Obwohl Historiker davon ausgehen, dass Juden seit dem
dritten Jahrhundert in dem heute als Deutschland bezeichneten Gebiet lebten,
gab es bis ins 19. Jahrhundert nie einen überregionalen Zusammenschluss. Erst
am 29. Juli 1869 konstituierte sich in Leipzig eine überregionale jüdische
Organisation: der Deutsch-Israelitische
Gemeindebund. Die Gründungsversammlung bezeichnet den Kampf für die
rechtliche Gleichstellung der Juden als Hauptaufgabe der Vereinigung. Daneben
bestand seit 1893 der in Berlin gegründete Central-Verein
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV). Im Jahre 1927 zählte
der CV etwa 70.000 Einzelmitglieder,
die in 21 Landesverbänden zusammengeschlossen waren. 1904 formierte sich der Verband der deutschen Juden.
Bis 1933 gab es
jedoch niemals eine einheitliche jüdische Organisation. Kurz nach der
Machtübernahme der Nationalsozialisten bildete sich der Zentralausschuss der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau. Daraus
ging am 17. September 1933 die Reichsvertretung
der deutschen Juden hervor. Zum ersten Präsidenten des Zentralausschusses
der Juden wurde Rabbiner Leo Baeck gewählt. Im Rahmen der Nürnberger
Rassegesetze musste der Name der Reichsvertretung auf Anordnung der
Naziregierung im Juli 1939 in Reichsvereinigung
der Juden in Deutschland abgeändert werden. Die Reichsvereinigung stand
unter direkter Kontrolle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Am 10. Juli 1943
wurde die Geschäftsstelle in Berlin geschlossen, die Reichsvereinigung
aufgelöst, das Vermögen beschlagnahmt und die verbliebenen Mitarbeiter
deportiert.
Vor der Schoa lebten in Deutschland zwischen 500.000 und
600.000 Juden. Bei einer Volkszählung am 16. Juni 1933 wurden – mit Blick auf die Ausgrenzung und Vernichtung jüdischen Lebens – genau 502.799
Personen als "Juden" gelistet. Sechs Jahre später hatte sich die Zahl
aufgrund von Emigration und Vertreibung auf 215.000 mehr als halbiert. 1941,
zu Beginn der Deportation in die Vernichtungslager, hatte sich die Zahl der
"deutschen Juden" noch einmal auf 163.696 verringert, eine danach
vorgenommene Erhebung am 1. April des Jahres 1943 führt nur noch 31.897
Jüdinnen und Juden auf. Von den rund 15.000 noch in Deutschland lebenden Juden
zu Kriegsende dürfte etwa ein Drittel die nationalsozialistische Verfolgung in
der Illegalität überlebt haben.