5. Jahrgang Nr. 12 / 23. Dezember 2005 - 22. Kislew 5766

Rechtsprofessor mit Leo-Baeck-Preis 2005 geehrt

Zentralrat würdigt Engagement des Heidelberger Universitätsrektors für jüdisches Leben

In der Alten Aula der Ruprecht-Karls-Universtität Heidelberg hat der Zentralrat der Juden in Deutschland ihren Rektors, Professor Dr. Peter Hommelhoff, mit dem Leo-Baeck-Preis 2005 ausgezeichnet. Damit werde Hommelhoffs Engagement bei der Entwicklung der 1979 in Heidelberg gegründeten Hochschule für Jüdische Studien geehrt, würdigte Zentralrats-Präsident Paul Spiegel den Geehrten während der Feierstunde. Hommelhoff liege daran, diese einmalige Einrichtung «fest und gleichberechtigt» in der deutschen Hochschullandschaft zu etablieren. „Das mein Engagement so herausragend gewürdigt wird, erfüllt mich natürlich mit Freude, aber es beschämt mich auch“, sagte der international anerkannte Rechtsprofessor nach der Preisvergabe sichtlich gerührt. Hommelhoff erklärte, heute stehe die HfJS als "kleine und feine, vor allem aber als normale Universität in Deutschland da". Sie schöpfe ihre Kraft und ihr Ansehen zu nicht geringem Teil aus einem dichten Netzwerk mit der Universität Heidelberg. Die Hochschule müsse eine "tragende Säule in den deutsch-jüdischen Beziehungen werden und auf alle künftigen Zeiten bleiben". Für ihn sei die Einrichtung "ein unglaubliches und kaum zu ermessendes Bekenntnis der Judenheit in Deutschland". Und das sei nach dem Jahrhundert-Verbrechen der Nationalsozialisten auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach wie vor alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

“Die Hochschule für Jüdische Studien hat für die in Deutschland lebenden Juden eine besonderer Bedeutung“, so Spiegel in seinem Grußwort. Sie biete nicht nur die Möglichkeit, jüdische Wissenschaften zu studieren, sondern verkörpere «wie kaum eine andere Einrichtung des nach dem Krieg wieder in Deutschland ansässig gewordenen Judentums die Hoffnung auf eine Zukunft in Deutschland». Hommelhoff setze sich als Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz dafür ein, dass sie das Recht zur Habilitation erhalte und in die Rektorenkonferenz aufgenommen werde. Mit ihm werde ein Mann geehrt, der sich «aus historischem Bewusstsein und ehrlicher Betroffenheit» seit vielen Jahren darum bemühe, zur Belebung jüdischen Lebens in Deutschland beizutragen.

Auch der Vizepräsident des Zentralrats der Juden und der Vorsitzende des Kuratoriums der Hochschule für Jüdische Studien, Salomon Korn, hob in seiner Laudatio die Verdienste des Juristen Hommelhoff um die HfJS hervor. Dieser habe sich auf Grund seines Geschichtsbewussteins und seiner Anteilnahme innerhalb und außerhalb seines Amtes für die Weiterentwicklung und Etablierung der jüdischen Wissenschaften in Deutschland eingesetzt. Die Verbindung der HfJS mit der Heidelberger Universität sei von Anbeginn "eine glückliche, für beide Seiten fruchtbare Fügung". Das Anliegen Hommelhoffs, die Jüdische Hochschule als feste, über die Grenzen Deutschlands hinaus angesehene Einrichtung der deutschen Hochschullandschaft zu verankern, verdiene Dank und Anerkennung.

Die vom Zentralrat vor 26 Jahren gegründete und getragene Hochschule bildet unter anderem angehende Gemeindemitarbeiter und staatlich anerkannte Religionslehrer aus. Derzeit studieren dort etwa 160 Studenten. Hommelhoff gehört dem Kuratorium der Hochschule an, die eng mit der Universität Heidelberg kooperiert. Der Leo-Baeck-Preis wird seit 1956 verliehen und ist nach dem jüdischen Wissenschaftler und Rabbiner Leo Baeck (1873- 1956) benannt. Der Zentralrat ehrt mit ihm Personen, die sich in hervorragender Weise für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland eingesetzt haben.

zu/dpa