4. Jahrgang Nr. 1 / 30. Januar 2004 - 7. Schwat 5764

Endlich ein neuer Betsaal!

Die 302 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Hameln weihten Synagogen-Raum ein

Von Heide Sobotka

Engagiert und hartnäckig hat Jakov Bondar die vergangenen fünf Jahre für seine Synagoge in Hameln gekämpft. Ein Haus ist es zwar nicht geworden, aber ein großer repräsentativer Betsaal in der Lohstraße 2, den die Jüdische Gemeinde Hameln Bad Pyrmont bereits am 21. Dezember einweihen konnte. Gezimmert, gesägt, gestrichen und ausgebessert haben die 302 Gemeindemitglieder selbst. Und jetzt ist er ausgestattet mit Bima, Aron Hakodesch und ewigem Licht. „Ohne die Eigenleistung, hätten sie es nicht geschafft“, sagt Michael Fürst, der der Gemeinde das „Wohlwollen des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen zur Einweihung überbrachte. Ich bringe keine Geschenke mit“, sagte der Landesvorsitzende, „die Gemeinde kann mit ihren Sorgen jederzeit zu uns kommen, und wir finden immer einen Ausweg.“ Dies sei mehr wert, als ein Scheck über eine kleine Summe.

Entsprechend fiel auch Bondars Dank aus. „Ihr Einsatz für die jüdische Gemeinschaft“, wandte sich der Gemeindevorsitzende an Fürst, sei über die Landesgrenzen bekannt. „Hervorheben möchte ich jedoch, dass Sie uns bei der Gründung und Entwicklung unserer Gemeinde mit Rat und Tat immer unterstützt haben. Für uns bleiben Sie ein junger, dynamischer Vater in guten und in schlechten Zeiten.“

Die schlechten Zeiten für die Jüdische Gemeinde Hameln Bad Pyrmont dürften fast vorüber sein, so jedenfalls deutete es Bondar an. Sein Dank an Rabbiner Jonah Sievers war geradezu überschwenglich. „Wir sind einfach glücklich, dass Sie bei uns amtieren. Es ist eine wahre Bereicherung, Sie hier zu haben.“ Er wisse auch, wie schwierig es sei, in mehreren Gemeinden tätig zu sein. „Aber ich darf mir etwas wünschen: Kommen sie öfter zu uns!“ Zur Einweihung hatte Rabbiner Sievers den Festgottesdienst zelebriert.

Bondars Hartnäckigkeit zeigte auch bei den Politikern Wirkung. Vertreter des Landes, Staatssekretär Hartmut Saager, des Landkreises Hameln Bad Pyrmont mit Landrat Karl Heißmeyer, der Stadt mit Bürgermeister Herbert Rode kamen zur Einweihung des neuen Betraums und zeigten ihre Verbundenheit mit der Jüdischen Gemeinde, die eine reine Zuwanderer-Gemeinde ist. Verbunden fühlten sich auch die benachbarten Jüdischen Gemeinden, mit ihren Vorsitzenden aus Braunschweig (Renate Wagner-Redding), aus Osnabrück (Michael Grünberg), aus Hildesheim (Jakow Gurewitsch), aus Hannover (Klaus Kune) sowie Mary Sofer vom Landesverband.

Eingeladen waren außerdem die liberale Gemeinde Hameln, mit der Bondar einen guten Kontakt pflegt, die christlichen Kirchen und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. „In einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft können Gemeinden friedlich neben einander existieren“, erklärte Bondar seine Offenheit zu allen Seiten. „Für uns ist dies ein Neuanfang in jeder Hinsicht“, sagte Bondar, ein Wunder, das uns an Chanukka erinnert. Ein Vergleich, den die Historikerin Hanna Liss in ihre Rede aufnahm: „Zu Chanukka feiern wir die Freiheit des Geistes und die Wiedererlangung jüdischen Selbstverständnisses.“ Worte, die auf die Gemeinde in besonderer Weise zuträfen – für die Einweihung der Synagoge und die Einführung der Sefer Tora, ein Geschenk der Gemeinde Oldenburg.

Aus Jüdische Allgemeine 30/24.12.2003