Präsidenten

Die Vorsitzenden beziehungsweise Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland

Heinz Galinski sel. A.

Erste Amtszeit: 1954 – 1963
Heinz Galinski wurde am 28. November 1912 in Marienburg (Westpreußen) geboren. Der gelernte Textilkaufmann wurde 1943 nach Auschwitz deportiert, nach Buchenwald verschleppt und schließlich am 20. April 1945 aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. Galinski wurde im April 1949 zum ersten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt. Der Ehrenbürger der Stadt Berlin (1987) starb am 19. Juli 1992.

Herbert Lewin sel. A.

Amtszeit: 1963 – 1969
Herbert Lewin wurde am 1. April 1899 in Schwarzenau geboren. Nach seinem Medizinstudium arbeitete er in der jüdischen Poliklinik in Berlin, ab 1937 bis zu seiner Deportation als Chefarzt im jüdischen Krankenhaus in Köln. Nach seiner Befreiung nahm er seine Arzttätigkeit wieder auf. Lewin starb am 21. November 1982 in Wiesbaden.

Werner Nachmann sel. A.

Amtszeit: 1969 – 1988
Werner Nachmann wurde am 12. August 1925 in Karlsruhe geboren. Nach seiner Emigration im Jahre 1938 kehrte er 1945 in seine Heimatstadt zurück. Nach seinem Tod am 21. Januar 1988 in Karlsruhe wurde der Verdacht erhoben, Nachmann habe während seiner Amtszeit als Vorsitzender des Zentralrats in den Jahren 1981 bis 1987 über 30 Millionen Mark veruntreut. Der Verbleib der hauptsächlich aus Zinserträgen von Wiedergutmachungszahlungen bestehenden Gelder ist bis heute weitgehend ungeklärt geblieben.

Heinz Galinski sel. A.

Zweite Amtszeit: 1988 bis 1992 (Biographie siehe oben)

Ignatz Bubis sel. A.

Amtszeit: 1992 bis 1999
Ignatz Bubis wurde am 12. Januar 1927 in Breslau geboren. Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager lebte er in Frankfurt, wo er seit 1983 den Vorsitz der jüdischen Gemeinde innehatte. Von Bubis stammt der legendär gewordene Satz: "Ich bin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". Ignatz Bubis starb am 13. August 1999 in Frankfurt.

Dr. h.c. Paul Spiegel sel. A.

Amtszeit: 2000 bis 2006
Paul Spiegel wurde am 31. Dezember 1937 in Warendorf/Westfalen geboren. Den Naziterror überlebte er versteckt in Belgien. Nach Kriegsende kehrte er nach Warendorf zurück. Spiegel volontierte bei der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, heute Jüdische Allgemeine, deren Geschäftsführer er später wurde. Paul Spiegel starb am 30. April 2006 in Düsseldorf.

Dr. h.c. Charlotte Knobloch

Amtszeit: 2006 bis 2010
Am 29. Oktober 1932 wurde Charlotte Knobloch in München geboren. Die Nazizeit überlebte sie bei einer katholischen Familie in Franken, die sie als ihr uneheliches Kind ausgab. Nach dem Krieg kehrte sie in ihre Geburtsstadt zurück, heiratete 1951 Samuel Knobloch und wurde Mutter von drei Kindern. Seit 1985 ist Charlotte Knobloch Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. 2005 wurde sie Ehrenbürgerin von München. Von 1997 bis 2006 war Charlotte Knobloch Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Dr. Dieter Graumann

Amtszeit: 2010 - 2014
1950 ist Dieter Graumann als David Graumann in Ramat Gan (Israel) geboren. Die Eltern hatten die Nazi-Verfolgung überlebt und waren nach Israel ausgereist. Doch bereits nach 18 Monaten kehrten sie mit ihrem Sohn nach Deutschland zurück. Nach seiner Schulzeit in Frankfurt und der Schweiz absolvierte Dieter Graumann ein VWL-Studium in London und Frankfurt/M, das er mit der Promotion abschloss. 2006 wurde Graumann zum Vize-Präsidenten, 2010 zum Präsidenten des Zentralrats gewählt.

Dr. Josef Schuster

Dr. Josef Schuster wurde am 30. November 2014 zum Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt. Zugleich ist er Vizepräsident des World Jewish Congress und des European Jewish Congress. Seit 1998 ist Dr. Schuster Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken. 1999 trat er in das Präsidiums des Zentralrats der Juden ein und war von 2010 bis 2014 Vizepräsident des Zentralrats. Außerdem steht Dr. Schuster seit 2002 als Präsident dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern vor. Dr. Schuster wurde am 20.03.1954 in Haifa/Israel geboren. 1956 kehrten seine Eltern mit ihm in die väterliche Heimat Unterfranken zurück. Sein Vater David Schuster war viele Jahre Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken. Josef Schuster studierte in Würzburg Medizin und ließ sich 1988 als Internist mit einer eigenen Praxis in Würzburg nieder. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.