17. Jahrgang Nr. 9 / 29. September 2017 | 9. Tischri 5778

Selbstverständnis

Berliner Ausstellung und Diskussionsabend zum Thema Migration und die jüdische Gemeinschaft

Migration ist eines der in politischen und sozialen Debatten in Deutschland am häufigsten benutzten Wörter. Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk ELES wollte daher dieses Thema einmal aus jüdischer Sicht aufgreifen. Das Ergebnis war die in diesem Monat in der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum eröffnete Ausstellung „#Babel 21“. Die Ausstellung portraitiert zwölf junge Jüdinnen und Juden im Alter zwischen 20 und Mitte 30, die über ihre Herkunft und Identität Auskunft gaben.
Am Vorabend der Eröffnung fand im Centrum Judaicum ein Diskussionsabend unter dem Titel „Migration und die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft“ statt. Auf dem Podium saßen Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dmitrij Belkin, Ausstellungskurator und ELES-Mitarbeiter, sowie Meytal Rosental, eine der Protagonistinnen der Ausstellung. Die Moderation übernahm Jo Frank, Geschäftsführer des Begabtenförderungswerks.
In ihrer Einführung betonte Dr. Anja Siegemund, Direktorin der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, Juden seien nicht an sich kosmopolitischer als andere Menschen, doch hätten sie häufiger als andere Gruppen die Erfahrung der Migration gemacht. Aus- und Einwanderung, so Thomas Krüger, seien ein kardinales Thema der politischen Bildung. Dabei müsse der große Veränderungsprozess, den die Migration in der Gesellschaft bewirke, reflektiert werden. Dr. Belkin betonte die Vielfalt der Migrationserfahrungen und erklärte, mit der Ausstellung sei die Sichtweise der Betroffenen in den Mittelpunkt gestellt worden.
Zentralrat-Geschäftsführer Botmann führte aus, die nach der Schoa entstandene jüdische Gemeinschaft in Deutschland sei auf Zuwanderung gegründet gewesen. Durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion sei sie pluraler, individueller und vielschichtiger geworden, basiere aber dennoch auf gemeinsamen demokratischen Werten. Botmann ging auch auf die durch den Zuzug nach Deutschland ausgelösten Identitätsveränderungen der Zuwanderer ein und hob die Bereitschaft des Zentralrats, der Landesverbände und der jüdischen Gemeinden hervor, die Zuwanderer zu integrieren.

Maria Ugoljew