Es sind nur Säugetiere zum Verzehr geeignet, die Wiederkäuer
sind, gespaltene Hufe haben, also Rinder, Schafe, Ziegen; auch Rehe und
Hirsche, sofern man sie schlachtet, nicht aber wenn sie geschossen
werden. Das in der Fleischerei gekaufte Fleischstück muß in der
häuslichen Küche durch Wässern und Salzen auch vom letzten Rest Blut
befreit werden. Erst dann ist das Fleisch koscher, d.h. zum Verzehr
geeignet.
Vögel – abgesehen von Raubvögeln – dürfen ebenfalls
gegessen werden. Fische müssen Schuppen und Flossen aufweisen,
andernfalls sind sie nicht koscher – „trejfe“ – und daher rituell
verboten. Andere Tiere, die im Wasser leben, wie z.B. Krebse, Krabben
und Muscheln, gelten als nicht eßbar.
Gestützt auf die biblische Vorschrift, man dürfe nicht das Böcklein in der Milch seiner Mutter kochen, besteht ein striktes Verbot, Milch und auch Milchprodukte gleichzeitig mit Fleischgerichten zu essen. Es gibt also fleischige Speisen und milchige. Wenn man Fleischspeisen gegessen hat, muß man einige Stunden warten, ehe man milchige Gerichte zu sich nehmen darf. Bei milchigen Speisen, die leichter und schneller verdaulich sind, ist die Wartezeit kürzer; eine halbe Stunde genügt.
Es
gibt natürlich Nahrungsmittel, die weder fleischig noch milchig sind,
z.B. Fische, Eier, Gemüse, Früchte. Derartige Lebensmittel werden als
„parwe“ bezeichnet, d.h. sie sind neutral und können darum mit
Fleischigem oder Milchigem gleichzeitig genossen werden. Die Etymologie
des Wortes „parwe“ ist bisher nicht eindeutig geklärt.
Die
Vorschrift der absoluten Trennung von Fleischigem und Milchigem
erstreckt sich nun auch auf alle Küchengeräte, wie z.B. Töpfe, Teller,
Bestecke usw. Sie müssen getrennt gehalten werden. Erforderlich sind
also verschiedene Geschirrschränke und gesondertes Abwaschen. Im Grunde
benötigt ein jüdisch ritueller Haushalt alle Utensilien vierfach;
milchige und fleischige und außerdem das gleiche noch einmal für das
Pessachfest, denn anläßlich dieses Feiertages muß alles Gesäuerte aus
dem Haus entfernt sein. Infolgedessen darf das Geschirr, das sonst
verwendet wird, nicht in der Küche bleiben, sondern muß separiert
werden.
Aus: Heinrich Simon: Leben im Judentum
Verlag Hentrich & Hentrich und Centrum Judaicum Berlin, 2003
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