5. Jahrgang Nr. 12 / 23. Dezember 2005 - 22. Kislew 5766

Das Öl-Wunder von Jerusalem

Rabbiner Dr. Joel Berger über Ursprung und Bedeutung vom Lichterfest Chanukka

Das Lichterfest Chanukka, das wir in diesem Jahr vom 25. Kislew bis 2. Tewet (26. Dezember bis 2. Januar feiern, ist eines unserer nachbiblischen Feste. Der Aufstand und Befreiungskampf der Makkabäer im zweiten Jahrhundert vor der bürgerlichen Zeitrechnung ereignete sich nach Abschluss, das heißt nach der Kanonisierung unserer Bibel. Dieser Aufstand, die Grundlage für das Fest, wurde vom Priester Matitjahu und seinen fünf Söhnen gegen die hellenistische Herrschaft im Heiligen Lande geführt.

Der Grund für den Aufstand der jüdischen Freiheitskämpfer, die Makkabäer genannt wurden, war die von den syrischen Eroberern aufgezwungene hellenistische Lebensform. Diese stand in genauem Gegensatz zum traditionell jüdischen Leben. So wurden viele Juden im Namen eines menschenverachtenden Götzendienstes versklavt oder verschleppt, jüdische Kultstätten, wie etwa der heilige Tempel in Jerusalem, wurden dem griechischen Gott Zeus geweiht und jüdische Gebote und Bräuche wurden verpönt, ihre Befolgung untersagt. Es formte sich bald Widerstand, als das Volk merkte, dass die Eroberer zwar auch griechisch sprachen, aber nicht vom aufgeschlossenen, toleranten Schlage Alexanders des Großen waren, der sich Juden gegenüber sehr verständnisvoll gezeigt hatte. Nach harten Jahren der Kämpfe gelang es einer tapferen Kämpfer-Schar 165 v.u.Z. den geschändeten Tempel in Jerusalem zurückzugewinnen. Nach dem Sieg durch die Makkabäer wurde der Altar des Tempels wieder eingeweiht. Daher der Name „Chanukka“, denn das hebräische Wort bedeutet übersetzt „Einweihung“.

Bei der Einweihung des Tempels wurde der siebenarmige Tempelleuchter (Chanukkamenora) angezündet und es strahlte vom Tempelberg das Licht in die Dunkelheit der mediterranen Winternacht hinaus. So wurde das Licht für das vorher gedemütigte Volk zum Sinnbild für den Sieg über die dunklen Kräfte der heidnischen Unterdrücker, die das jüdische Volk durch Vernichtung seines Wissens, der Kultur und Lebensform ausmerzen wollten.

Aus diesem Grunde ist bis heute die wichtigste Zeremonie des Festes das allabendliche Anzünden der Lichter an dem achtarmigen Leuchter, der Chanukkija. Dieser Leuchter hat wegen der achttägigen Dauer des Festes acht Arme. Im Gegensatz zu der von der Tora vorgeschriebenen siebenarmigen Menora. Diese war ein Tempelgerät und dient heute nur symbolischen Zwecken. Sie wird nicht mehr angezündet.

Bei Einbruch der Dunkelheit werden zu Chanukka die Kerzen angezündet, dazu werden Segenssprüche gesprochen und fröhliche Lieder gesungen. Die Rabbinen lehrten uns außerdem, dass es ist ein Gebot sei, die Chanukkija draußen vor die Tür zustellen. Wer in einem Obergeschoß wohnt, soll die Kerzen an ein Fenster stellen, das zur Straße liegt und nach Außen leuchtet. Doch in Zeiten der Gefahr stelle man sie – lieber - auf den Tisch … So waren wir während meiner ganzen Kindheit und Jugend wegen der sehr reellen Gefahren gezwungen, das Licht des Festes in die hintere Ecke des Zimmers zu verbannen. Und damit waren wir durch „äußere Umstände“ Gezwungen, einen wesentlichen Inhalt des Festes zu verbergen: Denn die zentrale Chanukka-Botschaft ist, dass das Wunder dieser Lichter, die für die gelungene Rettung der Kultur unseres Volkes stehen, als friedliches Symbol nach außen getragen wird - für all jene, die sich vielleicht in ähnlicher Lage wie wir damals befinden. Ihnen soll die Hoffnung vermittelt werden, dass das Licht des Glaubens über die Dunkelheit des Unglaubens und Unwissens siegen kann...

Wenn man heute in unserer Welt, in der wir zu oft Gewalt, Mord und Terror zu beklagen haben, zumindest die Chanukkalichter ohne Angst nach außen strahlen lassen oder sie in einem freien, und demokratischen, jüdischen Staat in vielen Städten und Siedlungen auf offener Straße vor großen Menschenmengen anzünden könnte, dann, ja dann wären wir unendlich dankbar...