11.07.2007

Begrüßung Rektor Prof. Dr. Alfred Bodenheimer

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie, Frau Bundeskanzlerin, unsere Hochschule für Jüdische Studien beehren. Vor 16 Jahren, im März 1991, eröffneten Sie, damals in ihrer Funktion als Bundesministerin für Frauen und Jugend, die von einem meiner Vorgänger, Prof. Julius Carlebach organisierte Konferenz „Zur Geschichte der jüdischen Frau in Deutschland“. Ihre Eröffnungsansprache begannen Sie damals mit dem Satz: „Die Geschichte des Judentums in Deutschland und ihre Beschreibung ist zugleich auch Teil der deutschen Geschichte.“ Die Geschichtsschreibung der vergangenen gut anderthalb Jahrzehnte hat diesen Ansatz bestätigt und die enge Interaktion jüdischer und deutscher Geschichte über die Jahrhunderte erwiesen. Zugleich aber ist in derselben Zeit die Einwanderung von über 200.000 Jüdinnen und Juden aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion vonstatten gegangen, von denen etwa 70.000 in die jüdischen Gemeinden eingetreten sind, zum Teil auch neue Gemeinden gegründet haben. Damit ist, um das Zitat Ihrer damaligen Eröffnung fortzuführen, die Geschichte des Judentums in Deutschland sechs Jahrzehnte nach seiner Vernichtung wieder in ganz neuer Dynamik Teil der gegenwärtig sich vollziehenden deutschen Geschichte geworden.

Heute, da Sie uns das zweite Mal beehren, da die Hochschule für Jüdische Studien das erste Mal in ihrer knapp dreißigjährigen Geschichte vom Besuch des Regierungsoberhauptes beehrt wird, steht die Hochschule vor der Aufgabe, den neuen Herausforderungen zu genügen: Zum einen die jüdische Gemeinschaft Deutschlands mit gut ausgebildetem Personal für religiöse Führung, Lehre und Jugendarbeit zu versorgen, zum anderen wissenschaftlich und gesellschaftlich in das Land hinauszuwirken. Wir sind heute unterwegs, uns als europäisches Kompetenzzentrum für Jüdische Studien zu etablieren. Mit acht festen Professuren, einer Anzahl an neuen Studiengängen, nationalen und internationalen Kooperationen und nicht zuletzt mit der sich abzeichnenden zukünftigen Unterbringung unter einem Dach in unserer vor dem Ausbau stehenden Altneuschule in der Landfriedstrasse sind wir wie keine andere Institution dazu imstande.

Sie werden, verehrte Frau Bundeskanzlerin, heute hier zu folgendem Thema sprechen: „Toleranz. Die Basis des Miteinanders der Religionen und Kulturen“. Danach werden Sie mit Studierenden unserer Hochschule zu diesem Thema ein Podiumsgespräch führen. Ich denke, das Miteinander der Religionen und Kulturen in Deutschland und Europa ist bei uns, wo jüdische und nichtjüdische Dozierende und Studierende in einer christlich geprägten Umgebung gemeinsam jüdische Studien betreiben, mit dem Ziel, in die pluralistische Gesellschaft auszustrahlen, eine gelebte Realität, auf die das von Ihnen gewählte Thema hervorragend zutrifft. Ich freue mich auf Ihre Ausführungen und darf Ihnen das Wort geben.