5. Jahrgang Nr. 10 / 28. Oktober 2005 - 25. Tischri 5766

Neue Zahlen

Zentralwohlfahrtstelle legt Statistik vor: Die jüdische Gemeinschaft ist deutlich gewachsen

Zukunft 5. Jahrgang Nr. 10
Zukunft 5. Jahrgang Nr. 10

Die aktuelle Statistik der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST) enthält präzise Angaben über die Entwicklung der Mitgliederzahlen in den jüdischen Gemeinden seit der Gründung des Zentralrats der Juden 1950. Die Zahl der Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland ist zwischen 1955 und 2004 von 15 920 auf heute 105 733 gestiegen. Das entspricht einer Zunahme um fast 700 Prozent.

Im ersten Jahrzehnt (1955 bis 1965) ist ein geringer Zuwachs um knapp zehntausend Mitglieder zu verzeichnen. In den dann folgenden ca. 25 Jahren bleibt die Zahl der Mitglieder in den Gemeinden relativ stabil und liegt bei ungefähr 26 000 registrierten Mitgliedern jährlich. Erst mit dem Fall der Mauer und der Öffnung des eisernen Vorhanges explodieren die Zahlen: Während sich in den 45 Jahren von 1955 bis 1990 die Zahl der erfassten Juden insgesamt gerade einmal verdoppelt hat (von ca. 15.000 auf knapp 30.000 Mitglieder 1989), verdreifacht sie sich nach 1990 innerhalb von „nur“ zehn Jahren. Bereits 1994 sind 45 000 Juden in der BRD registriert. Das sind etwa 16 400 mehr als vier Jahre zuvor. Im Jahr 2000 sind es bereits an die 90.000. Nach 1994 nimmt die Mitgliederzahl rapide zu: Die Gemeinden registrieren jährlich etwa 6000 Neuzugänge, im Jahr 2003 wird die 100 000-Marke um 2472 Mitglieder überschritten. Ende 2004 verzeichnet die ZWST über 105 700 Mitglieder in den 87 jüdischen Gemeinden.

Ganz offensichtlich sind die politischen Entwicklungen in Osteuropa, insbesondere in der ehemaligen Sowjetunion, für den rasanten Anstieg der Mitgliederzahlen verantwortlich. In welchem Ausmaß verdeutlichen die folgenden Zahlen: Rechnet man die Zuwanderer - bis Ende 2004 waren das 94 576 - aus der Statistik heraus, dann liegt die Mitgliederzahl in den Gemeinden heute mit circa 11 000 weit unter dem Niveau von 1989 (circa 27 000). Ohne die Einwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wäre die deutsch-jüdische Gemeinschaft also eine stark schrumpfende gesellschaftliche Gruppe. Dementsprechend steigt auch der Anteil an Gemeindemitglieder aus den GUS-Staaten gegenüber den „alten“ Gemeindemitglieder: Von den insgesamt 105 733 Mitgliedern liegt der prozentuale Anteil der Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion bei 89,45. Zu Beginn der Zuwanderungswelle von 1990 entsprach die Anzahl dieser Gruppe in der Gemeinde lediglich 3,47 Prozent (ca. 29.000 registrierte Mitglieder, davon etwa 1000 Zuwanderer).

Statistisch macht sich die Zahl der Zuwanderer auch in den einzelnen Landesverbänden und Gemeinden bemerkbar. Zum Beispiel in München: 323 Zugänge gibt es im Jahr 2004; davon entfallen 17 auf Zugänge aus dem Ausland (ohne GUS-Staaten), 20 auf Zugänge aus anderen Gemeinden, bei fünf Personen handelt es sich um Übertritte, 14 Geburten sind verzeichnet und 32 „sonstige Zugänge“. Dazu kommt die mit Abstand größte Gruppe mit 235 neuen Mitgliedern aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Ein Aspekt ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert: Statistisch fallen die Zuwanderer im Bereich „Abgänge“ kaum ins Gewicht. Nur langsam passt sich etwa die Zahl der Todesfälle der insgesamt wachsenden Statistik an – ein Beweis für die überwiegend jungen Menschen unter den Zuwanderern. In der Altersstruktur bilden die 17 bis 21 Jahre alten die zweitgrößte Gruppe in Bezug auf Wachstum innerhalb der Gemeinde: Seit 1989 hat sich ihre Zahl mehr als vervierfacht – sie stieg von 1229 vor 15 Jahren auf knapp unter 6000 an. Vor den Jugendlichen sind in Bezug auf das Wachstum nur die 51 bis 60 Jahre alten Mitglieder platziert: Ihre Gruppe ist mit 16 803 Mitgliedern auf mehr als das fünffache angeschwollen. Geradezu winzig mutet in Anbetracht dieser Zahlen die bitterste Ziffer der Statistik an: Insgesamt haben im vergangenen Jahr 3029 Menschen die jüdische Gemeinschaft in Deutschland verlassen.

Jb/zu