22.03.2006

Besorgnis über drohendes Todesurteil in Afghanistan

Die drohende Todesstrafe für den zum Christentum konvertierten Afghanen Abdul Rahman sorgt auch beim Zentralrat der Juden in Deutschland für Empörung und Unverständnis. „Die Kritik an dem drohenden Todesurteil für Abdul Rahman habe nichts mit einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes oder gar westlicher Arroganz zu tun“, so Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland.

„Die religiöse Autonomie in einem Land hat dort ihre Grenzen, wo Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden. Die Religionsfreiheit ist zudem sowohl in der afghanischen Verfassung als auch in der internationalen Menschenrechtskonvention garantiert. „Wenn jetzt einem Menschen in Afghanistan der Tod nach den Gesetzen der Scharia drohe, weil er einen anderen Glauben angenommen hat, dann ist das schockierend und keinesfalls hinnehmbar.“

„Angesichts dieses Falles müsse man sich fragen, ob die Regierung in Kabul vor den religiösen Fundamentalisten im eigenen Land kapituliert“, so Stephan J. Kramer besorgt. Politik und Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere der Religionen, sind jetzt gefordert, alles zu tun, damit die Regierung in Kabul dieser rückwärtsgewandten Entwicklung in Afghanistan Einhalt gebietet und das drohende Todesurteil für Abdul Rahman verhindert.“

Berlin, den 22. März 2006