5. Jahrgang Nr. 9 / 30. September 2005- 26 Elul 5765

Nachrichten

Simon Wiesenthal gestorben

Der langjährige Nazi-Verfolger Simon Wiesenthal ist am 20. September im Alter von 96 Jahren in Wien gestorben. Der österreichisch-israelische Architekt und Autor spielte eine entscheidende Rolle bei der Ergreifung von Adolf Eichmann 1960 in Argentinien. Eichmann hatte die Massenverfolgung und -ermordung der Juden im Dritten Reich maßgeblich organisiert. Rund 1100 Nazis wurden von ihm enttarnt und vor Gericht gestellt. Zu seinen wichtigen Erfolgen zählte Wiesenthal die Festnahme des Kommandanten des Konzentrationslagers Treblinka, Franz Stangl, 1967 in Sao Paulo. Der Gründer des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles wollte nicht Rache sondern Recht, wollte, dass die Millionen Opfer des Nazi-Terrors niemals vergessen werden. „Meine einzigen Auftraggeber waren mein jüdisches Gewissen, meine Treue zum jüdischen Volk und das Andenken an die Toten“ mit diesen Worten beschrieb der bedeutende Nazi-Jäger die Triebfeder seiner unermüdlichen Suche.
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Massengrab in Stuttgart entdeckt

Bei Bauarbeiten am Stuttgarter Flughafen haben Arbeiter vermutlich ein Massengrab aus der Zeit des Nationalsozialismus gefunden. Es könnte sich um jüdische Gefangene des damaligen Arbeitslagers Echterdingen handeln, teilten die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden- Württemberg mit. Die etwa 30 Opfer sollen von November 1944 bis Februar 1945 auf dem ehemaligen Fliegerhorst als Zwangsarbeiter eingesetzt gewesen sein. Ehemalige Häftlinge hatten ausgesagt, dass im Lager mehr als 100 Menschen jüdischer Herkunft an Hunger oder Fleckfieber gestorben waren. Bereits vor 60 Jahren waren an der Stelle die Überreste von 66 Menschen geborgen worden. Die Exhumierung ist auf heftige Kritik gestoßen. Das Komitee zur Bewahrung jüdischer Friedhöfe in Europa forderte den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) auf, die Arbeiten sofort einzustellen. «Einer der Grundpfeiler der jüdischen Religion ist das Prinzip der Unstörbarkeit der Grabesruhe», erklärte der Präsident des Komitees, Rabbi Elyakim Schlesinger.
dpa