hörte, habe ich viele Parallelen in der Politik unserer beiden Staaten gesehen: Ihre Worte zu Freiheit, Demokratie, dem gemeinsamen Kampf gegen den Terror und Radikalismus, ihre Haltung zum iranischen Präsidenten.

Das iranische Volk hat eine sehr reiche Kultur und Geschichte und stand immer im Zentrum. Im Iran wurden die toleranten Menschen entführt durch radikale Führer, die immer wieder damit drohen, Israel von der Landkarte zu tilgen. Doch das werden wir nicht zulassen.

Wir bedauern diese Entwicklung sehr. Ich wünsche dem Iran, dass er eines Tages frei sein wird von diesem Hass.

Bei den Worten der Kanzlerin habe ich gesehen, wie nah unsere Politik und Ideologie sind. Wir nehmen die Dinge durch die gleiche Brille wahr. Sie in Deutschland und wir in Israel achten die Menschenwürde. Wir haben gemeinsame Ziele wie Sicherheit, Frieden, Bildung, Kultur und die Wissenschaft.

Daher möchte ich dem deutschen Volk sagen: Wir vergessen die Vergangenheit nicht, das jüdische Gedächtnis vergisst nicht. Das ist unser Erbe der Geschichte. Doch wir wissen auch, wer unsere Freunde sind. Und Deutschland ist ein sehr wichtiger Partner.

Liebe Gäste,

ich möchte heute nicht über Kriege sprechen. Ich hoffe sehr, dass wir Frieden für uns, unsere palästinensischen Nachbarn und die anderen arabischen Staaten erzielen. Ich bin sicher: eines Tages wird Frieden sein. Ich möchte von hieraus zu unseren palästinensischen Nachbarn sagen: Wir strecken unsere Hand zum Frieden aus. Wir sind nicht euer Feind. Euer Feind sind Hunger, Armut, Radikalismus und Fanatismus. Lasst uns also zusammen arbeiten und die Probleme lösen. Unsere Kinder und eure Kinder brauchen Frieden und Bildung und eine gute Wirtschaft. Krieg und Blut können sie nicht brauchen.

Wenn ich hier stehe, denke ich an die ersten Tage des Staates Israel. Damals waren nur 600.000 Juden im Land, die eine schwere Vergangenheit hinter sich hatten und eine schwere Zukunft vor sich. Doch jetzt leben sieben Millionen in einem modernen Staat.

Wir haben unsere Leistungen erzielt durch schwere Arbeit, mit Schweiß und viel Blut. Auch heute ist die Situation schwierig. Doch nach den Worten der Bundeskanzlerin in der Knesseth und nach meinen fünf Monaten als Botschafter weiß ich: Wir sind nicht allein. Deutschland und Sie sind an unserer Seite und dafür möchte ich Ihnen und jedem deutschen Bürger danken.