Jede jüdische Gemeinde hat nicht nur eine Synagoge, sondern auch ein Bad. Auch bei antiken Synagogen hat man bei Ausgrabungen Badeeinrichtungen gefunden.
Religiöse Kultbäder
sind schon in der Bibel vorgeschrieben. Sie dienen dazu, den Zustand
der religiösen Reinheit, der durch eine Verunreinigung beeinträchtigt
war, wiederherzustellen. Um die Körperpflege geht es eigentlich nur im
vermittelten Sinne, indem diesem kultischen Bad eine überaus gründliche
und genaue Säuberung vorangegangen sein muß. Das rituelle Tauchbad
(Mikwe oder Mikwa) dient vornehmlich den Frauen, die es vor der
Hochzeit und im Anschluß an eine Menstruationsperiode benutzen müssen,
und zwar am siebenten Tag nach der Beendigung der Periode; erst dann
ist sexueller Verkehr wieder statthaft. Auch nach der Geburt eines
Kindes muß die Mutter in die Mikwe gehen.
Die Mikwe benutzt man
auch bei Übertritten zum Judentum. Eine Mikwe muß entweder aus
fließendem Wasser (Quellwasser, Flußwasser) oder aus gesammeltem
Regenwasser bestehen. Die erforderliche Wassermenge beträgt mindestens
500 Liter. In dem Bad muß man vollständig bis über den Kopf
untertauchen.
Auch neues Geschirr und neue Küchengeräte müssen vor ihrer Benutzung in der Mikwe gespült werden, um kultisch rein zu sein. Diese Prozedur wird „tauweln“ (eintauchen) genannt.
Aus: Heinrich Simon: Leben im Judentum
Verlag Hentrich & Hentrich und Centrum Judaicum Berlin, 2003
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