01.11.2005

Brückenfunktion ist umstritten

„Israel ist und bleibt unsere religiöse und geistige Heimat“, konstatierte Charlotte Knobloch, Vize-Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, am Ende entschieden. Dem wohlmeinenden Statement war auf der Tagung „Die Brückenfunktion der Juden in Deutschland in den deutsch-israelischen Beziehung“, die vom Zentralrat der Juden und der Heinrich-Böll-Stiftung aus Anlass der 40-jährigen deutsch-israelischen Beziehungen veranstaltet wurde, eine höchst kontroverse Diskussion vorausgegangen. Überraschend hatte Professor Michael Brumlik für ausreichend Zündstoff gesorgt, indem er kurz entschlossen die Veranstalter belehrte, „die Brückenfunktion gibt es überhaupt nicht“. Der israelischen Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, bekräftigte den Anspruch seines Landes auf eine »Führungsrolle« innerhalb der jüdischen Gemeinschaft und auf eine Zuwanderung möglichst vieler Juden nach Israel: „Im Israel stelle man sich immer noch die Frage: Was haben Juden überhaupt in Deutschland zu suchen?“ fragte er polemisch. Schließlich relativierte Stein seine Forderung mit der Feststellung, viele Gemeinden seinen heute aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage die Brückenbauerfunktion zu erfüllen. Vize-Präsidentin Knobloch forderte Israel auf, deutsche Juden als gleichberechtigte Partner wahrzunehmen und ihnen auf „gleicher Augenhöhe“ zu begegnen.