6. Jahrgang Nr. 1 / 27. Januar 2006 - 27. Tewet 5766

Nachrichten

Favorisiertes Einwanderungsland

Deutschland ist nach Israel und den USA das wichtigste Einwanderungsland für jüdische Immigranten weltweit. Vor allem Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion kämen in die Bundesrepublik, erklärte Professor Paul Harris von der amerikanischen Georgia State University. Der Politikwissenschaftler hatte gemeinsam mit dem Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam und der Universität Tel Aviv die Situation russischjüdischer Immigranten in Deutschland, Israel und den USA untersucht. Die russischen Juden haben nach seinen Worten »keine gefestigte und ausgeprägte Religiosität.« Vor allem jungen Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion fehlten Kenntnisse der religiösen jüdischen Kultur.
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Jüdische Spurensuche

Nach über zwölf Jahren wissenschaftlicher Arbeit ist in Nordrhein-Westfalen das Forschungsprojekt "Jüdisches Kulturerbe" abgeschlossen worden. In fünf Bänden sind auf 3300 Seiten akribisch alle Zeugnisse und Spuren verzeichnet, die jüdisches Leben von der Spätantike bis 1938 in dieser Region hinterlassen haben. Die von der Wissenschaftlerin und Autorin Elfi Pracht-Jörns (im J.P.Bachem Verlag, Köln) verfasste Sammlung beschreibt Schul- und Wohnhäuser, ehemalige jüdische Sozialeinrichtungen sowie über 330 Synagogen und mehr als 470 Friedhöfe. Besondere Bedeutung habe die schwierige Forschungsarbeit auch dadurch, dass die meisten Archive jüdischer Gemeinden während der Verfolgung unter dem NS-Regime vernichtet worden seien, betonte der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel. Er wünsche sich, dass die Bände zu einem "Pilotprojekt" auch für andere Bundesländer würden. dpa/zu

Neuer Entwurf für "Topographie"

Der zweite Architekturwettbewerb für den Neubau des Berliner NS-Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" ist entschieden. Der erste Preis geht an das Berliner Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner. Ihr Entwurf sieht ein schlichtes Ausstellungsgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Gestapo-Hauptquartiers in Berlin-Kreuzberg vor. Er entspricht damit einer Vorgabe der Topographie-Stiftung. Das Bauprojekt, das erstmals 1995 gestartet wurde, wurde 1998 wegen der zu hohen Baukosten für das Baukonzepts des Schweizer Architekten Peter Zumthor abgebrochen werden. Auf Bitten des Landes Berlin erklärte sich der Bund bereit, Bauherr des Projekts zu werden. Dem Preisgericht gehören unter anderen die ehemalige Kulturstaatsministerin Christina Weiß (parteilos), Berlins Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Kultursenator Thomas Flierl (Die Linke.PDS) und der geschäftsführende Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors", Rabbiner Andreas Nachama, an.
KNA