16.08.2005

Das Ritualbad

Jede jüdische Gemeinde hat nicht nur eine Synagoge, sondern auch ein Bad. Auch bei antiken Synagogen hat man bei Ausgrabungen Badeeinrichtungen gefunden.

Religiöse Kultbäder sind schon in der Bibel vorgeschrieben. Sie dienen dazu, den Zustand der religiösen Reinheit, der durch eine Verunreinigung beeinträchtigt war, wiederherzustellen. Um die Körperpflege geht es eigentlich nur im vermittelten Sinne, indem diesem kultischen Bad eine überaus gründliche und genaue Säuberung vorangegangen sein muß. Das rituelle Tauchbad (Mikwe oder Mikwa) dient vornehmlich den Frauen, die es vor der Hochzeit und im Anschluß an eine Menstruationsperiode benutzen müssen, und zwar am siebenten Tag nach der Beendigung der Periode; erst dann ist sexueller Verkehr wieder statthaft. Auch nach der Geburt eines Kindes muß die Mutter in die Mikwe gehen.
Die Mikwe benutzt man auch bei Übertritten zum Judentum. Eine Mikwe muß entweder aus fließendem Wasser (Quellwasser, Flußwasser) oder aus gesammeltem Regenwasser bestehen. Die erforderliche Wassermenge beträgt mindestens 500 Liter. In dem Bad muß man vollständig bis über den Kopf untertauchen.

Auch neues Geschirr und neue Küchengeräte müssen vor ihrer Benutzung in der Mikwe gespült werden, um kultisch rein zu sein. Diese Prozedur wird „tauweln“ (eintauchen) genannt.

Aus: Heinrich Simon: Leben im Judentum
Verlag Hentrich & Hentrich und Centrum Judaicum Berlin, 2003