Tucholskystraße 9

Leo-Baeck-Haus – Hauptsitz des Zentralrats der Juden in Deutschland an der Tucholskystraße 9

Leo Baeck Haus
Leo Baeck Haus

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat seinen Amtssitz seit April 1999 im Leo-Baeck-Haus an der Tucholskystraße 9, wo zwischen 1907 und 1942 die „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ residierte.

Das repräsentative und nach Leo Baeck benannte Gebäude in der Tucholskystraße wurde von dem Architekten Johann Hönniger (1850-1913) entworfen.

Der berühmte Berliner Rabbiner Leo Baeck, der am 17. September 1933 zum Präsidenten der Reichsvertretung der Deutschen Juden – der Vorgänger Institution des Zentralrats – gewählt worden war, lehrte hier von 1912 bis zu seiner Deportation 1943 nach Theresienstadt. Im Juli 1942 hatte die „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ gerade noch 12 Studenten, die von Rabbiner Baeck unterrichtet wurden. Baeck überlebte den Naziterror, ging nach dem Krieg nach London, wo er 1955 die bedeutende historische Forschungseinrichtung zur Geschichte der Deutschen Juden, das Leo-Baeck-Institute, gründete und am 2. November 1956 starb.

Rabbiner Leo Baeck
Rabbiner Leo Baeck

Die Berliner Hochschule war bereits 1872 von Moritz Lazarus, Moritz Meyer und Dr. Salomon Neumann gegründet worden. Sie wurde durch den preußischen Staat zunächst geringschätzig als „Lehranstalt“ bezeichnet. Während der Zeit des jüdischen Liberalismus in Deutschland misstrauten auch die orthodoxen Juden der Hochschule, die sie für ein geistiges Zentrum dieser Bewegung hielten. Solche Bedenken haben dem Ansehen der Hochschule jedoch nicht geschadet. Zu den Wissenschaftlern der ersten Stunde gehörte der namhafte Rabbiner und Judaist Abraham Geiger (1810-1874). Um seine Vorlesungen zu besuchen, reisten Studenten damals sogar aus den USA nach Berlin. Zum Fächerangebot der Hochschule gehörten Hebräisch, Geschichte des Judentums, Literatur und Allgemeine Geschichte. In den Jahren unmittelbar nach 1933 bot die Jüdische Hochschule vielen jüdischen Wissenschaftlern und Gelehrten Unterschlupf und geistigen Halt. Zu ihnen gehörte auch Martin Buber, der, wie viele andere, nach der Pogromnacht 1938 aus Deutschland geflohen ist. Für die wenigen Studenten, die schließlich übrig geblieben waren, wurde die Hochschule während der Zeit des Naziterrors zu einer Insel des Wissens, wo sie sich in die Mysterien des Talmuds und der Bibel vertiefen konnten.

1942 wurde die Hochschule von den Nationalsozialisten aufgelöst. Nach dem Krieg wurde das in Ost-Berlin im Bezirk Mitte gelegene Gebäude als Wohnhaus genutzt, bis es schließlich nach der Wende seiner jetzigen Nutzung übertragen wurde.