6. Jahrgang Nr. 1 / 27. Januar 2006 - 27. Tewet 5766

Mazel Tov!

Hochzeit der besonderen Art: Berlinerin und Zuwanderer geben sich das Ja-Wort

„Gelebte Integration“ unter diesem Motto scheint die Hochzeit, die am 15. Januar in der Berliner Synagoge an der Joachimstaler Straße stattfand, gestanden zu haben: Das Ja-Wort gaben sich die Braut, Judith Kirschke, die aus einer Berliner jüdischen Familie stammt, und Martin Kleis, der in Aserbaidschan geboren wurde und über Israel nach Berlin gekommen ist. Auf jeden Fall haben wir hier ein positives Beispiel für das Zusammenwachsen von osteuropäischem und westeuropäischen Judentum in Deutschland, das Erinnerungen an das Berlin der 20-iger Jahre wachrüttelt. Der junge Kleis ist Student im jüdischen Lehrhaus in Prenzlauerberg, die junge Frau ist (oder vielmehr war) bisher nicht religiös. In seiner Ansprache verrät Rabbiner Ehrenberg, was ihm die Braut vor der Hochzeit gestanden hat: „Judith hat durch ihre Hochzeit nicht nur einen Ehemann, sondern auch ihren Weg zu Gott gefunden“. Der Gemeinderabbiner freut sich sehr über diese eher ungewöhnliche Vermählung, die für ihn und für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland eine starke symbolische Bedeutung hat. So verwunderte es niemanden, als er in diesem Zusammenhang eine kleine Anekdote erzählt: „Während eines Besuches in Rom besuchten meine europäischen Kollegen und ich unlängst den römischen Siegesbogen. Dort stach uns das Relief der Menora ins Auge, das den Sieg des römischen Kaisers Titus über das Judentum darstellt. Nun frage ich also ganz polemisch, lieber Titus, wo bist Du und wo sind Deine Soldaten? Denn wir, die angeblich für immer verjagten Juden, sind immer noch da! Und dies Chuppa, mitten in der Diaspora, ist ein Beweis dafür, dass schon wieder ein neues jüdisches Haus entsteht!“

Die Chuppa, der Hochzeit-Baldachin, symbolisiert Schutz und Segen für die junge, jüdische Familie. Ganz der Tradition entsprechend wartet Martin, von seinen Eltern unter die Chuppa geführt, auf seine Braut, die verschleiert und ebenfalls von ihren Eltern hereingeführt wird. Nicht nur die Braut trägt bei einer jüdischen Hochzeit weiß, nein auch der jüdische Bräutigam ist ganz in Weiß. Nachdem alle „Formalitäten“ wie das Unterschreiben der Ketuba (Ehevertrag) erledigt waren, konnte die Hochzeitsgesellschaft schließlich tanzen, singen und lachen. Mazel tov!
il