4. Jahrgang Nr. 3 / 19. März 2004 - 26. Adar 5764

Kampagne gegen Libeskind-Bauten

Rechte starten fragwürdige Kampagne für Kommunalwahl

Von Sharona Legner-Zuriel

Der amerikanische Architekt Daniel Libeskind mit seiner international hoch gelobten Bauchkunst vereint glühende Verehrer und gnadenlose Kritiker. Zur zweiten Gruppe zählt der Journalist Henryk M. Broder, der den Architekten des Jüdischen Museums in Berlin schlicht einen „Scharlatan“ nennt. Kritik an dem Erfolgs-Menschen Libeskind muss erlaubt sein. Anders allerdings stellt es sich dar, wenn die Kritik antisemitische Töne hat: Aus der äußersten rechten Ecke des politischen Spektrums der sächsische Landeshauptstadt sind zurzeit Hetz-Parolen über zwei Libeskind-Entwürfe zu hören. In Dresden bekamen die Entwürfe des Architekten für das Militärhistorische Museum und ein gewerbliches Gebäude den Zuschlag.

Dass der „jüdische Philosoph unter den Architekten“ ausgerechnet am Bau des Militärmuseums beteiligt ist, ist dem „Nationalen Bündnis Dresden (NBD) - ein Zusammenschluss von Mitgliedern der NPD, DVU, der Deutschen Partei und den Republikanern - ein Dorn im Auge. Demzufolge macht das rechte Bündnis jetzt seine Kritik und sein Unverständnis über diese Entscheidung zum Wahlkampf-Thema für die Kommunalwahlen am 13. Juni. Dass es weniger um Architektur, als um plumpen Antisemitismus geht, belegt ein entsprechender Flyer. Zitat: „ ...das unverwechselbare Stadtgesicht von Elbflorenz soll den verrückten Ideen von Pop-Avantgardisten.....zum Opfer fallen,..... deren Sympathie den kalten, geschichtslosen und gesichtslosen Kapitalistenmetropolen in den USA gilt.“

Dr. Berthold Näser vom Militärhistorischen Museum ist davon überzeugt, dass sich die extremen Rechten mit der militärischen Geschichte dieses Landes ohnehin schwer tun. Dies habe sich auch bei der Kontroverse um die Wehrmachts-Ausstellung gezeigt. Die Entscheidung der Bundeswehr sei jedenfalls eindeutig für den gemeinsamen Entwurf Libeskind/Prof. Hans-Günter Merz ausgefallen. Letzterer ist für die Innengestaltung zuständig, Daniel Libeskind für die Fassade. 35 Millionen Euro wird der Umbau die Bundeswehr kosten. Mit den notwendigen Abrissarbeiten am Militärmuseum soll im Spätsommer begonnen werden. Sie sind Voraussetzung für den Libeskind-Anbau. Der moderne Entwurf sieht einen gezackten Pfeil mitten durch das Gebäude vor, dessen Spitze auf die Dresdner Altstadt und die Frauenkirche zeigt. Für das NBD ein Zeichen dafür, dass der Architekt „einen Keil durch die deutsche Nation treiben will“.

Als Ausdruck der allgemeinen Stimmung unter Dresdner Bürgern will Dr. Näser die Parolen des NBD aber keinesfalls verstanden wissen und räumt ein: „Dresdner tun sich immer schwer, wenn etwas neues kommen soll.“ Gerade auch die neue Dresdner Synagoge werde inzwischen gut angenommen.

Über den anderen Libeskind-Entwurf für die „Kinderwelten“, die am Goldenen Reiter an der Hauptstraße entstehen sollen, haben die Rechten allerdings noch kein Wort verloren. „Das hat uns auch gewundert“, so Bernd Felgenkraft, Pressesprecher des Investors Woba-Dresden. Auf 6000 Quadratmetern soll hier für elf Millionen Euro eine Anlage entstehen, die ausschließlich den Kindern gewidmet ist. Auch hier plant der Architekt einen Bau aus schrägen Linien, viel Glas und Stahl. Voraussichtlicher Baustart: Ende 2004.

Die Chance des extrem rechten Wählerbündnisses mit der Anti-Libeskind-Kampagne den Sprung ins Stadtparlament von Dresden zu schaffen, ist allerdings mehr als gering. Bei den Kommunalwahlen vor fünf Jahren blieb die NPD unter einem Prozent.