21.04.2006

„Bündnis für Erziehung“ – Forderung: Unverzügliche Einbindung oder Rücknahme

„Ohne eine unverzügliche Erweiterung auf alle sachverständigen Verbände und Berufsgruppen sowie die anerkannten Religionsgemeinschaften wirkt die Initiative zum „Bündnis für Erziehung" kontraproduktiv und sollte zurückgezogen werden", so der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer zur Initiative von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen.

„Das „Bündnis für Erziehung" ist grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn diese Erziehung allerdings nur – vermeintlich - christliche Werte vermitteln soll, dann ist dieser Schnellschuss gleichzeitig ein Rückschritt in das Mittelalter", so Kramer skeptisch. „Weder sind wir Juden „eifersüchtig", wie Bundestagsvizepräsident Thierse meint, noch sind die 10-Gebote christlich, wie Frau von der Leyen meint– wenn schon dann jüdisch," so Kramer weiter.

„Enttäuschend ist, dass weder die Politik, noch die Kirchenvertreter in Person von Bischöfin Käßmann und Kardinal Sterzinsky beim Start der Initiative an das sonst so gerne in öffentlichen Erklärungen bemühte jüdisch-christliche Wertefundament des Abendlandes gedacht haben", so Kramer.

„Der Ansatz verkennt aber auch die Bedürfnisse einer modernen, pluralen Gesellschaft, wo religiöse Werte auch, aber nicht nur eine Rolle spielen. Mit dieser leichtfertigen Polarisierung wird das zarte Pflänzchen des dringend benötigten, gesamtgesellschaftlichen Wertekonsens, über Religions- und Kulturgrenzen hinaus, platt gewalzt bevor es auch nur sprießen konnte", so Kramer. Beispielhaft sind hierfür eine Vielzahl von jüdischen Gemeinden, die Kindergärten und Schulen unterhalten, in denen auch christliche Kinder nach universellen Werten erfolgreich unterrichtet werden.

„Auch das Argument, eine Einbeziehung anderer Verbände hätte den Start der Initiative verzögert ist fadenscheinig, denn die große Anzahl von Bildungsträgern, wie Wohlfahrtsverbänden, Familienverbänden sowie Erziehern und Lehrern sind seit Jahrzehnten in der Bildung engagiert und tragen diese als stabiles Fundament. Hier braucht man keine Besserwisserei und staatlich-religiöse Lenkung sondern Vernetzung und Förderung, auch finanzielle, für ein Familien- und bildungsfreundliches Klima, ohne dabei diejenigen auszugrenzen, die sich individuell zunächst gegen eine eigene Familie entschieden haben", sagt Kramer.

„Wir brauchen einen Wettbewerb um die besten Bildungskonzepte unter Einbeziehung aller praktischen Erfahrungen und keine Zementierung konservativer Erziehungsmodelle. Hierbei hat der Staat seine religiöse Neutralität unbedingt zu wahren, andernfalls steht uns ein Kampf der Kulturen und auch der Religionen bevor", so Kramer abschließend.

Berlin, den 21.04.2006