4. Jahrgang Nr. 1 / 30. Januar 2004 - 7. Schwat 5764

Reflexe aus dem Nichts

Architekt Michael Arad aus Israel baut „Reflecting Absence“, das Mahnmal für das World Trade Center in New York

Von Ulf Meyer

Bis zu 20.000 Menschen besuchen täglich „Ground Zero“, das Areal des zerstörten World Trade Centers in Manhattan. Bald wird an dieser Stelle ein Denkmal gebaut, dass ein junger, weitgehend unbekannter Architekt aus Israel entworfen hat. Denn die Jury für das neue Mahnmal in New York hat Anfang Januar entschieden, dass künftig zwei große, zehn Meter tiefe Wasserbassins an die Opfer der Terrorattacken vom 11. September 2001 in New York, Washington und Pennsylvania erinnern sollen. Die Becken stellen die „Fußabdrücke“ des zerstörten World Trade Centers dar. Den „Reflecting Absence“ genannten Entwurf hat Michael Arad mit dem Landschaftsarchitekten Peter Walker aus San Francisco entwickelt. 5200 Entwürfe waren ursprünglich eingereicht worden..

Arad (31) wuchs in Israel, den USA und Mexiko auf. Seit Beendigung seines Militärdienstes in Israel 1991 lebt er in den USA. Er studierte am Dartmouth College und am Georgia Institute of Technology in Atlanta Architektur. Seit 1999 lebt er in New York und arbeitete in großen Architektenbüros. Erst seit kurzem gehört Arad zur Entwurfsabteilung des New Yorker Stadtplanungsamtes, für das er bereits zwei Polizeiwachen entworfen hat.

Die Gedenkstätte, zu der auch ein gepflastertes Steinfeld und Bäume gehören, wird neben dem geplanten 533 Meter hohen „Freedom Tower“ einer der zentralen Punkte des Platzes.

Auf Drängen der Hinterbliebenen der Opfer überarbeitete Arad seinen Entwurf und präsentierte ihn erneut der Öffentlichkeit. Arad: Der Entwurf sei jetzt „grüner, heterogener und freundlicher“. Hinzugekommen sind ein Wäldchen, narrative und museale Elemente, sowie ein unterirdisches „Memorial Center“, das über eine Rampe an den Spundwänden - den Resten der Gebäude - betreten wird. In der 10.000 Quadratmeter großen Halle sollen Gegenstände ausgestellt werden, die aus dem Schutt der zerstörten Türme geborgen worden sind.

Vom „Memorial Center“ aus soll der Besucher bis zum 30 Meter unter Straßenniveau liegenden Fundament hinabsteigen können. Unter offenem Himmel sollen dort die nicht identifizierbaren sterblichen Überreste der Opfer in einer Steinkammer bestattet werden. Von unterirdischen Gängen aus sehen die Besucher durch einen Vorhang aus Wasser über die beiden Pools, in deren Mitte das Wasser in ein quadratisches Loch stürzt. Die Namen der Opfer werden an den Wänden der Gänge aufgelistet.