25.05.2006

Podiumsdiskussion über Antisemitismus und Islamophobie

„Türken und Juden in Deutschland sind die Seismographen der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland", sagte der Botschafter des Staates Israel, Shimon Stein, als Schirmherr in seinem Grußwort zu der Podiumsdiskussion über „Antisemitismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit" am 23. Mai 2006 in Berlin, die vom Zentralrat der Juden in Deutschland gemeinsam mit der Türkisch-Islamischen Anstalt für Religion e.V. (DITIB) veranstaltet wurde. Mit dieser Veranstaltung stellten sich beide Interessensvertretungen erstmalig gemeinsam den erstarkenden Tendenzen von Antisemitismus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit in der Mehrheitsgesellschaft. Der zweite Schirmherr, Mehmet Ali Irtemcelik, Botschafter der Republik Türkei, würdigte in seiner Eröffnungsansprache zunächst den verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Dr. h.c. Paul Spiegel sel. A., mit einer Schweigeminute. Anschließend versprach er, das „Netz von Gerechtigkeit, Brüderlichkeit, Frieden und Eintracht mit allen Religionen" weiter zu knüpfen und den Dialog mit allen Religionen zu intensivieren. Albert Meyer, der als Präsidiumsmitglied den Zentralrat der Juden in Deutschland vertrat, forderte die Politik auf, Lippenbekenntnisse zu unterlassen und endlich aktiv im Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu werden. In der anschließenden Podiumsdiskussion, an der unter der Leitung von Moderator Mehmet Gürcan Daimagüler die Wissenschaftler Prof. Dr. Faruk Şen (Direktor der Stiftung Zentrum für Türkeistudien in Essen), Dr. Martin Kloke (Verlagsredakteur und Publizist) und Dr. Andreas Zick, (Kooperationspartner in der Langzeitstudien „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" am Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in Bielefeld) teilnahmen, wurde deutlich, dass fremdenfeindliche Einstellungen nicht nur ein Problem der Mehrheitsgesellschaft seien, sondern auch in den eigenen Reihe eine kritische Hinterfragung nötig ist.