5. Jahrgang Nr. 10 / 28. Oktober 2005 - 25. Tischri 5766

Freude und Vergnügen

Theatertruppe aus der Gemeinde Rostock tourt durch Deutschland

Von Irina Leytus

Der Name ist Programm und Versprechen zugleich: „Mechaje’ bedeutet im Hebräischen und Jiddischen Freude und Vergnügen. Und genau dies sollen die Vorstellungen unseren Zuschauern machen“, sagt Intendant und Regisseur Michail Korchagin. Von engagierten Schauspielern und mit Unterstützung der jüdischen Gemeinde Rostock 1997 gegründet, hat sich das unabhängige Theater mittlerweile deutschlandweit etabliert: Immer wieder steht das Ensemble mit seinem Programm in Rostock und anderen deutschen Städten auf der Bühne.

Das Konzertprogramm, mit dem das Theater seit Mai auf Tournee ist, besteht aus szenischen Miniaturen angelehnt an Geschichten von Schalom Alejchem und entwickelt vom „eigenen“ Dramaturgen Juri Rosov. Präsentiert werden Lieder, Gedichte und Tanzszenen. Trotz der Vielfältigkeit der Genre und dem Sprachmix aus Jiddisch, Deutsch und Russisch wirkt das Programm stimmig und abgerundet. Der so erzeugte Spannungsbogen hält den Zuschauer zwei Stunden lang regelrecht in Atem. Auch wenn das Motto „Freude“ heißt, rutscht die Aufführungen nie in flache Unterhaltung ab, aus dem Amüsanten wird nie Billiges, aus den volkstümlichen Momenten nie bloße Folklore. Dafür sorgen das Niveau der Inszenierung und der Darsteller Margarita Vischnyakova, Marina Beitman, Michail Korchagin und Juri Rosov. Die professionelle musikalische Begleitung von Swet Charkovski versteckt sich dezent im Hintergrund, außer in den zwei Solo-Stücken – jeweils vor und nach der Pause – wenn der Klavierspieler seinem Können „freien Lauf“ lässt und ebenfalls viel Mechaje im Saal versprüht.

„Es war eine sehr schöne Vorstellung, so echt, so lustig und warmherzig!“ freut sich eine russisch-jüdische Besucherin in Berlin. Aber auch ein nicht-jüdischer Gast im Berliner Gemeindehaus ist begeistert: „Einerseits ist das Programm sehr jüdisch, andererseits fühle ich mich dabei nicht fremd, denn es ist einfach sehr menschlich, was auf der Bühne abläuft. Außerdem muss ich gestehen, dass ich von der Professionalität der Theatergruppe überrascht bin. Von diesem Niveau könnten sich so manche Profis eine Scheibe abschneiden. Auch von der Musik konnte ich heute nicht Genug haben. Mir würde es gefallen, wenn der Pianist Swet Charkovski beim nächsten Mal noch ein Soloprogramm anbieten würde“.

In den kommenden Wochen wird die Truppe aus Rostock mit ihrem Programm in Dortmund, Düsseldorf und Würzburg auftreten. Für Ende November ist in Rostock die Premiere (die Weltpremiere) des Stückes „Café Eden“ aus der Feder des berühmten, jüngst verstorbenen russisch-jüdischen Dramatikers Arkadij Chait geplant. Außerdem warten in Rostock ungeduldig sechs Nachwuchstalente, die im Jugendstudio des Theaters singen, tanzen und vortragen lernen. „Wir müssen schon langsam an die Nachfolger denken“, schmunzelt der 47jährige Regisseur und Darsteller Korchagin, der in der Pause noch immer die Maske von Reb Alter trägt und dadurch noch etwas älter wirkt. An dieser Stelle möchte sich Korchagin vor allem für die großartige Unterstützung bedanken und fügt hinzu: „Ohne die Hilfe der Stadt Rostock und vor allem vom Zentralrat der Juden wären wir heute nie dort, wo wir sind!“

Die Pause ist zu Ende, der Vorhang geht auf und nun wird es wieder Ernst mit Freude und Vergnügen...

Informationen zum Programm und zu den Vorstellungen gibt es unter Telefon 0381 459 07 24.