4. Jahrgang Nr. 2 / 27. Februar 2004 - 5. Adar 5764

„Rettet die Kinder!“

Frankfurter Museum erzählt in beeidruckender Ausstellung die 70-jährige Geschichte der Kinder- und Jugend-Aliyah

Die schwarzweiße Luftaufnahme zeigt fröhliche tanzende Kinder, rechts und links Wüste, vereinzelte Holzhütten, die Sonne wirft kurze Schatten – eine Momentaufnahme, die für 70 Jahre Kinder- und Jugend-Aliyah in Israel steht. Noch bis zum 10. März präsentiert das Frankfurter Museum Judengasse aus diesem Anlass die beeindruckende Fotoausstellung „Rettet die Kinder. Die Jugendaliyah 1933-2003“.

Seit der Gründung vor 70 Jahren nahm die Jugend-Aliyah 350.000 Kinder und Jugendliche aus mehr als 80 Ländern in ihren „Dörfern“ sowie Kibbuzim in Israel auf. Die Geschichte der Bewegung reicht zurück in die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, die Idee entstand 1932 in Berlin. Recha Freier (1892 – 1984) schätzte den zunehmenden Antisemitismus und heraufziehenden Nationalsozialismus realistisch ein und wollte deshalb, jüdische Kinder ins damalige Palästina bringen. Dort sollten sie als freie und selbstbewusste Juden ein neues Leben beginnen und sich am Aufbau des Landes beteiligen. Am 30. Januar 1933, dem Tag von Hitlers Machtübernahme, gründete sie offiziell das „Hilfskomitee für jüdische Jugendliche". Durch den Zusammenschluss verschiedener Organisationen entstand schließlich am 30. Mai 1933 die Jugend-Aliyah. Erste Direktorin in Jerusalem wurde die Amerikanerin Henrietta Szold (1860 – 1945) im November 1933. Und von da an – vor allem in den kommenden schwierigen Jahren – nahm die Aliyah-Erfolgsgeschichte ihren Lauf: So gelang es den Initiatoren mehr als zehntausend Kinder vor der Schoa zu bewahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kümmerte sich die Jugend-Aliyah verstärkt um die Waisen des Holocaust, entwickelte spezielle Programme, um den individuellen Bedürfnissen dieser Kinder gerecht zu werden. Später kamen Kinder und Jugendliche aus allen Teilen der Welt hinzu. Inzwischen versucht die Organisation vor allem die Integration „problematischer“ Jugendlicher, z.B. von Kindern aus Familien mit Drogenproblemen, Scheidungskindern, Straßenkindern usw. voranzutreiben, vermittelt Werte wie Toleranz und Solidarität, um den Kindern ein Zuhause, Wärme und Liebe zu geben. zu

Kontakt: 069/29 77 419 oder www.juedischesmuseum.de