5. Jahrgang Nr. 11 / 25. November 2005 - 23. Cheschwan 5766

Von Isaak und Rebekka - Wochenabschnitt Chajej Sara

Rabbiner Dr. Joel Berger, Stuttgart

Die Frau steht im Mittelpunkt der biblischen Schabbatlektüre am 23. Cheschwan (25. November). Der Abschnitt beginnt mit dem Tod der Frau Abrahams, Sara (1.B.M. 23:2). Anschließend wird über die Eheschließung ihres Sohnes Isaak mit Rebekka erzählt (1.B.M. 24: 67): „Und Isaak führte Rebekka in das Zelt seiner Mutter Sara und er nahm Rebekka (zur Frau) und sie wurde seine Frau. Er gewann sie lieb. Nun tröstete sich Isaak nach (dem Tode) seiner Mutter.“ Über die „Hochzeit“ selbst wird nicht weiter berichtet. Über die Umstände, wie es dazu kam, lesen wir in einer umfang- und lehrreichen Erzählung: Abraham, der Vater Isaaks, schickt einen Vertrauten nach Charan, in die alte Heimat, um dort für seinen Sohn eine Frau aus der erweiterten Verwandtschaft zu suchen. Diese Reise des Beauftragten ist der Kern der Lektüre. Sie erzählt in epischer Länge, wie er bei der Familie eingekehrt, wie er aufgenommen wird und wie er die junge Frau bereits am Brunnen der Stadt „geprüft hat“, um festzustellen, ob sie menschlich, großzügig und tierlieb genug ist, um die Frau Isaaks werden zu können. Und wie er, nachdem Rebekka ihr Jawort gegeben hat, den Rest der Familie davon überzeugen konnte, dass sie auch einwilligen.

Diese Berichte haben in der Tat die jüdische und später sogar die muslimische Lebensführung und Familiengestaltung bis heute nachhaltig beeinflusst. Die Welt der Orientalen - der Juden und auch der Muslime - fand und findet es bis heute richtig, dass bei einer „Eheanbahnung“, der familiäre Hintergrund der zukünftigen Eheleute beleuchtet und berücksichtigt wird. Hintergrund ist die Erkenntnis: Wenn beide Familien gleichgesinnt sind, werden sich im gemeinsamen Leben des jungen Paares vielleicht weniger Reibungsflächen als sonst ergeben. Und es ist realistischer, dass die Ehe ein Leben lang hält. Die weitgehend säkularisierte, westliche, moderne Lebensform hat zu dieser Frage andere Ansichten. Das hängt auch mit dem völlig anderen Stellenwert der Familie in der modernen Gesellschaft zusammen.

Noch ein interessanter Aspekt zum Schluss: Die Rabbinen heben die Reihenfolge des Verses besonders hervor, denn es heißt bewusst „[...]Rebekka wurde seine Frau und er gewann sie lieb [...]“. Erst nach der Heirat kam die Liebe, die für eine tiefe Verbundenheit, gegründet auf Verständnis und Harmonie steht und nicht nur auf körperlichem Verlangen basiert. Erst durch die Hochzeit und ein gemeinsames leben mit Rebekka fand Isaak Trost nach dem Tod seiner Mutter Sara ...